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Borna Berühmter Altar in Röthaer Kirche St. Marien ist saniert
Region Borna Berühmter Altar in Röthaer Kirche St. Marien ist saniert
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17:53 26.11.2015
Ab sofort ist der Blick auf den Altar wieder frei, das Gerüst ist gefallen. Quelle: Jakob Richter
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Rötha

Von Freitag an haben Besucher der Kirche St. Marien in Rötha wieder einen ungestörten Blick auf den berühmten Altar. Nach abgeschlossener Sanierung und Schädlingsbekämpfung wird das Gerüst abgebaut. Geheimnisse um das wertvolle, rund 500 Jahre alte Schnitzwerk bleiben immer noch bestehen.

Während man den Restauratorinnen Algis Wehrsig und Henrieke Tuchel zwischen Mitte Juni und dem 9. Oktober bei der Arbeit auf dem Gerüst, das den Altar bis Donnerstag umgab, noch zusehen konnte, so war das hölzerne Kunstwerk Mitte November für mehrere Tage komplett verhüllt. Luftdicht eingepackt in Folien wurde der Altar einem Gas ausgesetzt, welches den Holzwurm bekämpfen und für möglichst lange Zeit vertreiben sollte. Die Kirche war während dieser Zeit gesperrt. Alle Beteiligten sind froh, dass die milden Temperaturen im Herbst die Schädlingsbekämpfung gleich im Anschluss an die Restaurierung zuließen. Auf diese Weise muss das Gerüst nicht wie zunächst befürchtet bis zum Frühjahr stehen bleiben oder dann noch einmal aufgebaut werden.

Der Altar in der Röthaer Kirche St. Marien ist saniert – ein erster Blick. Das wertvolle Schnitzwerk hat immer noch Geheimnisse. Quelle: André Neumann

Bei der offiziellen Übergabe des restaurierten Altars herrschte in dieser Woche bei den beteiligten Experten vom sächsischen Landesamt für Denkmalpflege und von der Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Leipzig rundum Zufriedenheit. „Der erste Eindruck ist gut“, sagte Kunsthistoriker Arndt Kiesewetter, bevor er sich mit seinen Landesamts-Kollegen Steffi Bodechtel und Thomas Brockow auf das Gerüst begab. Auch aus der Nähe fanden die Fachleute lobende Worte für die Arbeit der Restauratorinnen. Die haben den Altar gereinigt, Schadstellen behutsam ausgebessert, Flecken und Farbreste von früheren Restaurierungen beseitigt. Das Schnitzwerk, welches die Krönung der Maria im Himmel zeigt, gilt als einzigartig in Sachsen. Zum einen, weil es einer der letzten Altäre ist, die noch vor der Reformation aufgestellt wurden, zum anderen, weil er so gut wie nicht bemalt ist. Das gibt es nicht noch einmal unter den bekannten spätgotischen Altären in Sachsen.

Und genau da liegt ein Geheimnis, das, wie Algis Wehrsig sagt, auch nach dieser umfassenden, dreimonatigen Restaurierung nicht endgültig aufgeklärt ist: War der Altar von Anfang an komplett farblos angelegt oder sind die Meister mit der Gestaltung nur nicht rechtzeitig fertig geworden? Am restaurierten Altar jedenfalls findet sich jetzt ein Hauch von Rot auf den Lippen der Figuren, Augen und Brauen sind schwarz. Die Himmelsflächen, in denen Spuren von Blau gefunden worden waren, sind nicht bemalt worden.

Besucher der Kirche können sich von jetzt an selbst am restaurierten Altar erfreuen, in den auch das ebenfalls von Algis Wehrsig sanierte Relief in der Predella wieder eingesetzt wurde, das viele Jahre verschollen war. Zwar ist die Kirche in der Regel verschlossen und laut Pfarrer Christoph Krebs finden in diesem Jahr auch keine kirchlichen Veranstaltungen mehr hier statt. Doch könnten Besucher sich jederzeit im Pfarrhaus melden oder bei den Friedhofsarbeitern. Am 20. Dezember, dem vierten Advent, findet unter Regie des Fördervereins für die Marienkirche noch einmal ein Konzert statt. Am Nachmittag wird dann der Chor Madrigio aus Leipzig in der Kirche auftreten, der zuvor am Lagerfeuer am Schlosspark singt.

Die Restaurierung des Altars kostet rund 50.000 Euro, wobei die Kosten für die Schädlingsbekämpfung noch hinzukommen. Der größte Teil des Geldes kommt aus Fördermitteln des Freistaates und von der ostdeutschen Sparkassenstiftung. Kleinere Anteile tragen die Landeskirche und die Kirchgemeinde Rötha. Arndt Kiesewetter vom Landesamt für Denkmalpflege bot Pfarrer Krebs an, im Frühjahr in der Kirche einen Vortrag über den Altar, dessen Geschichte und die jetzige Restaurierung zu halten.

Von André Neumann

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