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Begleiter für Asylbewerber gesucht

Begleiter für Asylbewerber gesucht

Seit in Borna Asylbewerber am Königsplatz eingezogen sind, schlagen die Wellen hoch. Um die Flüchtlinge zu integrieren und ihnen gezielt zu helfen, fanden sich Freitagabend etwa 30 Menschen im Kirchencafé "Offenkundig" ein.

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BWS-Chef Sören Uhle (r.) agierte als Moderator, um alle Projektideen für Asylbewerber festzuhalten.

Quelle: Nicole RathgeScholz

Borna. Sie sammelten Ideen für konkrete Projekte. "Wir wollen keine Bürgerinitiative in dem Sinne gründen, sondern Menschen finden, die tolerant sind und sich für ihre Mitmenschen interessieren, egal welcher Religion, Rasse und Kultur", sagte Sören Uhle, Chef der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS). Im Vorfeld des Abends hatte es noch geheißen, eine Bürgerinitiative "Willkommen in Borna" gründen zu wollen.

 

 

Es waren nicht nur Bürger aus der Kreisstadt und deren Ortsteile anwesend, sondern auch zwei Asylbewerber aus Thräna und Hopfgarten. Nach deren Ausführungen war doch der ein und andere sichtlich geschockt, denn eigentlich weiß kaum jemand, was in einem Asylbewerberheim abläuft. "Es ist sehr langweilig, eigentlich tun wir den ganzen Tag nichts anderes als essen, trinken und schlafen", erzählte der sympathische Iraner Mehran. Er fügte hinzu: "Wir können nichts unternehmen, da wir kein Geld haben, um zum Beispiel mit dem Bus in die Stadt zu fahren und diese kennenzulernen. Eigentlich ist es nur ein Warten auf Post vom Bundesamt, ob Asyl gewährt wird oder nicht. Und das macht einen verrückt und frustriert", berichtete er.

Auch der Lybier Mina erzählte seine Erlebnisse: "Als ich nach Hopfgarten gekommen bin, wusste ich nicht, wo ich in Deutschland bin. Ich habe aus dem Fenster geschaut - und da war nichts", das sei bedrückend für ihn gewesen, so der junge Mann. "Man hat wirklich den ganzen Tag nichts zu tun, deshalb waren wir froh, dass die Leute vom Bon-Courage-Verein bei uns vorbeigeschaut haben und wir so neue Kontakte knüpfen konnten."

Und so wurden an diesem Abend gemeinsam Ideen gesammelt, um nicht nur den Asylbewerbern das Leben in der Stadt leichter zu machen, sondern auch, um die Einwohner an die "Fremden" heranzuführen. Stadtspaziergang, gemeinsam Kochen und Musik machen, Kulturabende anbieten, Sprachunterricht und viele andere Ideen kamen an das Flipchart. Daraus wurden schließlich konkrete Projekte formuliert, die umsetzbar erscheinen. An erster Stelle steht der begleitende Sprachunterricht, um zum einen die große Hürde in der Kommunikation unter fremden Kulturen abzubauen und zum anderen den Kontakt zwischen Asylbewerber und Einwohner zu verbessern. Auch das gemeinsame Kochen, das Superintendent Matthias Weismann vorschlug, kam auf den Stichpunktzettel. Zudem waren die Anwesenden von der Idee überzeugt, gemeinsam mit den Asylbewerbern Fahrräder zu reparieren und ihnen anschließend zu überlassen. Dies würde zum einen die Kontaktaufnahme untereinander erleichtern, und die Flüchtlinge hätten die Möglichkeit, mit den reparierten Fahrrädern die Stadt zu erkunden. So würden sie einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen.

Der 20-jährige Rico Döge absolviert gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr und arbeitet an einem Projekt zu Asylbewerbern. Auch für ihn war es wichtig, Freitagabend dabei zu sein: "Es schießen überall im Land Bürgerinitiativen gegen Asylbewerber aus dem Boden, und das nur aus Unwissenheit. Ich möchte, dass die Einwohner aufgeklärt sind, den Kontakt suchen und die Menschen kennenlernen wollen." Das ist auch BWS-Chef Sören Uhle wichtig: "Wir haben bereits angefangen, Wohnungen an Asylbewerber zu vermieten. Die sind mehr als dankbar, wieder etwas Eigenes zu haben."

Nach einem langen Abend mit vielen Ideen, Vorschlägen und Berichten wurde das Hauptaugenmerk auf das Projekt "Gastfreundschaft versuchen" gelegt - eine Art Patenschaft. "Wir würden uns freuen, wenn wir Bürger finden, die mit den Asylbewerbern in Kontakt treten möchten. Zum Beispiel bei Behördengängen helfen, sie vielleicht sogar nach Hause zum Essen einladen oder mit ihnen gemeinsam die Stadt erkunden. Also Leute, die gern freiwillig ihre Zeit und ihr Herz für die neuen Mitbürger investieren möchten und somit nicht nur von sich etwas preisgeben, sondern auch andere Kulturen besser kennenlernen können", betonte Uhle. Der Kontakt ist über die BWS, die Diakonie, den Verein Bon Courage oder auch die Kirchgemeinden möglich.

Ein weiteres Treffen ist in naher Zukunft geplant, um die Projekte und Ideen auszubauen und umzusetzen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.12.2013
Nicole Rathge-Scholz

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