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Borna Bei Alarm rückt die ganze Familie aus
Region Borna Bei Alarm rückt die ganze Familie aus
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17:40 19.05.2015
Bis zu 100-mal im Jahr im Einsatz: die 26-jährige Feuerwehrfrau Katrin Taetz, die in Leipzig studiert. Quelle: Ulrike Wolf

Die Frage ist, ob Frauen genauso viel leisten können wie Männer. Bei der Bornaer Feuerwehr in Borna gibt es da überhaupt keine Diskussion. Zu den Brandschützern gehören seit Jahren Frauen wie Männer.

Wer sich bei der Feuerwehr in der Röthaer Straße umsieht, merkt es angesichts der Größe der Umkleidekabinen schnell. Auch hier gibt es viel mehr Männer als Frauen. Zu den 55 Einsätzkräften gehören acht Frauen. Unterschiede werden dabei nicht gemacht, sagt Stadtwehrleiter Kai Noeske. "Bei den Einsätzen leisten die Frauen genauso viel wie die Männer." Und weiter: "Nicht nur bei den Erwachsenen. Auch in der Jugendfeuerwehr sind bereits seit längerem einige Mädchen dabei."

Eine der dienstältesten Feuerwehrfrauen ist Katrin Taetz. Sie ist 26 Jahre jung und immerhin schon seit dem Jahr 2004 bei den Brandschützern. Wenn sie auf das Thema "Frauen bei der Feuerwehr" angesprochen wird, sagt sie: "Die Männer waren früher unter sich, aber das ist längst keine Männerdomäne mehr. Ich denke, sie sind froh, dass wir Frauen dabei sind. Wir ergänzen uns perfekt während unserer Arbeit."

Ihr freiwilliger Einsatz bei der Feuerwehr ist für sie ein wichtiger Teil ihres Lebens. Auch beruflich weiß die junge Frau, was sie will. Zurzeit studiert sie in Leipzig, wo sie ihren Master of Science in Biologie machen will. Den Abschluss als Diplom-Ingenieurin für Biotechnologie hat sie schon in der Tasche. Das Studium hat sie an der Staatlichen Studienakademie Riesa absolviert. "Beruflich schlägt mein Herz für die Bio-Wissenschaften", sagt die zielstrebige Frau. "Aber ohne die Einsätze bei der Feuerwehr kann ich mir das Leben auch nicht vorstellen."

Die Arbeit bei der Feuerwehr liegt ihr im Blut. Bereits ihr Großvater war Feuerwehrmann. Vater und ihr Bruder sind ebenfalls mit dabei. "Wenn Alarm ist, rückt also schon mal die ganze Familie an", erzählt die gebürtige Bornaerin. Da hat sie auch Vorlieben. "Bei Einsätzen bin ich gern im Angriffstrupp mit dabei." Und da ist noch etwas: "Beim Thema Feuer gibt es bei mir schon so eine Art Faszination, aber im Vordergrund steht für mich natürlich, dass ich helfen und retten kann - das ist das Entscheidende." Die freiwillige und unbezahlte Tätigkeit bei der Feuerwehr ist für Katrin Taetz auch eine Frage der Einstellung. "Ich bin gerne aktiv, ich mache das für mich, nicht um auf der Jahresversammlung eine Urkunde zu bekommen", fügt sie mit Überzeugung hinzu.

Innerhalb von acht Jahren hat sie zahlreiche Stationen bei der Feuerwehr durchlaufen. Nach der Grundausbildung kamen der Lehrgang und die Prüfung zur Sprechfunkerin und Atemschutzgeräteträgerin, später noch die Ausbildung zum Truppführer. Ihren sogenannten Piepser, den Funkmeldeempfänger, hat sie immer bei sich.Wenn der sich meldet, geht es zum Einsatz, auch nachts. Übers Jahr gerechnet kommt Katrin Taetz auf etwa 100 Einsätze. Das sei manchmal schon hart, erzählt sie, vor allem bei schweren Unfällen, wenn Menschen nicht überleben.

Für die Einsätze muss die junge Frau fit bleiben, sich immer wieder weiterbilden, dranbleiben und Erfahrungen austauschen. Jeden Dienstagabend treffen sich die Feuerwehrfrauen und -männer in der Röthaer Straße. Bis in die späten Abendstunden wird dann theoretisches und praktisches Wissen aufgefrischt. Mindestens einmal im Quartal gehört auch ein sonnabendliches Training dazu. Dann geht es mit dem Rettungsboot raus auf den Hainer oder den Haubitzer See - Übungen für den Ernstfall.

Katrin Taetz ist dann immer mit dabei. Als Frau absolviert sie die gleichen Übungen wie ihre männlichen Kollegen. "Ihr Engagement und ihr Eifer sind enorm", lobt Wehrleiter Noeske.

Bis zum letzten Jahr war die angehende Wissenschaftlerin auch beim Feuerwehrsport aktiv - als einzige Frau aus Borna. Mit ihrer Mannschaft erreichte sie in puncto Löschangriff, Schnelligkeit und Überwindung der 100-Meter-Bahn sogar die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften.

Wer sieht, was Katrin Taetz mit ihrem Studium und ihren Einsätzen bei der Feuerwehr alles macht, stellt fest, dass da nicht mehr viel Zeit für Privatleben bleiben kann. Das nimmt sie aber eher locker. Die Feuerwehr ist sozusagen ihr zweites Zuhause. Schließlich zählt ihr Freund auch zu den Brandschützern. Dort hat sie ihn auch kennengelernt - wo auch sonst.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2013

Ulrike Wolf

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