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Beigeordnete Lüpfert: „Es lässt sich viel bewegen, wenn alle an einem Strang ziehen“

Landkreis Leipzig Beigeordnete Lüpfert: „Es lässt sich viel bewegen, wenn alle an einem Strang ziehen“

Die Kreisspitze ist seit 1. Juli wieder komplett. Die neue Zweite Beigeordnete Ines Lüpfert spricht im Interview über Ziele und Herausforderungen. Die Neubesetzung war nötig geworden, nachdem der langjährige Landrats-Vize Thomas Voigt im Vorjahr verstorben war.

Mit großer Mehrheit wurde Ines Lüpfert auf der Kreistagssitzung im Juni zur Zweiten Beigeordneten des Landkreises Leipzig gewählt. Sie ist damit zweite Stellvertreterin von Landrat Henry Graichen (li.). Erster Beigeordneter ist Gerald Lehne.

Quelle: Thomas Kube

Landkreis Leipzig. Die Kreisspitze ist seit 1. Juli wieder komplett. Als neue Zweite Beigeordnete hat die Bad Lausickerin Ines Lüpfert (parteilos) ihren Posten im Bornaer Landratsamt angetreten. Die 38-Jährige spricht im Interview über ihre Ziele.

Was war Ihre Hauptmotivation, sich zu bewerben?

Von verschiedenen Seiten wurde ich sehr ernsthaft zur Bewerbung ermutigt. Diese Signale habe ich für mich persönlich abgewogen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich sehr gerne auch auf einer eher strategischen Ebene für die sozialen Belange in unserem Landkreis einsetzen möchte. Ich habe eine breite Palette an Berufserfahrung in verschiedenen Teilen meines Geschäftsbereiches – in erster Linie natürlich Jugendhilfe, daneben auch Schulverwaltung, Kultur, ÖPNV – auch die Belange des Ausländeramtes, des Kommunalen Jobcenters und des Sozialamtes sind mir bekannt. Damit habe ich auch eine recht konkrete Vorstellung von den Aufgaben und Herausforderungen, die auf mich zukommen.

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe am meisten?

Dass ich insbesondere die sozialen Themen in unserem Landkreis ganz aktiv mitgestalten kann. Ich habe in verschiedensten Themenfeldern in den letzten Jahren erfahren können, dass sich viel bewegen lässt, wenn alle an einem Strang ziehen. Ich sehe große Potenziale, die durch eine enge Verzahnung der Akteure gewonnen werden können und denke, das wird eine sehr reizvolle Aufgabe für mich sein.

Wie haben Ihre Mitarbeiter im Jugendamt regiert?

Sicher geht es jedem Angestellten so, dass ein Wechsel der Leitung immer auch Unsicherheiten mit sich bringt. Nach meinem letzten Jahr im Jugendamt haben wir uns gerade erst so richtig eingespielt, nun verabschiede ich mich schon wieder – das bedauert sicherlich ein Teil der Kollegen. Aber die Mitarbeiter wissen ja, dass ich auch künftig die Belange der Jugendhilfe aktiv mit begleiten und unterstützen werde.

Eigentlich soll die Beigeordneten-Wahl auch die politischen Kräfteverhältnisse im Kreistag widerspiegeln. Der Erste Beigeordnete Gerald Lehne ist ein Mann der CDU. Ihr verstorbener Vorgänger Thomas Voigt trug das SPD-Parteibuch. Bei Ihrer Wahl hat Parteinähe aber scheinbar keine Rolle gespielt. Ihnen begegnete Wohlwollen von allen Fraktionen.

Es ist richtig, dass ich keiner Partei angehöre. Die Arbeit im Kreistag habe ich in den letzten Jahren als gemeinsames Arbeiten an der Sache gesehen. So sehe ich auch meinen Ansatz und offenbar stand auch bei den Fraktionen die inhaltliche Entscheidung vor der Wahl des Parteibuches.

Mit Ihrer Kandidatur haben Sie den sicheren Amtsleiter-Status verlassen und müssen sich in sieben Jahren erneut im Kreistag zur Wahl stellen. Haben Sie dieses Risiko im Blick?

Das Streben nach Sicherheit war noch nie mein Beweggrund, den einen oder anderen Schritt in der beruflichen Laufbahn anzustreben. Vielmehr geht es mir um die Aufgaben und die Inhalte, die ich mitgestalten kann. Sieben Jahre sind eine lange Zeit, in der ich mich beweisen kann. In den letzten drei Jahren war meine berufliche Entwicklung so rasant, dass ich eine mittelfristige Perspektive nicht als Risiko empfinde.

