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Berufsschule ist vom Tisch

Berufsschule ist vom Tisch

In der ehemaligen Berufsschule am Bornaer Königsplatz werden keine Asylbewerber einziehen. Das Gebäude ist für die Unterbringung der Flüchtlinge nicht geeignet, wie eine Vor-Ort-Prüfung ergab.

Borna. Die städtische BWS hat dem Landkreis aber 18 auf das Stadtgebiet verteilte Wohnungen angeboten, in denen interessierte Asylbewerber vorübergehend leben können.

Die Zahl der Asylbewerber im Landkreis wird steigen. Thomas Voigt, Beigeordneter im Landratsamt, bestätigte jetzt noch einmal die bereits in der LVZ genannten Zahlen. Mindestens 130 Personen, darunter vermutlich auch Afrikaner, habe die Landesdirektion bereits angekündigt und zudem den Hinweis geschickt, dass es durchaus noch mehr werden könnten. Damit ist das Flüchtlingsproblem, das auf der Insel Lampedusa im Mittelmeer sichtbar wurde und zu einem öffentlichen Aufschrei führte, auch in der Region angekommen. Die Kreisverwaltung stoße bei der Lösung für die Situation inzwischen allerdings an Grenzen, wie Voigt erklärte.

Derzeit leben etwa 500 Asylbewerber im Landkreis, in den vier Heimen gibt es nach Auskunft des Beigeordneten keine freien Plätze. Da die Neuankömmlinge - für den 6. November sind die ersten 35 avisiert - aus verschiedensten Gründen nicht gleich in Wohnungen geschickt werden könnten, bemühe sich die Verwaltung jetzt darum, Familien aus den Heimen dezentral unterzubringen und auf diese Weise dort Platz zu schaffen. "Wir prüfen momentan verschiedene Möglichkeiten", so Voigt. Dabei gebe es erheblichen Zeitdruck. Fakt sei, dass der Landkreis die Aufgabe zu erfüllen habe. Sein Ziel sei es, die Herausforderungen gemeinsam mit den Kommunen und in Abstimmung mit den Bürgermeistern zu meistern. "Wir müssen sie unterbringen und wir werden sie unterbringen", erklärte der Beigeordnete.

Die frühere Berufsschule am Bornaer Königsplatz ist dabei kein Thema mehr. Mitarbeiter der Fachbereiche Bau, Brandschutz und Hygiene des Landratsamtes haben das Objekt gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Polizeirevier geprüft. Das Ergebnis: Den Vorschriften des Innenministeriums bezüglich der Art, Größe und Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften kann hier nicht entsprochen werden. Das Gebäude sei nicht geeignet, ließ das Landratsamt jetzt die Stadtverwaltung wissen.

Das Landratsamt greift aber das Angebot der Kreisstadt auf, Asylbewerber dezentral in Wohnungen der Bornaer Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (BWS) unterzubringen. Das Sozialamt hat die 18 Wohnungsangebote an die Asylbewerber weitergeleitet. Finden sich Interessenten, wird das Amt Kontakt mit der BWS aufnehmen und Besichtigungstermine abstimmen - so wie es schon Praxis in Geithain ist. Die Wohnungen liegen in fünf verschiedenen Stadtteilen und sind für jeweils zwei bis drei Personen ausgelegt. Insgesamt könnten hier 43 Asylbewerber unterkommen.

Im Bornaer Rathaus atmet man ob der Nachricht aus dem Landratsamt auf. Die alte Berufsschule am Königsplatz zu nutzen, hatte die Stadt von vornherein abgelehnt (die LVZ berichtete). "Wir sind erfreut, dass die Schule nicht mehr zur Debatte steht und Bornas Angebot angenommen wird", so Rathaussprecher Hans-Robert Scheibe. Das Haus am Königsplatz liege zu nah an der Innenstadt, die Bewohner ringsum seien bei der Diskussion nicht mitgenommen worden. Scheibe erklärte, dass in die 18 Wohnungen keine neu ankommenden Flüchtlinge ziehen werden. Das Angebot werde Asylbewerbern unterbreitet, die schon seit Jahren im Heim leben und integrationswillig sind, sagte er. Es gehe darum, die Wohnsituation dieser Menschen zu verbessern. "Sie wollen in unserer Gesellschaft ankommen, was ihnen aber durch die Gesetzgebung nicht einfach gemacht wird." Die Betreuung in den Wohnungen müsse dabei gewährleistet sein, so Scheibe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.11.2013
Prenzel, Frank

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