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Borna Bergbau-Dokzentrum: Mehr Fragen als Antworten
Region Borna Bergbau-Dokzentrum: Mehr Fragen als Antworten
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08:10 18.10.2016
Die Bergbau-Ausstellung in der Witznitzer Fabrik gilt als erfolgreicher Test für ein dauerhaftes Dokumentationszentrum. Quelle: Thomas Kube

Ansonsten gibt es aber nach wie vor mehr Fragezeichen als Antworten zur Schaffung des Zentrums.

 

 

 Die Ausstellung mit dem sperrigen Titel "Tage.Bau.Land.Schaff(t)en - Brikettfabrik Witznitz 1913-2013", die im vorigen Jahr über Wochen hinweg in der alten Fabrik zu sehen war und mit der damaligen Bundesbildungsministerin Johanna Wanka den prominentesten Besucher hatte, gilt als eine Art gelungener Auftakt. "Wir haben gezeigt, dass wir mit vielen Akteuren gemeinsam so eine Ausstellung auf die Beine stellen können", sagt Bornas Bürgermeister Frank Stengel, der zum Kreis der BIDZ-Initiatoren gehört. Es habe sich gezeigt, dass es möglich ist, ein Dokumentationszentrum auf den Weg zu bringen. Die Resonanz war aus Stengels Sicht ermutigend.

 Aber schon die Ausstellung kostete 36 000 Euro, was erahnen lässt, welche Summen für ein ständiges BIDZ vonnöten wären. Ein BIDZ, das auf vier Säulen stehen soll: Ausstellungen/Museen, wissenschaftliche Dienstleistungen, Forschung und Lehre.

 Ziel: Museum umprofilieren

 Nachdem das Kommunale Forum Südraum Leipzig eine Machbarkeitsstudie erarbeiten ließ, in der Folge unter Federführung der Stadt Borna ein "Wissenschaftlicher Beirat" die Arbeit aufnahm und schließlich mit der Ausstellung in der Brikettfabrik Witznitz ein erstes fassbares Ergebnis vorgelegt wurde, verfolgen die Initiatoren derzeit zwei Wege, um dem avisierten Zentrum näherzukommen.

 Zum einen soll das Museum der Stadt Borna so umprofiliert werden, dass es den Anforderungen an ein regionales BIDZ gerecht wird - gegebenenfalls im Verbund mit anderen Einrichtungen wie dem Bergbau-Technik-Park und dem Kap Zwenkau. Um dafür zunächst eine Konzeption zu erstellen, hat das Museum im Oktober bei der Landesstelle für Museumswesen einen Förderantrag gestellt. Unterm Strich steht laut Stengel die Entwicklung eines Museumsverbundes in der Bornaer Region, der Bestandteil des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum werden soll. Die Hoffnung dieser Bemühungen liegt auch darin, sich so eine Finanzquelle für das Dokzentrum zu erschließen und von der Kraft des Zweckverbandes zu profitieren.

 Zum anderen soll jetzt endlich der Förderverein ins Leben gerufen werden. Der verfolge dann das Ziel "in eineinhalb Jahren die Grundlagen für den Aufbau eines BIDZ zu schaffen", sagt Stengel. Der Förderverein müsse dauerhafte Finanzierungsquellen erschließen, um Mitarbeiter beschäftigen zu können. "Sonst ist das Ziel nicht zu erreichen", so Stengel. Der Förderverein müsse deshalb versuchen, Land und Bund mit ins Boot zu holen, denn die kommunale Ebene könne so ein Zentrum nicht bezahlen. Derzeit ist kein einziger Geldhahn in Aussicht, es gibt auch noch keine räumlichen Vorstellungen zum Dokzentrum. Die momentan allesamt ehrenamtlichen Macher können sich allerdings vorstellen, den Förderverein im nächsten Schritt in eine dauerhafte Rechtsform zu überführen, sozusagen in eine Firma, die das Zentrum vorantreibt oder später gar betreibt.

 Mieth: Keine Parallelstrukturen

 Ob die Pläne aufgehen, ist indes fraglich. Die Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, Katja Margarethe Mieth, sieht den Ansatz zum Aufbau eines Bergbau-Dokumentationszentrums durchaus kritisch. Eine separate Einrichtung sei nicht zielführend, sagt sie. Aus ihrer Sicht sei es besser, zu überlegen, wie sich das Grundkonzept des Bornaer Museums mit der Idee des Zentrums verbinden ließe. Zumal das Thema Braunkohle ohnehin ein Kernauftrag des Bornas Museums sei. "Warum kann das Dokzentrum nicht ans Museum angebunden werden? Parallelstrukturen kann auf Dauer keiner bezahlen", sagt Mieth mit Blick auf Personal und Betriebskosten. "Wenn man eher Kongruenten statt Konkurrenten schafft, ist schon viel getan."

 Mieth vermisst auch ein klares Bekenntnis der Stadt Borna zum BIDZ. Es gebe seit Jahren Gespräche, doch "ich kann schwer eine Linie erkennen". Sie sehe keinen klaren Richtungsbeschluss der Stadt, auch nicht beim Zurverfügungstellen von Mitteln. Weil "der Goldesel fehlt", sei es besser, vorhandene Strukturen zu nutzen und auszubauen. Mieth glaubt nicht, dass für das BIDZ aus der privaten Wirtschaft oder öffentlichen Hand genügend Geld generiert werden kann.

 Zum Förderantrag des Museum wollte sich Mieth nicht äußern. Die Landesstelle sei noch in der Prüfungsphase, es gebe mehr Anträge als Geld.

 Riedel: Braunkohle zu kurz gefasst

 Wie steinig der Weg noch wird, zeigen auch die Aussagen der Geschäftsführerin des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum, Andrea Riedel. Sie findet die Idee, ein Bergbau-Dokumentationszentrum aufzubauen, super, ebenso den avisierten Standort Borna. Allerdings bräuchte das BIDZ ein Alleinstellungsmerkmal. "Nur die Braunkohle ist für mich zu kurz gesprungen", sagt Riedel. Es müssten dann alle Bergbausparten bedient werden. Mit Blick auf die Finanzierung weist aber auch sie auf die weitaus größere Hürde hin. Unter dem Dach des Zweckverbandes (ZV) müsste der (noch nicht feststehende) BIDZ-Träger nämlich zunächst einzahlen. Der ZV erhalte vom Freistaat jährlich 1,7 Millionen Euro, die selbe Summe müsse als Umlage von den Trägern kommen, erklärt Richter. Der Verband wiederum verteile dann die 3,4 Millionen Euro auf seine Mitglieder.

 Riedel würde die Aufnahme des BIDZ befürworten, wobei die Verbandsversammlung das entscheidende Wort habe. Würde indes das Museum konzeptionell umgebaut, so wie es Mieth vorschlägt, stünde sie einem Beitritt kritisch gegenüber, meint Riedel.

 Und auch die Chefin des Zweckverbandes sagt: "Die Impulse müssen aus dem Bornaer Raum kommen. Die Stadt muss sich entscheiden, ob sie beides will" - Museum und Dokzentrum.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2014
Frank Prenzel

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