Was meinen Sie, werden Ihnen 100 Tage Einarbeitungszeit zugestanden oder müssen Sie gleich auf den fahrenden Zug aufspringen?

Ich antworte mal mit einem Bild: Selbst wenn ich auf einen fahrenden Zug aufspringe, dann fährt dieser auf Schienen, nach einem Fahrplan und verschiedene Weichen und auch Schranken sind zumindest für die aktuelle Reise gestellt. Zum Glück ist auch der Lokführer an Bord. So sehe ich das auch mit den Ämtern in meinem Geschäftsbereich und meinen künftigen Aufgaben. Ich kann auf erfahrene und motivierte Amtsleiterinnen und Amtsleiter sowie Kollegen bauen und weiß auch, dass einige richtungsweisende Entscheidungen bereits getroffen wurden und nun umzusetzen sind. Die Funktion, die mittlerweile schon ein halbes Jahr nicht besetzt ist, neu auszufüllen und an der einen oder anderen Stelle auch den Fahrplan fortzuschreiben, dass wird meine Aufgabe in den kommenden 100 Tagen sein.

Mit den steigenden Kosten der Jugendhilfe und dem Mangel an Kita-Plätzen sind Ihnen zwei brennende Themen aus Ihrer Amtsleitertätigkeit im Jugendamt bestens vertraut. Wird es hier neue Lösungsansätze geben?

In der Tat sind das zwei wesentliche Themen, welche die Jugendhilfe, aber auch die politischen Verantwortungsträger intensiv beschäftigen. Hier müssen wir unterscheiden: was kann der Landkreis selbst steuern und gestalten und wo führen gesetzliche Rahmenbedingungen auch zu steigenden Kosten? Daraus ergibt sich die logische Fragestellung, wie beteiligen sich Bund und Land an diesen Aufgaben? In dieser Diskussion müssen wir Erfahrung, unser Fachwissen nutzen, um stärker finanziell unterstützt zu werden.

In welche Themen, mit denen Sie fachlich bisher noch nicht befasst waren, werden Sie sich besonders intensiv einarbeiten?

Das wird wohl die Finanzverwaltung sein. Aber dieser Bereich ist gut und kompetent besetzt, so dass ich hier viel Unterstützung bekommen werde. Auch der Landrat hat seine Stärken in diesem Bereich, so dass es keine Lücken geben wird.

Sie hätten als einzige Frau in der Runde der zehn Bewerber die besten Karten gehabt, weil die Kreisspitze bislang ausschließlich männlich dominiert ist, kolportierten einige im Vorfeld ihrer Wahl. Stört Sie diese Sichtweise?

Nein – da bin ich ganz pragmatisch. An mich persönlich sind keine Fragen in diese Richtung herangetragen worden und so kann ich zu möglichen Sichtweisen von außen auch nichts sagen.

Welchen Aufgaben werden Sie sich als erstes zuwenden? In welchen Bereichen der Kreisentwicklung sehen Sie möglicherweise Nachholbedarf?

Ich werde mir als erstes einen Überblick über die einzelnen Geschäftsbereiche und Abläufe in den Ämtern verschaffen und auch über die Themen in den sachsenweiten Arbeitsgruppen und Gremien. Mein Arbeitsfeld umfasst einen großen Teil der sozialen Lebensbedingungen der Menschen hier im Landkreis. Das kann und wird nie „fertig“ sein. Aktuell gibt es zum Beispiel große Fortschritte bei der Teilhabe behinderter Menschen oder neue Ansätze bei der Konzeption des Nahverkehrs. Hier sind wir mit vielen Ideen bei der Umgestaltung mit dabei. Es gibt sicherlich immer etwas zu verbessern, aber insgesamt ist der Landkreis auf einem guten Stand und wenn wir konsequent neue Entwicklungen aufgreifen und verfolgen, bin ich hier auch für die Zukunft optimistisch.

Hätten Sie sich in einem anderen Landkreis um einen ähnlichen Posten beworben?

Nein, das denke ich nicht. Dazu bin ich zu sehr Lokalpatriot!

Interview: Simone Prenzel

nterview: Simone Prenzel

Von Simone Prenzel

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