Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bauer Krätzschmar ist überzeugt: "Auf jeden Hof gehören Hühner"

Bauer Krätzschmar ist überzeugt: "Auf jeden Hof gehören Hühner"

Das Gackern der Hühner im benachbarten Stall ist kaum zu hören. Wie von Geisterhand gelegt rollen die braunen Eier über ein Förderband in die Packstation. "Die Hühner legen sie in die Nester, die an das Band angeschlossen sind", erklärt Landwirt Lukas Krätzschmar.

Voriger Artikel
Pegau: Sanierung der denkmalgeschützten Bogenbrücke läuft
Nächster Artikel
Blick über die Bruchsteinmauer: Eulaer Höfe öffnen zur 925-Jahr-Feier

Familienbetrieb in der Verpackung: Franziska Krätzschmar sortiert die makellosen Eier auf Paletten für 30 Stück. Im Hintergrund prüft Anita Krätzschmar die gestempelte Ware.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Franziska, die während der Ferien in dem Familienbetrieb aushilft, wirft einen routinierten Blick auf die Eier, sortiert die mit Farbunterschieden oder Unregelmäßigkeiten auf der Schale aus, der Rest rollt weiter übers Band. In der nächsten Station werden die Eier durchleuchtet und dann gestempelt. "Das ist Pflicht", erklärt der Agraringenieur und blickt wohlwollend auf die Zehner-Verbraucherpackungen und die 30er-Paletten, die unzählige Kisten füllen. Geordnet nach Größe von S bis XL gehen die Eier in die Direktvermarktung.

Rund 10 000 Eier verlassen täglich den Hühnerhof in Borna-Gnandorf. Hier, wo einst Milchkühe gemolken worden sind, verrichten zwischen 11 000 und 12 000 Legehennen jetzt ihren Dienst. Mit dem Umstieg auf die Eierproduktion haben sich die Gebrüder Tobias und Lukas Krätzschmar vor acht Jahren verabschiedet von der Milchquote und den Abnahmeverträgen durch große Molkereien, wie sie Müller den Landwirten in Sachsen anbietet. "Ich hab damals mit vor dem Werkstor in Leppersdorf gestanden und gegen Milchpreis-Dumping protestiert", erinnert sich Krätzschmar. Genützt habe es wenig. "Nirgends in Europa sind Fleisch, Milch und Eier so billig wie in Deutschland", stellt er fest. Die niedrigen Verbraucherpreise würden auf dem Rücken der Erzeuger ausgetragen.

Als die ehrgeizige Grünen-Argrarchefin Renate Künast Anfang dieses Jahrtausends mehr Platz für Legehennen forderte, setzte auch bei Krätzschmar ein Umdenken ein. 2007 ergriff der 1991 reprivatisierte Familienbetrieb die Chance zur Umstrukturierung. Mit Fördermitteln wurde 2009 der damals neugebaute Kuhstall umgerüstet und auf die Bodenhaltung von Hühnern vorbereitet. Während 17 bis 18 Wochen alte Hühner hier eingestallt wurden, schmolz der ehemalige Viehbestand auf eine Mutter-Kuh-Herde.

Die Mutterkühe, die mit ihren fünf Monate alten Kälbern auf den Wiesen in der Wyhraaue weiden, und die mächtigen Bullen, die getrennt vom Nachwuchs grasen, sind heute das einzige Indiz für die bäuerliche Landwirtschaft am Stadtrand. Einen Blick in den Hühnerstall auf das am Boden hockende Federvieh muss der Landwirt schuldig bleiben. Auflagen des Veterinäramtes, wehrt der Landwirt ab, würden jede Ausnahme verbieten. Denn das streng überwachte System der Hühnerhaltung ist anfällig. Ein Verdacht auf Salmonellen, der sich dann nicht bestätigte, hat Krätzschmar erst jüngst schlaflose Nächte bereitet. "Dabei tun wir alles für einen sicheren Stoffkreislauf", so der Landwirt. Das Futter stamme aus eigener Ernte. Mineraliengemische seien auf den Bestand abgestimmte Rezepturen. "Das ist das Geheimnis unserer Eier", so Krätzschmar, der immer wieder Komplimente wegen des besonderen Geschmacks erhält.

Die Frische der Produkte wird durch die direkte Vermarktung ab Hof garantiert. Rund 40 Abnehmer hat Krätzschmar in der Region, darunter Bäcker, Fleischer sowie stationäre, aber auch ambulante Einzelhändler, die auf Wochenmärkten verkaufen. Was die Hühner darüberhinaus legen, nimmt ein Berufskollege ab, der aufgrund der hohen Produktionsmenge auch Vertriebskanäle in der Industrie bedient.

"Auf jeden Hof gehören Hühner", ist der Bornaer Landwirt überzeugt. Auch wenn ihm das erst kürzlich unberechtigte Kritik eingebracht hat. Als er Hühnermist und Klärschlamm auf den umliegenden Feldern einarbeitete, brach wegen des Geruchs ein Sturm der Entrüstung über ihn herein. "Aber auch das gehört zum Kreislauf der Agrarproduktion", verteidigt er die gängige Praxis, die bundesweit über die Düngeverordnung gesetzlich reglementiert ist. Die ausgelaugten Böden würden mit natürlichem Dung von Mensch und Tier optimal auf die neue Aussaat vorbereitet. "Das Zeitfenster bestimmt die Natur", so Krätzschmar.

© Kommentar Seite 25

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2015
Birgit Schöppenthau

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr