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Bau der Autobahn 72: Neue Probefelder an der Gösellache bei Rötha

Baugrund Bau der Autobahn 72: Neue Probefelder an der Gösellache bei Rötha

Schwierig wird der Bau der A 72 zwischen Rötha und der Anschlussstelle auf die A 38. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens wird der Abschnitt zu großen Teilen auf der jetzigen Trasse der B 95 verlaufen, deshalb wird die Autobahn halbseitig gebaut. Und zweitens muss das Erdreich verdichtet werden. Auf Probefeldern wird jetzt nach Lösungen gesucht.

Vier Türme belasten die Probefelder für den Bau der A 72 bei Böhlen. Neue Tests sind in der Gösellache geplant.

Quelle: Andreas Döring

Böhlen. „Bislang laufen die Setzungen wie erwartet“, sagte Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), auf LVZ-Anfrage zu den ersten Ergebnissen bei den Probefeldern der A 72 bei Böhlen. Wie berichtet, stehen die Autobahnbauer auf dem Abschnitt zwischen Rötha und der Anschlussstelle auf die A 38 vor großen Herausforderungen. Der Baugrund, ehemaliges Tagebaugelände, ist nicht stabil genug, um künftig Fahrbahnen, Brücken, Autos und Laster zu tragen. Deshalb ließ das Lasuv Probefelder in der Nähe der Deponie Cröbern errichten, um dort Methoden der Bodenverbesserung zu prüfen.

Dabei handelte es sich zum einen um Rüttelstopfen, wobei in einem Abstand von anderthalb bis zweieinhalb Metern ein Rüttelgerät bis zu 15 Meter tief in die Erde gebracht wird, um das Erdreich seitlich zu verdrängen und den so entstandenen Hohlraum beim Heraufziehen mit Sand und Kies aufzufüllen. Die zweite Variante waren Vertikaldrainagen. Dabei wurde der Baugrund lediglich entwässert, um eine Verdichtung zu erreichen.

Anschließend wurden Betontürme aus einer Art überdimensionalen Lego-Steinen – jeder ist 160 mal 80 mal 80 Zentimeter groß und 2,3 Tonnen schwer – errichtet, um die Probefelder einer Belastungsprobe zu unterziehen. Der Versuch finde direkt auf der Trasse statt, damit die unterirdischen Maßnahmen für den Autobahnbau weiter genutzt werden können.

„Ergebnisse gibt es noch nicht, denn wichtig ist ja das Verhalten der Probefelder über die lange Liegezeit“, so Siebert. „Hier stehen wir noch ganz am Anfang.“ Nach Auswertung der Daten soll dann entschieden werden, welches Verfahren für den Bau des 7,2 Kilometer langen Abschnitts angewendet wird. „Die Erkenntnisse aus dem Aufbau, der Liegezeit und dem anschließenden Rückbau werden helfen, die notwendigen Bauleistungen für den anschließenden Autobahnbau präziser beschreiben zu können“, sagte die Sprecherin.

Geplant sei, dass die beiden Probefelder bei Böhlen noch bis Mitte September so liegen bleiben. Dann werden die aufgeschichteten Türme und die Bodenplatten zurückgebaut. Auch dabei wird das Verhalten des Untergrundes weiter messtechnisch überwacht und ausgewertet.

Das Lasuv startete jetzt mit zwei weiteren Probefeldern an der Gösellache. Weil der letzte Abschnitt der A 72 zu großen Teilen auf der jetzigen Trasse der B 95 verlaufen wird, müsse die Autobahn halbseitig gebaut werden. Zwischen den Richtungsfahrbahnen muss also eine tief im Boden verankerte Spundwand das seitliche Abrutschen des Baukörpers verhindern.

Mithilfe von zwei weiteren Probefeldern soll nun geprüft werden, wie viele Anker tatsächlich benötigt werden und wie viel Last über die Anker abgesetzt werden kann. Vor kurzem wurde die Spundwand eingebracht, sagte Siebert. Derzeit werde die Verankerung vorbereitet und ausgeführt. Außerdem werden noch ein Turm und eine Erdaufschüttung errichtet. Das soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Diese Probefelder werden nach einer Liegezeit bis Anfang 2018 dann zurückgebaut, hieß es weiter.

Von Claudia Carell

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