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Borna Beklemmende Nahaufnahmen der Terrorzelle
Region Borna Beklemmende Nahaufnahmen der Terrorzelle
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14:23 19.05.2015
Sandra Münch und Jan Sobe (r.) von Bon Courage begrüßen Autor und Journalist Christian Fuchs im Stadtkulturhaus zur Buchlesung von "Die Zelle". Quelle: Nicole RathgeScholz

Der Verein Bon Courage hatte zu der Lesung am Freitagabend eingeladen.

Der 34-Jährige, in Halle geboren, arbeitet als Journalist für die Süddeutsche Zeitung und den Norddeutschen Rundfunk (NDR). "Ich hatte Jan Sobe von Bon Courage in Leipzig kennengelernt. Dort hielt er einen interessanten Vortrag über die Punkbewegung in der DDR. Wir kamen ins Gespräch, und er meinte, ich könne doch mal nach Borna kommen. Hier bin ich", lächelt der junge Mann, der mittlerweile in Leipzig zu Hause ist.

Eigentlich wollte er nach einigen Jahren journalistischer Arbeit in Hamburg und München keine Texte mehr über Hartz IV, Stasi und Nazis in Ostdeutschland schreiben. Weil es hier auch schöne und positive Dinge gebe. Doch dann rollte der Fall "Zschäpe und Co." an. Im November 2011 brannte es in Eisenach. "Die Redaktion rief mich an und meinte, dass es etwas Größeres als nur ein Banküberfall zu sein scheint. Ob ich Lust hätte, bei einem Dokumentarfilm für die ARD mitzumachen." Das lehnte der in Weimar aufgewachsene Fuchs natürlich nicht ab. Allerdings hatten er und seine Kollegen nach zwei Monaten so viele Informationen zusammengetragen, dass am Ende drei Filme produziert wurden. "Es war aber unmöglich, alle Infos in diese Filme zu packen. Deshalb entschloss ich mich, gemeinsam mit John Goetz ein Buch zu verfassen", erklärt er die Entstehung des Werkes. Die Motivation, sowohl den Film als auch das Buch zu veröffentlichen, war vor allem, verstehen zu wollen, wie aus Kindern der Mittelschicht Terroristen wurden. Und wie sie es schafften, 14 Jahre nicht aufzufallen. "Nach unseren Recherchen, die viel ans Tageslicht brachten, kann man zwar nicht verstehen, wie Menschen so kaltblütig sein können und morden. Aber man kann vielleicht nachvollziehen, wie sie so geworden sind."

Der Autor las aus dem 2012 erschienenen Buch, das die Geschichte der Zwickauer Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" erzählt. Es rückt ganz nah heran an die Biografien von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. In einer detailreichen Reportage schildert es in beklemmenden Nahaufnahmen, wie die drei Extremisten ihre Taten verübten, wer ihnen half und wie sie ihren Alltag organisierten. Parallel zur Geschichte der Terrorzelle beschreibt das Buch das gesellschaftliche Klima in Deutschland nach der Wende, in dem sich das Trio radikalisierte. Es zeigt auf, welche Umstände dazu führten, dass über ein halbes Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder solch brutaler Terror von Rechts gedeihen konnte.

"Das Thema NSU ist zwar mittlerweile in den Medien abgeklungen, aber dennoch präsent. Zwar nicht in dem Ausmaß von Morden, aber in verbaler Hinsicht und psychischer Gewalt im Alltag", erklärt Bon-Courage-Aktivist Jan Sobe. "Wir werden deshalb weiter kontinuierlich Aufklärungsarbeit leisten und diese Themen nicht einfach abhaken."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.03.2014
Nicole Rathge-Scholz

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