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Baulücken und Leerstand – Bornas Boulevard fehlt Glanz

Reichsstraße Baulücken und Leerstand – Bornas Boulevard fehlt Glanz

Die Bornaer Reichsstraße hat schon bessere Zeiten gesehen. Zwar gibt es nach wie vor eine Reihe von Geschäften. Glanz verbreitet die Straße, die nach normalen innerstädtischen Maßstäben als Boulevard zu gelten hat, allerdings kaum. Ein Problem ist die altersbedingte Schließung von traditionellen Familienunternehmen.

Blick in die Bornaer Reichsstraße – sie hat schon bessere Zeiten gesehen.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Keine Frage: Die Bornaer Reichsstraße hat schon bessere Zeiten gesehen. Zwar gibt es nach wie vor eine Reihe von Geschäften. Glanz verbreitet die Straße, die nach normalen innerstädtischen Maßstäben als Boulevard zu gelten hat, allerdings kaum. Vorbei die Zeiten, als die Verbindung zwischen Markt und Reichstor als „Die reiche Gasse“ bezeichnet wurde – womit auf die wohlhabenden Anwohner der Straße angespielt wurde. Das war allerdings im 16. Jahrhundert.

Dabei gab es vor einigen Jahren intensive Bemühungen, der Straße, die zu sozialistischen Zeiten den Namen der ersten und einzigen DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck trug, Leben einzuhauchen. Mit Geldern aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) hatte der Gewerbeverein im Rahmen eines so genannten Geschäftsstraßenmanagements versucht, den optischen Leerstand von Gewerbeflächen, insbesondere von Ladengeschäften in der Innenstadt und auch in der Reichsstraße, zu vermindern. Dennoch kommen unbefangene Passanten nur mit Anstrengung zur Überzeugung, dass sie durch eine pulsierende Handelsmeile flanieren.

Was nur bedingt an den aktuellen Händlern liegt. Wohl aber an der demografischen Entwicklung, wie der Vorsitzende des Gewerbevereins, Thomas Lungwitz, klarmacht. Was er damit meint, ist die altersbedingte Schließung von traditionellen Familienunternehmen wie etwa dem Schreibwarengeschäft Gröll oder dem Kinderbekleidungsgeschäft von Bärbel und Thomas Claus. „Baby und Kids“, wie der Claus’sche Geschäft hieß, gab es bereits seit Beginn der 80er Jahre. Claus und Gröll waren Läden, die mangels geeigneter Nachfolger ihre Pforten für immer geschlossen haben und die jetzt fehlen.

Lungwitz verweist auf vorhandene Händler wie das Uhrengeschäft Lorenz oder dem Modeladen Nr. 1. Auch sei es „ein Glück, dass der Eisladen geblieben ist“. Die italienische Eisdiele gilt in der Tat als Frequenzbringer in der Reichsstraße, so wie es Ende der 90er Jahre die legendäre Kaiserstube war. Die Reichsstraße aber leidet unter mehreren Baulücken oder auch unter Gebäuden mit DDR-Charme. Das dazu auch das Geburtshaus des Pädagogen Gustav Friedrich Dinter gehört, immerhin einer der größten Söhne der Stadt, macht die Sache nicht besser. Ähnlich sieht es mit dem im Volksmund Kuchenapotheke genannten Gebäude aus, das seinen Namen wegen seiner Vergangenheit sowohl als Bäckerei als auch als Apotheke trägt.

Für den aktuellen Zustand der Reichsstraße, deren Ursprung in ihrer ursprünglichen Bedeutung als überregionale Verbindung im mittelalterlichen deutschen Reich liegt, macht Gewerbevereinschef Lungwitz auch globale Ursachen geltend. Konkret die Zunahme des Online-Handels, der gerade für Einzelhändler wie die in der Reichsstraße „schwierige Zeiten“ bedeute.

Par ordre de mufti lässt sich daran nichts ändern. Das stellt auch Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) klar. „Dort stehen alles private Häuser“, und die Stadt könne deshalb nichts bewegen. Das Problem der Geschäfts-Nachfolge sei real.

Von Nikos Natsidis

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