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Beifall für Schöpfung in Borna: Oratorium und Gemeindesaal werden gefeiert

Einweihung Beifall für Schöpfung in Borna: Oratorium und Gemeindesaal werden gefeiert

Mit Haydns Oratorium „Schöpfung“ feierten die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinden von Lobstädt-Neukieritzsch und Borna das Pfingstfest. Es gab aber noch einen anderen Grund für Beifall: Nach einjähriger Bauzeit wurden der neue, auf viel Glas und Holz setzende Gemeindehaus-Anbau und die Sanierung des alten Gebäudes abgeschlossen.

Durch einen Anbau wurde das Gemeindehaus der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde in Borna erweitert.

Quelle: Andreas Döring

Borna. „Es ist einer der schönsten Tage in Borna, so dass sich sogar die Sonne einmal zurückhalten kann“, sagte Superintendent Matthias Weismann mit Blick auf das Gewitter, das am frühen Abend des Pfingstsamstags über dem Gemeindehaus der Kirche St. Marien niederging. Doch das trübte die Feierlaune der etwa 60 Anwesenden keineswegs. Gefeiert werden konnte, dass nach einjähriger Bauzeit der neue, auf viel Glas und Holz setzende Gemeindehaus-Anbau und auch die (ursprünglich nicht geplante, aber notwendige) Sanierung des alten Gebäudes abgeschlossen wurden. Den Löwenanteil der 1,1 Millionen Euro Gesamtkosten schulterte mit 700.000 Euro die Landeskirche Sachsen. Weismann dankte allen Beteiligten für „Mut, Ausdauer und Weitsicht“.

Besondere Anerkennung verdienten Jürgen Schmidt (Bauleiter und Ehrenmitglied des Kirchenvorstands), Architektin Anke Kerscher und Roy Kreß (Baupfleger der Landeskirche Sachsen). Täglich war Schmidt ehrenamtlich auf der Baustelle zugegen, ermunterte sogar die Handwerker zu Spenden und erhielt vom Superintendenten als Dank ein schwarzes TÜV-T-Shirt mit der Aufschrift „ohne erkennbare Mängel“. Schmidt selbst zeigte sich in seiner kurzen Rede erleichtert, dass es während der Bauzeit keinen einzigen Unfall gegeben habe, was angesichts der Deckendurchbrüche nicht selbstverständlich gewesen sei. Zudem hätten alle Handwerker „mit Freude gearbeitet“, obwohl sie „mit der Kirche nichts am Hut hatten“, so Schmidt weiter. Trotz großer Spendenbereitschaft sowohl der eigenen Gemeinde als auch anderweitig (der Inhaber des Griechischen Restaurants in Borna sponserte 100 vollständige Geschirr-Sätze) gäbe es nur einen Fehlbetrag von 2300 Euro – just in diesem Moment erschallte ein Gewitterdonner. Gedankt wurde auch dem Ordnungsamt, das im Bauareal zu dieser Zeit großzügig von einer „Knöllchenvergabe“ absah.

Architektin Anke Kerscher lobte das „sehr schöne Ergebnis“, und Thomas Mallschützke, Pfarrer der Bornaer Marienkirche, wünschte sich ein „gutes, vielfältiges und buntes Miteinander“ im neuen Haus. Nach einer Lesung von Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer segnete Mallschützke das Gebäude – und das ganz bewusst zu Pfingsten. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Posaunenchor der Gemeinde.

Nach einem kleinen Umtrunk wurde es höchste Zeit, sich in der voll besetzten Marienkirche zur „Schöpfung – Plus“ einzufinden. Und nichts passte in der Tat besser zu dieser Feier des neu „geschöpften“ Gemeindehauses. Hinter dem „Plus“ verbarg sich eine Lichtinstallation, die das zweistündige, im 18. Jahrhundert einen neuen Oratorientyp begründende und an Händel geschulte Werk von Joseph Haydn sehr durchdacht untermalte. (In ähnlicher Form gab es schon im Rahmen des „Kirchentags auf dem Weg“ Ende Mai eine weniger gut besuchte Aufführung in der Leipziger Peterskirche.)

Für die Lichtinstallation sorgte die Laser-Event-Company Eibenstock. Konzeption und Leitung unterlagen dem Bornaer KMD Jens Staude. Der Chor setzte sich aus der Bornaer St.-Marien-Kantorei, der Domkantorei St. Marien Wurzen und der Kantorei der Frauenkirche Grimma zusammen, wirkte erstaunlich homogen, widmete sich musikalisch differenziert und mit viel Engagement seinen Partien und zeigte eine große Textverständlichkeit und Leistungsfähigkeit, wie besonders die Chorfugen eindrucksvoll offenbarten. Als sicherer, flexibler und hinsichtlich Dynamik nuanciert agierender Begleiter war das Leipziger Symphonieorchester gleich ab Beginn der Haydn’schen Chaos-Schilderung zu hören.

KMD Jens Staude hielt sowohl den großen Chor als auch das Orchester wunderbar kongruent zusammen, einschließlich der drei Solisten. Hier hatten sich kurzfristig Änderungen ergeben, was eine Aufführung bekanntlich nicht leichter macht: Statt Jana Büchner sang Sopranistin Friederike Holzhausen und statt Matthias Weichert kein Geringerer als Thomaskantor Gotthold Schwarz (Bass). Tenor Martin Petzold bürgt ebenso für höchste musikalische Qualität aus Leipzig, musizierte schon unzählige Male mit Schwarz zusammen – auch bei der „Schöpfung“. So war es tatsächlich als Glücksumstand zu bezeichnen, dass gerade diese drei Solisten, die in den Terzetten herausragend harmonierten und 2009 schon eine Bach-Kantaten-CD-Box miteinander aufnahmen, an dieser Stelle zusammenfanden. Friederike Holzhausen als Erzengel Gabriel beeindruckte besonders durch ihre lichte Höhe und glasklare Koloraturen. Martin Petzold als Erzengel Uriel bot eine unglaubliche Textplastizität und das nicht nur beim geschilderten Aufgang von Sonne und Mond, während die eindrucksvollste Passage von Gotthold Schwarz mit seinem profunden Bass die Erschaffung der Tierwelt vom Löwen bis zum „kriechenden Gewürm“ gewesen sein dürfte. Im dritten Teil setzten Schwarz und Holzhausen ihre Rollen als Adam und Eva sogar fast szenisch um (er nickte zustimmend bei ihren Worten: „Dein Will‘ ist mir Gesetz“) und sorgten, wie auch Petzold, der das Paar als „glücklich Paar“ besang, für Schmunzeln bei den Zuhörern.

Die Lichtinstallation präsentierte sich in der Farb- und Motivwahl von Gott, über den Tausendfüßler bis hin zur rotierenden Erdkugel und glücklichen Menschenpaaren äußerst durchdacht und setzte gar Kleinigkeiten um: Die Nachtigall wird im Oratoriumstext („noch drückte Gram nicht ihre Brust“) als Jungvogel geschildert und erschien als solcher auch auf der Projektionsfläche im Altarraum. Zu Recht gab es großen Beifall und Jubel für alle Beteiligten.

Von Katrin Schmidinger

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