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Bei den Milchbauern im Kreis Leipzig keimt Hoffnung auf

Landwirtschaft Bei den Milchbauern im Kreis Leipzig keimt Hoffnung auf

Die europäischen Milchpreise sind im September weiter gestiegen. Auch im Oktober zeigen die Preise eine positive Entwicklung. Ursache ist eine verbesserte Milchverwertung. Bei den Milchbauern kehrt leise Hoffnung zurück. Aber: Für einige kommt die Wende am Markt zu spät.

Milchkühe gehörten im Landkreis Leipzig zuletzt öfter zu den Ausgestoßenen. Mit dem zaghaften Anstieg der Milchpreise erhöht sich auch das Ansehen der Kuh wieder.

Quelle: Andreas Döring

Landkreis leipzig. Seit Jahren sind die Milchpreise im Sinkflug. Landwirte kämpfen gegen den wirtschaftlichen Ruin und müssen gleichzeitig in neue Ställe und Melkstände investieren, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben. Seit Oktober steigen die Milchpreise für die Verbraucher sprunghaft an. Aldi erhöhte den Preis für einen Liter Milch auf 64 Cent, das sind rund 19 Cent mehr als bisher. Andere Supermarktketten wie Rewe oder Edeka haben mittlerweile nachgezogen. Das der Anstieg der Milchpreise längst überfällig war, ist Konsens unter den Landwirten und den Verbänden. „Derzeit bekommt der Erzeuger, also der Landwirt 30 Cent je Kilogramm Milch“, sagt Gerhard Rößner, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Borna/Geithain/Leipzig. „Wir hoffen natürlich, dass die Preise weiter steigen, denn mit den jetzigen Erlösen ist eine kostendeckende Milchproduktion nicht möglich. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) prognostiziert Erzeugerpreise von durchschnittlich 31,5 Cent pro Kilogramm Jahresende. Das sind rund acht Cent mehr als die katastrophalen Preise im Sommer 2016. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, muss der Kilopreis auf mindestens 35 Cent steigen. „Der Preisanstieg bei Milch ist mehr als überfällig, aber noch nicht kostendeckend“, sagt auch Jürgen Wick, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Muldental. „Der Handel reicht nach wie vor den in den Geschäften angehobenen Preis nicht an den Erzeuger weiter. Wir können noch lange nicht von einem sichtbaren Ende der Milchkrise sprechen.“

Denn auch wenn sich die Lage leicht entspannt, kommt dies für viele Milchviehbetriebe zu spät. Zum Stichtag 3. Mai 2016 gab es in Deutschland nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes noch 71 302 Milchviehhaltungen, 3460 weniger als im Vorjahr und damit so wenig wie noch nie.

Würde die Gewinnmarge der Milchbauern steigen, ließe sich auch die Forderung vieler Verbraucher nach besserer Tierhaltung oder GVO-freier Milch und Futtermittel für die Landwirte leichter umsetzten. „Diese Mehrausgaben spiegeln sich in keinem Fall bei den derzeitigen Erzeugerpreisen wieder. Die Bemühungen der Landwirte zur Verbesserung der Haltungsbedingungen zum Tierschutz oder der Umstieg auf alternative Eiweißfutterpflanzen werden nicht honoriert,“ sagt auch Thomas Opolka, stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Muldental.

Warum der Milchpreis steigt, liegt laut AMI an den Entwicklungen der vergangenen Monate, insbesondere in einer anziehenden globalen Nachfrage nach Milchprodukten sowie der Reaktion der Milchbauern auf die äußerst niedrigen Preise. Bereits seit Ende Mai produzieren die deutschen Landwirte weniger Milch als noch vor einem Jahr. In den vergangenen Monaten lag die Produktion durchgehend circa fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Eine neue Geschäftsidee für Milchbauern sind eigene Milchtankstellen. 205 gibt es laut der Internetseite Milchtankstellen.com bereits im gesamten Bundesgebiet, die meisten davon im Norden und Westen des Landes. Aber auch in Sachsen werden es immer mehr. 16 Tankautomaten werden auf der Seite www.milchautomaten-direktvermarkter.de gelistet. Eine von ihnen steht in Pegau bei der Agrarproduktion Kitzen. Die Genossenschaft hat im Sommer des vorigen Jahres ihr Pförtnerhäuschen umgebaut und einen Automaten installiert. „Das Geschäft läuft super“, so Rößner. Im vergangenen November kam eine zweite Zapfsäule im Unternehmensteil im Südwesten Leipzigs dazu. „Wir verkaufen am Tag rund 480 Liter Milch.“ Eine weitere Tankstelle gibt es in Groitzsch bei der Agrar GmbH Auligk. An den Tankstellen kostet die Milch zwar mehr als im Supermarkt und muss vor dem Verzehr unbedingt abgekocht werden, aber wer Landwirte vor Ort unterstützen möchte, kann hier einen guten Beitrag leisten. Auch Rößner vom Kreisbauernverband sieht die regionale Entwicklung positiv. „Der regionalen Vermarktung der Produkte kommt eine wachsende Bedeutung zu, wird aber eine Nische bleiben.“

Von Tatjana Kulpa

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