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Borna Bedauern über Absage fürs Schillerfest
Region Borna Bedauern über Absage fürs Schillerfest
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12:02 26.05.2018
Die Nachwuchsmusiker des Musikvereins Neukieritzsch-Regis, hier im vorigen Jahr unter Leitung von Hristo Hristov, sorgten beim Schillerfest häufig für Unterhaltung. Quelle: Thomas Kube
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Neukieritzsch/Kahnsdorf

Das Neuseenland ist um ein kulturelles Ereignis ärmer: Nach elf Veranstaltungen wird es in diesem Jahr am Rittergut in Kahnsdorf kein Schillerfest mehr geben. Der geistige Vater und Hauptveranstalter des Festes Hans-Jürgen Ketzer sieht sich und den Heimatverein des Bornaer Landes nicht mehr dazu in der Lage, die dreitägige Veranstaltung zu schultern.

Hoher Aufwand für Fördergeld

Was laut Ketzer auch mit einem immensen bürokratischen Aufwand bei der Beantragung von Fördermitteln zusammenhängt. Schon im vorigen Jahr hatte der Verein aus diesem Grund die Unterstützung des Kulturparkes Deutzen in Anspruch genommen, der sein Engagement dafür aber als einmalig betrachtet.

Eine Tafel erinnert in Kahnsdorf an die Begegnung mit Körner. Quelle: Jens Paul Taubert

Das Schillerfest war von Beginn an eine Mischung aus kommunalpolitischer Debatte, Unterhaltungskunst und Film, Auftritten von Kindern und Jugendlichen sowie vom Zeitgeist geprägter Erinnerung an den Dichter der Aufklärung Friedrich Schiller (1759 – 1805).

Über allem stand im Geiste immer der Satz: Schiller war hier. Am 1. Juli 1785 traf der zu jener Zeit arme und unglückliche Schiller in Kahnsdorf den Schriftsteller Christian Gottfried Körner (1756 – 1831). Der brachte dem Jüngeren Freundschaft und materielle Zuwendung entgegen, was dessen schriftstellerischen Erfolg beflügelte. Schiller schrieb noch im gleichen Sommer seinen vielleicht berühmtesten Text „An die Freude“. Ob ihm die Verse, die Beethoven im Schlusschor seiner berühmten Neunten Sinfonie vertont hat, schon in Kahnsdorf durch den Kopf gingen, ist nicht überliefert. Dennoch darf der Ort für sich in Anspruch nehmen, in der europäischen Literaturgeschichte einen nicht ganz unbedeutenden Platz einzunehmen.

Das Gelände vor dem Schillercafé in Kahnsdorf war viele Jahre Schauplatz des Schillerfestes. Quelle: Jens Paul Taubert

Daran denkt auch Neukieritzschs Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU). Er findet es „immer schade, wenn ein Fest nicht mehr stattfindet“, ganz besonders aber im Falle des Schillerfestes an genau diesem Ort. „Das Schillerfest“, sagt Hellriegel, „war mehr als ein Volksfest mit Bier und Bratwurst.“

„Zu wenig Publikum“

Was natürlich auch bedeutet, dass es dieses Fest gemessen an den Besucherzahlen nie mit dem Lagunenfest am Hainer See oder mit dem Kahnsdorfer Parkfest aufnehmen konnte. Weswegen es für Ritterguts-Gastwirt Lars Richter, der für dieses Wochenende auf Hochzeiten und Familienfeste verzichtete, kein Umsatzknüller war. Dennoch meint auch er: „Kulturell war es immer ein schönes Fest mit tollem Programm, leider mit zu wenig Publikum.“

Deswegen, glaubt Christian Conrad vom Hainer-See-Betreiber Blauwasser, könnte man das Fest „vielleicht als entbehrlich ansehen.“ Andererseits sieht auch er die Absage mit einem weinenden Auge, denn der Anlass des Festes habe durchaus Werbekraft für den See und Kahnsdorf.

Die hat das Fest in den zurückliegenden Jahren ausgiebig entfaltet. In den Anfangsjahren standen gerade die ersten Musterhäuser in der Lagune. Das Fest, ist Hans-Jürgen Ketzer überzeugt, hat geholfen, die Lagune bekannt zu machen. „Wir haben mit dazu beigetragen, den Standort zu entwickeln.“

Wie das gelang, spiegelte sich in den Diskussionsrunden mit Kommunalpolitikern und regionalen Verantwortlichen wider, die fester Bestandteil des Schillerfestes waren. Und die laut Michael Günther, Gemeinderatsmitglied aus Kahnsdorf, „immer spannend und gut besucht“ waren. „Ich finde es schade, wirklich sehr schade“, sagt er zum Aus für das Schillerfest.

Von André Neumann

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