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Mit Sonnenkraft und Datenbrille gemütlich über den Hainer See gleiten

Solarboot Mit Sonnenkraft und Datenbrille gemütlich über den Hainer See gleiten

Besucher des Lagunenfestes in Kahnsdorf können am Wochenende mit einem Solarboot über den See fahren. Wissenschaftler der Westsächsischen Hochschule Zwickau stellen dafür ihr Forschungsobjekt zur Verfügung.

Da staunt der Schwan: Nur mit der Energie der Sonne fährt dieses Boot über den Hainer See. An Bord (v.l.): Rigo Herold, Norbert Wuck und Matthias Würfel von der Westsächsischen Hochschule Zwickau.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Kahnsdorf. Mit der Kraft der Sonne über den Hainer See schippern – das können Besucher des Lagunenfestes in Kahnsdorf am Sonnabend und am Sonntag ausprobieren. Wissenschaftler der Fakultät Elektrotechnik der Westsächsischen Hochschule Zwickau werden Fahrten mit der „Helios“ anbieten. Sie wollen damit zugleich für ein Studium an ihrer Bildungseinrichtung werben.

Forschungsobjekt Datenbrille

Forschungsobjekt Datenbrille: Damit will Rigo Herold dem Bootslenker die wichtigsten Daten direkt vor die Augen führen.

Quelle: André Neumann

Die Professoren Rigo Herold und Matthias Würfel sind am Dienstag schon einmal quer über den See gefahren und mussten dabei nie Angst haben, das rettende Ufer nicht zu erreichen, obwohl am Vormittag noch Wolken die Sonne verdeckten. Die Energieausbeute war trotzdem immer groß genug. Und das, obwohl die Solarzellen auf dem eigens dafür gebauten Aluminiumdach des kleinen Bootes schon fast zwanzig Jahre alt sind.

1998 wurde die „Helios“ erstmals zu Wasser gelassen als Forschungsobjekt für solare Elektromobilität auf dem Wasser. Wenig später folgte gleich ein harter Praxistest. Denn bis 2014 gehörte die „Helios“ zur Flotte der Leihboote auf dem Schwanenteich in Zwickau. Rudern mussten nur die anderen.

Seit zwei Jahren wird weiter getüftelt. Die Batteriesätze wurden getauscht, das Boot erhielt einen neuen Motor, Daten werden gesammelt und ausgewertet. Zu diesem Zweck befahren Würfel und Herold sowie als Dritter im Bunde Maschinenbauingenieur Norbert Wuck ganz unterschiedliche Gewässer. Die „Helios“ hatte schon Ostseewellen unterm Kiel, fährt häufig auf dem Stausee Kriebstein, schipperte über den Wörthersee, wo die Zwickauer mit Kollegen von der Höheren Technischen Lehranstalt Klagenfurth zusammenarbeiteten, und erregte auch schon auf dem Gardasee Aufsehen.

Auf dem Hainer See fuhr die „Helios“ in dieser Woche zum zweiten Mal nach einer Premiere im vergangenen Sommer. Immerhin ist das Bergbaufolgegewässer wie geschaffen als Terrain für ein Solarboot. Boote mit Verbrennungsmotor sind hier zwar nicht verboten, aber mit der maximal erlaubten Geschwindigkeit von zehn Kilometern je Stunde machen die ohnehin keinen Spaß. Dann lieber gleich den Elektromotor. Und wenn der von der Kraft der Sonne gespeist wird, muss der Freizeitkapitän nicht mal an die Ladestation fahren, preist Matthias Würfel einen der Vorzüge. In Kriebstein, erzählt er, lag das Boot seit Mai an einem Steg ohne Ladestation und sei immer einsatzbereit gewesen. So ist man freilich nicht der schnellste auf dem See, kann aber mit vier bis fünf Stundenkilometern lange unterwegs sein oder auch mal bis neun aufdrehen. Und das nahezu lautlos. Selbst Mitarbeiter des Seebetreibers Blauwasser staunten am Dienstag, wie leise das Solarboot war.

Wobei das Boot noch schneller fahren könnte, hätte es nicht die etwas klobigen Pontons an den Seiten. Die mussten aus Stabilitätsgründen angebracht werden, als die „Helios“ in Zwickau öffentlich genutzt wurde. „Ja“, ist Würfel überzeugt, „das Boot ist alltagstauglich“. Allerdings habe sich noch keine Firma gefunden, die es in Serie bauen will. Was auch am noch hohen Preis liegen mag. Denn auch, wenn Solarzellen heute günstig zu bekommen sind, Bootskörper, Batterien und Motor der „Helios“ bringen es zusammen auf gut 10 000 Euro.

Rigo Herold, der Elektroniker unter den drei Mitarbeitern der Zwickauer Hochschule, hat noch ein weiteres Forschungsobjekt mitgebracht: eine Datenbrille. Auf ihr soll der Bootslenker über eine kabellose Verbindung die wichtigsten Daten von Verbrauch bis Wassertiefe immer direkt vor dem Auge haben, so wie sie in modernen Autos in die Frontscheibe projiziert werden. Das mag auf dem gemächlich dahin surrenden Solarboot eher eine Spielerei sein, könnte aber zum Beispiel im Segelsport, dem Herold auch selber frönt, gut gebraucht werden. Segelfreunde, erzählt er, seien es auch gewesen, die ihn auf die Idee brachten, an der Datenbrille zu arbeiten.

Wer am Wochenende in Kahnsdorf Solarboot fahren möchte, findet die „Helios“ am Bootssteg am Hafen, um den herum sich das Fest abspielt.

Von André Neumann

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