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Borna Beiratschef fordert: Personalprobleme im Regiser Knast mit mehr Freigängern lösen
Region Borna Beiratschef fordert: Personalprobleme im Regiser Knast mit mehr Freigängern lösen
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07:00 07.09.2017
Uwe Hinz Quelle: André Neumann
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Regis-Breitingen

Es müsste mehr Freigänger in sächsischen Gefängnissen geben. Dadurch ließe sich die Personalnot in den Haftanstalten im Freistaat verbringen, sagt Hermann Göthel. Das gelte auch für die Jugendstrafanstalt Regis. Der frühere Elstertrebnitzer Pfarrer, seit Jahrzehnten auch Gefängnisseelsorger, ist Vorsitzender des Beirates der JSA Regis. Deren Leiter Uwe Hinz bestätigt die Personalprobleme.

Göthel verweist darauf, dass die Betreuung von Freigängern in speziellen Freigängerhäusern, wie sie es auch in Regis gibt, weniger personalintensiv ist, als wenn die Häftlinge im geschlossenen Vollzug untergebracht werden. Dazu müsse aber die Verurteilungspraxis geändert werden. Konkret: „Es muss nicht jeder, der eine Pleite hingelegt hat, in den geschlossenen Vollzug.“ Die Weichen dafür müssten allerdings durch die Politik gestellt werden, in Berlin oder wenigstens in Dresden, so dass Verurteilte schneller in den offenen Vollzug kommen könnten, sagt Göthel. Hinzu komme, dass eine Gefängnisstrafe im Freigängerhaus den Verurteilten die Möglichkeit gebe, soziale Beziehungen, etwa durch eine feste Arbeit, aufrechtzuerhalten. Göthel: „Für Vergewaltiger gilt das natürlich nicht.“

JSA-Chef Hinz verweist auf die Personalsituation im Jugendknast. Dort werden die aktuell 222 Strafgefangenen von 127 Bediensteten betreut. Die Haftanstalt ist für maximal 297 Insassen ausgelegt, zudem gibt es 30 Plätze im offenen Vollzug. Dabei gebe es weniger Mitarbeiter als früher, „weil wir Personal durch Altersabgänge verloren haben“. Zwar habe der Freistaat Sachsen den Personalabbau wie auch bei der Polizei gestoppt; neue Leute könnten aber erst in zwei Jahren zum Einsatz kommen, weil sie zuvor ausgebildet werden müssen.

Im Hafthaus kommt der Bedienstete auf sechs Wohngruppen, so Hinz. Das bedeute, „dass die Wohngruppen nur wechselseitig aufgeschlossen werden können“. Weil eine Faustregel besage, dass ein Bediensteter auf zwei Gefangene kommt, wirke das Verhältnis von Häftlingen und Mitarbeitern auf den ersten Blick vielleicht nicht so dramatisch. „Aber wir arbeiten im Drei-Schicht-System.“

Erschwerend komme hinzu, dass mittlerweile jeder fünfte Häftling Ausländer ist, vor allem aus den Mahgreb-Staaten. Gefangene, die schon aus kulturellen Gründen oftmals Probleme bereiten. Hinz: „Die haben ein anderes Auftreten sowie eine andere Forderungs- und Entschuldigungskultur.“ Dazu gibt es Sprachprobleme, was bedeutet, dass in vielen Fällen ein Dolmetscher anrücken muss, um überhaupt erst einmal eine Kommunikation zu ermöglichen.

Der Umgang mit den ausländischen Gefangenen stellt für die Mitarbeiter eine besondere Herausforderung dar. Sie sind lautstark und haben eine „Distanzlosigkeit gegenüber den Bediensteten“, sagt der Anstaltsleiter. Bedrohungen und Beleidigungen sind nicht selten. Vom speziellen Verhalten muslimisch geprägter junger Männer weiblichen Bediensteten gegenüber ganz abgesehen. Hinz: „Es ist schon ein schwieriger Umgang mit diesen Gefangenen.“

Die Regiser Haftanstalt ist Haftort für junge Männer, die mindestens 14 Jahre alt sind. Mittlerweile sitzen auch 27-Jährige in Regis ein, junge Erwachsene, die üblicherweise auch in anderen sächsischen Gefängnissen untergebracht werden könnten. Weil die aber teilweise sehr stark belegt sind und unter der allgemeinen Personalnot in sächsischen Gefängnissen leiden, werden sie mittlerweile auch in Regis untergebracht.

Was die Situation dort nicht verbessert. Für den Beiratsvorsitzenden Göthel jedenfalls ein Grund, die Verteilungspraxis in Sachsen zu ändern. Mehr Freigänger könnten die schwierige Personalsituation in Regis wie in den anderen sächsischen Knästen entspannen.

Von Nikos Natsidis

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