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Berliner Autor Olaf Thomsen erklärt Schülern in Groitzsch Verhaltensregeln

Manier und Malheur Berliner Autor Olaf Thomsen erklärt Schülern in Groitzsch Verhaltensregeln

Ein Fingerschnipps – und schon ist das Gegenüber sozusagen katalogisiert. Wie der erste Eindruck so gelingt, dass beispielsweise Jugendliche bei späteren Bewerbungsgesprächen die besten Chancen haben, war am Dienstag Thema einer ungewöhnlichen Lesung in der Groitzscher Stadtbibliothek des Berliner Autors Olaf Thomsen.

Julian (li.) und Toni (re.) üben unter Beobachtung des Autors Olaf Thomsen (M.) die richtige Begrüßung.

Quelle: Julia Tonne

Groitzsch. Ein Fingerschnipps – und schon ist das Gegenüber sozusagen katalogisiert. Der erste Eindruck, den man von jemandem bekommt, braucht gerade einmal die Zeit eines Fingerschnippens. Wie dieser erste Eindruck so gelingt, dass beispielsweise Jugendliche bei späteren Bewerbungsgesprächen die besten Chancen haben, war am Dienstag Thema einer ungewöhnlichen Lesung in der Groitzscher Stadtbibliothek. Der Berliner Autor Olaf Thomsen reiste mit den Neuntklässlern der Oberschule Groitzsch quasi durch „Manier und Malheur“.

„Die Hände sind richtig doof, man weiß immer gar nicht, wohin mit denen, wenn man zum Vorstellungsgespräch kommt“, begann Thomsen seine Benimm-Schulung. Doch gegen den Tick, den Händen eine sinnlose Beschäftigung zu geben, hatte er einen Tipp parat: „Stellen Sie sich gerade hin, Hacken auseinander. Und dann denken Sie nur an die Hacken, dann haben Sie die Hände vergessen.“ Und noch etwas hilft, um den zukünftigen Chef von sich zu überzeugen: Augenkontakt – „Gucken Sie aber nur in ein Auge Ihres Gegenübers. In beide können Sie schon physiologisch gar nicht schauen.“

Nach dem Fingerschnipps hat jeder also einen anderen „einsortiert“, „Gestaltpsychologie“ heißt das. Und die wiederum ist ein hocheffektives Überbleibsel der Evolution. „Wir haben also den Affen oder den Neandertaler noch im Kopf und können Gestalten sofort erkennen“, erklärte Thomsen mit schnoddriger Berliner Schnauze.

Das Gehirn sei ein Hochleistungsorgan, das innerhalb von Bruchteilen von Sekunden einen „Schlaffi von einem kernigen Typen unterscheiden kann“. 70 Prozent seines Urteils fälle jeder mit den Augen, 20 Prozent über die Stimme und der kleine Rest sei das, was jemand inhaltlich von sich gebe.

Die Lesung in der Bibliothek passt derzeit gut zum Stundenplan der Schüler. Denn das Thema Bewerbung nimmt dieser Wochen einen hohen Stellenwert ein. „In bestimmten Situationen wissen die Schüler, wie man sich benimmt, aber zugeschnitten auf die Bewerbungsphase können sie noch viel lernen“, begründete die Klassenlehrerin Martina Schroth den Besuch bei Thomsen-„Knigge“.

Doch der Sammler von Benimm-Büchern gab nicht nur Nachhilfe in Hinblick auf die zu erwartenden Vorstellungsgespräche und das entsprechende Auftreten, er gab zudem einen Überblick über Benimm-Regeln im Alltag. Die Frage, wer bei einem Restaurantbesuch als erster das Lokal betritt, nahm einige Zeit in Anspruch und sorgte für muntere Erheiterung. „Wenn Sie in eine anrüchige Eckkneipe gehen, schicken Sie nicht Trulla mit den Worten ,Check doch mal die Lage’ vor, sondern checken als Mann selbst die Lage und betreten dann vor der Frau die Kneipe“, erläuterte der Berliner sehr bildlich. Beim Verlassen des Etablissements bleibe der Mann dann hinter der Frau. Anders verhält es sich jedoch, wenn es sich um ein vornehmes Restaurant handelt. Dann halte der Herr der Dame die Tür auf, lasse sie aber als erste rein.

In heutige Benimm-Bücher finden zunehmend die Themen Bewerbung, Verhalten im Ausland und Handy Eingang. Im Mittelalter drehte sich hingegen viel um Tischmanieren. Einige davon, wie sich während des Essens nicht am Kopf zu kratzen, sind bis heute gültig. Andere hingegen (Pass auf, dass keine sechsbeinigen Tierchen an dir herumkrabbeln) sind keineswegs mehr aktuell.

Von Julia Tonne

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