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Befremden über Stacheldraht-Zaun

Befremden über Stacheldraht-Zaun

Eine Familie sitzt friedlich mit ihren kleinen Kindern auf der Wiese vor dem Alpha Appart Hotel in Rötha. Auch im Inneren des Plattenbaus, der seit November vorigen Jahres als Unterkunft für Asylbewerber genutzt wird, gibt es keinerlei Auffälligkeiten.

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Der Stacheldraht vor dem leer stehenden Plattenbau in Rötha gibt reichlich Raum für Spekulationen.

Quelle: Thomas Kube

Rötha. Ab und an schaut ein Bewohner aus dem Fenster - was er denkt, bleibt offen.

63 Asylbewerber verschiedener Nationalitäten wohnten nach Angaben des Landkreises Leipzig am 30. Juni in der Erstunterkunft. Nach den Vorstellungen des Kreises sollen es bei Bedarf mit 90 Personen noch mehr werden. Doch seit Mai, als der Kreistag Landrat Gerhard Gey (CDU) legitimierte, mit der Stadt Rötha entsprechende Verhandlungen zu führen, ist nicht viel passiert. In der Kleinstadt gibt es Bedenken, dass so viele Ausländer zu Problemen führen könnten. Für die Belegung von 60 Personen besteht Einvernehmen. Die anfängliche Aufregung im Ort hat sich gelegt, die befürchtete Kriminalität ist ausgeblieben. Seit die Asylbewerber hier sind, sei noch kein einziges Auto aufgebrochen worden, erzählt ein Anwohner.

Bürgermeister Ditmar Haym (parteilos) verweist darauf, dass es zu diesem Thema "keine neuen Informationen" gibt. Der Vertrag sei noch nicht unterschrieben. Brigitte Laux, Sprecherin des Landkreises Leipzig, bestätigt, dass es derzeit noch keinen Vertrag mit dem Betreiber gibt. "Hintergrund hierfür ist, dass das Verfahren zur Baugenehmigung noch nicht abgeschlossen ist. Da die Nutzung auch von der Baugenehmigung abhängig ist, schwebt der Vertragsabschluss derzeit noch."

Das schwebende Verfahren wird an der seitlichen Front des Hotels sichtbar, wo seit Jahresanfang ein Gerüst steht. Betreiber Hermann Steinhart muss dafür jeden Monat viel Geld, dem Vernehmen nach 800 Euro, bezahlen. Von außen ist das Gerüst gesperrt, es würde Bewohnern im Ernstfall als Fluchtweg dienen.

Im Bauantrag geht es um notwendige Veränderungen des Gebäudes, das 1987 als Arbeiterwohnheim errichtet wurde. Die Nutzung als Asylbewerberunterkunft erfolgt zurzeit nur eingeschränkt in den unteren Etagen. Ausländer, die kein Deutsch sprechen, wären oben - bei einem Brand - in Gefahr.

Ein weiterer Plattenbau, die Ernst-Thälmann-Straße 2, in unmittelbarer Nachbarschaft gelegen, gibt seit dieser Woche reichlich Anlass zu Spekulationen. Das leer stehende Gebäude wurde zunächst komplett eingezäunt, am Montag kam noch Stacheldraht drauf. Was unter Nachbarn auf Befremden stößt. "Der soll lieber mal seinen Rasen mähen", erzählt ein Mann. "Stacheldraht - da hört es doch auf." So etwas werfe doch "ein ganz falsches Licht" auf die Gegend. Und zwar mit Strahlkraft: Gerüchte machen im Ort die Runde, wonach in dem Block Wohnungen für Rumänen und Polen, die in Deutschland bleiben dürfen, vorgesehen sind. Der Bürgermeister "kann nichts dazu sagen". Der Block sei vor einem Jahr verkauft worden, Pläne des Eigentümers seien ihm nicht bekannt.

Der Landkreis hat damit nichts zu tun, erklärt Laux. "Für diese Menschen gilt die Freizügigkeit, das heißt sie sind frei, die Angebote auf dem privaten Wohnungsmarkt zu nutzen. Es gibt daher keine Steuerung bei der Unterbringung von EU-Bürgern durch den Landkreis."

Die Behörde hat mit der Unterbringung von Asylbewerbern genug zu tun. Das vom Kreistag beschlossene vorrangig dezentrale Unterbringungskonzept sei für die Verwaltung bindend, ein weiteres Heim nicht geplant.

Veränderungen in der Ernst-Thälmann-Straße wird es dennoch geben. Hotelbetreiber Steinhart hat am 19. Juni die benachbarte Pension gekauft, um sie weiterzuführen. Auch in diesem Plattenbau muss unter anderem in den Brandschutz und einige Zimmer investiert werden. Im Herbst will der Inhaber das Geschäft übergeben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.07.2014
Saskia Grätz

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