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Bergbau und die Nähe zu Leipzig

Bergbau und die Nähe zu Leipzig

Die zündende Idee hatte vorgestern Abend im Goldenen Stern niemand. Das aber war ohnehin nicht zu erwarten bei der Diskussion unter der Überschrift "Die Stadt Borna als Marke", zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen hatte.

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Um die "Stadt Borna als Marke" ging es vorgestern Abend bei einer Diskussionsrunde im Goldenen Stern, zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen hatte. Dabei wurde deutlich, dass die Veranstaltung nur ein Auftakt gewesen sein kann.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Dabei war sich die Runde, vom SPD-Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten Oliver Urban moderiert, einig, dass die Veranstaltung nur ein Auftakt gewesen sein kann.

Zahlen lügen nicht. Und so machte Hardo Kendschek, Geschäftsführer der Komet-Empirica GmbH Leipzig, mit Druckhaus-Borna-Inhaber Bernd Schneider, Stadtrat Sebastian Stieler (fraktionslos) und dem Geschäftsführer der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS), Sören Uhle, im Podium, den Trend deutlich. Der geht auch an Borna nicht vorbei. "Wir haben in den letzten Jahrzehnten einen Bevölkerungsrückgang wie im 30-jährigen Krieg." So wird die Zahl der über 65-Jährigen im Jahr 2030 bei 39 Prozent liegen. In Einheitsjahr 1990 waren es nur 25 Prozent. In 16 Jahren sind dagegen nur noch elf Prozent der Bevölkerung 18 Jahre und jünger. Das Durchschnittsalter, so Kendschek, liegt dann bei 53 Jahren.

BWS-Chef Uhle forderte, "dass wir uns nicht der Status-quo-Betrachtung entziehen dürfen". Letztlich gehe es immer ums Geld. Es stehe fest, "dass wir Wohnungen verlieren und es uns in zehn Jahren nicht besser gehen wird". Uhle: "Wir werden die Schrumpfung gestalten müssen."

Stieler, aktuell noch auf Ticket der Freien Wähler Borna (FWB) im Stadtrat und bei der Wahl Kandidat für die CDU, verwies auf Probleme, die sich auch mit wenig Aufwand oder Geld lösen lassen würden. "Die Stadtverwaltung kann nicht sagen, in welcher Sporthalle etwa Deutsche Meisterschaften durchgeführt werden können." Das mache die Ausrichtung einer Landesmeisterschaft etwa im Schach, bei der Platz für etwa 200 Teilnehmer benötigt würde, in Borna unmöglich, so Stieler, der selbst aktiv Schach spielt. Der 25-Jährige nannte weitere Probleme, die sich vergleichsweise leicht lösen ließen: Etwa die Erreichbarkeit der Stadtverwaltung. Wer dort die Zentralnummer 8730 anrufe, bekomme oftmals nur einen Anrufbeantworter zu hören. Oder der Internetauftritt der Stadt, auf dem auch über aktuelle Verkehrsmeldungen informiert wird. Bisweilen allerdings verwirrend. "Dort habe ich eine Straße gefunden, die kannte ich in Borna gar nicht." Später stellte sich dann heraus, dass es sich um eine Straße in Borna bei Chemnitz handelte - eine Folge von Verknüpfungen im Netz, die es so nicht geben dürfte.

Schneider sagte, es sei positives Denken gefragt, wenn jemand Werbung machen wolle. Für einige Kommunen im Landkreis Leipzig werde es in Zukunft gefährlich. "Es wird Verliererstädte geben", wozu Schneider Borna allerdings nicht rechnet. In Borna sei ein beachtlicher Strukturwandel gelungen. "Was sich in den letzten 20, 25 Jahren in Borna getan hat, ist so schlecht nicht." Dem pflichtete Kendschek bei, der Mitte der 90er Jahre an der ersten Bornaer Leitbild-Diskussion federführend beteiligt war. Borna sei "in allen Punkten um Klassen besser geworden".

Was sich für den persönlichen Umgang innerhalb der Stadt allerdings oftmals nicht sagen lässt. BWS-Chef Uhle brachte auf den Punkt, was sicher nicht nur Leuten wie ihm, der erst seit zwei Jahren in Borna zu Hause ist, auffällt. "Was ich in dieser Stadt an gegenseitigen Verletzungen erlebt habe, ist unglaublich", womit er nicht unbedingt den Stadtrat, sondern auch Bürger und Mieter meinte. Uhle forderte, die Stadt müsse bei ihrer Suche nach einer Marke ein Thema finden. Mit Blick auf die drei Bornaer Originale Zwiebelfrau, Karabinier und Bergmann gehe er davon aus, "dass am Ende der Bergmann herauskommt". Bergbau und Energie hätten Borna geprägt und müssten jetzt positiv miteinander versöhnt werden.

Auch das Publikum diskutierte mit. So erinnerte Harmut Hieckmann, langjähriger Gewerkschafter mit CDU-Parteibuch, daran, "dass Borna ein Alleinstellungsmerkmal hat" - den Volksplatz. Vielleicht müsse dessen Vermarktung professioneller erfolgen. Helga Kuhnert, als engagierte Bürgerin bekannt, kritisierte die fehlenden Visionen. "Die sind wichtig." Paul Janus, seit Jahren für seinen Ortsteil Gnandorf aktiv und immer im Einsatz für die ältere Generation, regte an, die 6000 Kleingärtner in der Stadt zu aktivieren. Die könnten ein grünes Stadtkonzept erarbeiten.

Ilse Lauter, Geschäftsführerin der Ökologischen Station Birkenhain und Vorsitzende der Linken-Fraktion im Leipziger Stadtrat, regte an, die Leitbild-Debatte in der Stadt fortzuführen. Dabei müsse die Diskussion moderiert werden, "am besten durch jemanden mit einer Außensicht auf Borna". Die Stadt müsse ihre Nähe zur Großstadt Leipzig als Stärke begreifen, nicht als Bedrohung. "Sie brauchen ja hier keine Angst vor einer Eingemeindung nach Leipzig zu haben."

Auf die Nähe zu Leipzig - wie auch zu Chemnitz - hatte auch Stieler verwiesen. Durch den Citytunnel sei Leipzig in einer halben Stunde erreichbar, nach Chemnitz gehe es via Autobahn noch schneller.

Druckhaus-Chef Schneider erinnerte daran, "dass es in Borna viel intellektuelles Potenzial gibt". Er setze auf die positiven Kräfte in der Stadt, "das sind die meisten und nicht die paar Meckerer". Weil für jemanden wie Schneider positives Denken ein wesentliches Stück seiner Lebensphilosophie ist, nannte er auch Zahlen. 2013 habe es in Borna 87 Zuzügler aus Leipzig gegeben, die größte Zahl seit Jahren. In der so genannten Elternschule, einem Angebot des Klinikums Borna für junge Mütter und Väter, seien im Januar zwei Teilnehmer aus Borna registriert worden. Immerhin 40 Teilnehmer stammten hingegen aus Leipzig.

Auch Schneider regte eine Fortsetzung der Debatte um Stadtmarketing an. Das hatte zuvor schon Uhle klar gemacht. Er betrachte die Veranstaltung im Stern lediglich als einen Auftakt.

© Kommentar Seite 25

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2014
Nikos Natsidis

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