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Borna Bauer Krätzschmar ist überzeugt: "Auf jeden Hof gehören Hühner"
Region Borna Bauer Krätzschmar ist überzeugt: "Auf jeden Hof gehören Hühner"
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00:36 22.08.2015
Familienbetrieb in der Verpackung: Franziska Krätzschmar sortiert die makellosen Eier auf Paletten für 30 Stück. Im Hintergrund prüft Anita Krätzschmar die gestempelte Ware. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Franziska, die während der Ferien in dem Familienbetrieb aushilft, wirft einen routinierten Blick auf die Eier, sortiert die mit Farbunterschieden oder Unregelmäßigkeiten auf der Schale aus, der Rest rollt weiter übers Band. In der nächsten Station werden die Eier durchleuchtet und dann gestempelt. "Das ist Pflicht", erklärt der Agraringenieur und blickt wohlwollend auf die Zehner-Verbraucherpackungen und die 30er-Paletten, die unzählige Kisten füllen. Geordnet nach Größe von S bis XL gehen die Eier in die Direktvermarktung.

Rund 10 000 Eier verlassen täglich den Hühnerhof in Borna-Gnandorf. Hier, wo einst Milchkühe gemolken worden sind, verrichten zwischen 11 000 und 12 000 Legehennen jetzt ihren Dienst. Mit dem Umstieg auf die Eierproduktion haben sich die Gebrüder Tobias und Lukas Krätzschmar vor acht Jahren verabschiedet von der Milchquote und den Abnahmeverträgen durch große Molkereien, wie sie Müller den Landwirten in Sachsen anbietet. "Ich hab damals mit vor dem Werkstor in Leppersdorf gestanden und gegen Milchpreis-Dumping protestiert", erinnert sich Krätzschmar. Genützt habe es wenig. "Nirgends in Europa sind Fleisch, Milch und Eier so billig wie in Deutschland", stellt er fest. Die niedrigen Verbraucherpreise würden auf dem Rücken der Erzeuger ausgetragen.

Als die ehrgeizige Grünen-Argrarchefin Renate Künast Anfang dieses Jahrtausends mehr Platz für Legehennen forderte, setzte auch bei Krätzschmar ein Umdenken ein. 2007 ergriff der 1991 reprivatisierte Familienbetrieb die Chance zur Umstrukturierung. Mit Fördermitteln wurde 2009 der damals neugebaute Kuhstall umgerüstet und auf die Bodenhaltung von Hühnern vorbereitet. Während 17 bis 18 Wochen alte Hühner hier eingestallt wurden, schmolz der ehemalige Viehbestand auf eine Mutter-Kuh-Herde.

Die Mutterkühe, die mit ihren fünf Monate alten Kälbern auf den Wiesen in der Wyhraaue weiden, und die mächtigen Bullen, die getrennt vom Nachwuchs grasen, sind heute das einzige Indiz für die bäuerliche Landwirtschaft am Stadtrand. Einen Blick in den Hühnerstall auf das am Boden hockende Federvieh muss der Landwirt schuldig bleiben. Auflagen des Veterinäramtes, wehrt der Landwirt ab, würden jede Ausnahme verbieten. Denn das streng überwachte System der Hühnerhaltung ist anfällig. Ein Verdacht auf Salmonellen, der sich dann nicht bestätigte, hat Krätzschmar erst jüngst schlaflose Nächte bereitet. "Dabei tun wir alles für einen sicheren Stoffkreislauf", so der Landwirt. Das Futter stamme aus eigener Ernte. Mineraliengemische seien auf den Bestand abgestimmte Rezepturen. "Das ist das Geheimnis unserer Eier", so Krätzschmar, der immer wieder Komplimente wegen des besonderen Geschmacks erhält.

Die Frische der Produkte wird durch die direkte Vermarktung ab Hof garantiert. Rund 40 Abnehmer hat Krätzschmar in der Region, darunter Bäcker, Fleischer sowie stationäre, aber auch ambulante Einzelhändler, die auf Wochenmärkten verkaufen. Was die Hühner darüberhinaus legen, nimmt ein Berufskollege ab, der aufgrund der hohen Produktionsmenge auch Vertriebskanäle in der Industrie bedient.

"Auf jeden Hof gehören Hühner", ist der Bornaer Landwirt überzeugt. Auch wenn ihm das erst kürzlich unberechtigte Kritik eingebracht hat. Als er Hühnermist und Klärschlamm auf den umliegenden Feldern einarbeitete, brach wegen des Geruchs ein Sturm der Entrüstung über ihn herein. "Aber auch das gehört zum Kreislauf der Agrarproduktion", verteidigt er die gängige Praxis, die bundesweit über die Düngeverordnung gesetzlich reglementiert ist. Die ausgelaugten Böden würden mit natürlichem Dung von Mensch und Tier optimal auf die neue Aussaat vorbereitet. "Das Zeitfenster bestimmt die Natur", so Krätzschmar.

© Kommentar Seite 25

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2015
Birgit Schöppenthau

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