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Berufsschulen werden weiter spezialisiert: Land übernimmt künftig die Regie

Berufliche Bildung Berufsschulen werden weiter spezialisiert: Land übernimmt künftig die Regie

Berufsschulen sollen künftig in die Regie des Landes übergehen. So sieht es eine Gesetzesänderung vor. Der Trend geht zur weiteren Spezialisierung der Ausbildungseinrichtungen. Einiges wird sich ändern.

Im Beruflichen Schulzentrum (BSZ) des Landkreises in Böhlen wird im Bereich Biotechnologie erfolgreich ausgebildet. Die Schüler kommen nicht nur aus der Region, sondern zum Beispiel auch aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Landkreis Leipzig. Die erwartete Änderung des Sächsischen Schulgesetzes rammt Pflöcke für die Sicherung von allgemeinbildenden Schulen ein. Aber auch auf dem Gebiet der beruflichen Bildung wird sich einiges ändern. Die Weichen auf Landesebene werden auch für die Beruflichen Schulzentren (BSZ) neu gestellt. Wie aus dem Entwurf der Regierungskoalition von CDU und SPD hervorgeht, geht die Schulnetzplanung für die Berufsschulen künftig auf das Land über. Bisher lag die Verantwortung bei den Landkreisen.

Die Entwicklung der Berufsschullandschaft wird sich demnach das Kultusministerium auf den Tisch ziehen. Eine Weichenstellung, die zum Beispiel von der Wirtschaft schon begrüßt wurde. Dass die Schulnetzplanung für die berufsbildenden Schulen zentralisiert wird, sei eine Forderung der sächsischen Unternehmen gewesen, heißt es seitens der Industrie- und Handelskammer. Damit schaffe Sachsen die Grundlage für ein stabiles Netz der schulischen Bildung.

In der Vergangenheit waren auch an den BSZ des Landkreises die Schülerzahlen rückläufig. Vor der Kreisreform unterhielt das Leipziger Land ein BSZ in Böhlen mit Außenstellen in Borna, Markkleeberg, Espenhain und Regis-Breitingen. Im Muldentalkreis bestanden BSZ in Wurzen und Grimma. Im Jahr 2009 fällte der Kreistag die Entscheidung, sich von einigen Standorten zu trennen. Seitdem besteht das BSZ-Netz aus Einrichtungen in Böhlen, Grimma und Wurzen. Für die vier Außenstellen in Borna, Markkleeberg, Espenhain und Regis-Breitingen kam damals das Aus.

Das Damoklesschwert hatte zuletzt auch über der traditionsreichen Ausbildungsstätte am Wurzener Domplatz geschwebt. „Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die vorgesehene Regelung zur Mindestschülerzahl für Berufsschulen“, erklärt Landrat Henry Graichen (CDU). „Wäre es bei den ursprünglich angedachten 750 Schülern geblieben, hätten die Zahlen in Wurzen nicht ausgereicht.“ Das Haus habe seit langem mit Schülerschwund zu kämpfen. Von ursprünglich einmal 1500 Schülern sei die Zahl auf unter 600 gesunken. „Wir hatten schon einen Plan B in der Schublade und uns Gedanken über die Zusammenlegung mit Grimma gemacht. Diese Option müssen wir jetzt glücklicherweise nicht ziehen, da laut Gesetzentwurf 550 Schüler für den Bestand einer Berufsschule ausreichen.“ Vollkommen unkritisch seien die Schülerzahlen in Böhlen und Grimma. Beide Einrichtungen sind stabil.

Mit der Aussicht, dass die komplette Planung künftig beim Land liegt, könne er leben, formulierte Graichen weiter. Mit Blick auf den demografischen Wandel und insgesamt abnehmende Bewerberzahlen würde sich das anbieten. Die Empfehlung seiner sächsischen Amtskollegen dazu lautet: Die Ausbildungsmöglichkeiten für häufig nachgefragte und in jeder Region benötigte Berufe flächendeckend erhalten und für stark spezialisierte Berufe Schwerpunktschulen bilden. Ein Anliegen, das auch Graichen unterstreicht: „Die Wirtschaft braucht ein stabiles Berufsschulnetz, das mit Blick auf den Fachkräftemangel Planungssicherheit bietet.“

Tag der offenen Tür im BSZ Grimma

Tag der offenen Tür im BSZ Grimma.

Quelle: Frank Schmidt

Aktuell bestehen an den drei BSZ des Landkreises 30 Bezirks- und 13 Landesfachklassen mit überregionaler Bedeutung. Ein Anlaufpunkt für Anlagenmechaniker im Bereich Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik ist unter anderem Grimma. An der Mulde werden außerdem Land- und Baumaschinenmechatroniker ausgebildet. Böhlen gilt als Schwerpunkt für Fahrzeuglackierer und Verwaltungsfachangestellte und macht sich zunehmend in der Biotechnologie einen Namen. Wurzen setzt auf grüne Berufe wie Florist, Gärtner und Agrarservice-Fachkraft.

„Bereits jetzt haben wir erste Schlussfolgerungen gezogen, wie sich der Landkreis als Berufsschulstandort weiter profilieren und auf das neue Schulgesetz reagieren kann“, erläutert Graichen. Wichtig sei mit Blick auf die Lehrlinge, Übernachtungskapazitäten vorzuhalten. „Dazu fanden bereits Gespräche mit dem Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in Borsdorf sowie mit dem Stadt Markkleeberg statt.“ Das BTZ könne sich eine Kooperation zur Nutzung von nicht benötigten Internatsplätzen vorstellen; und auch Markkleeberg sei nicht abgeneigt, freie Betten am Internat des Hildebrandt-Gymnasiums für Berufsschüler anzubieten.

Landkreistag unterstützt Neuregelung

Der Landkreistag, die Interessenvertretung aller sächsischen Landkreise, hatte ebenfalls eine Neuregelung der Schulnetzplanung für Berufsschulen gefordert. Ähnlich wie bei Hochschulen bereits praktiziert, solle zentral festgelegt werden, an welchem Standort welcher Ausbildungsberuf erlernt werden kann. Für seltene Berufe müssen Interessenten schon jetzt weite Wege in Kauf nehmen. Für seltene Berufe werden bereits seit einigen Jahren Landes- oder sogar Bundesfachklassen gebildet, in denen die wenigen Lehrlinge zusammengefasst werden. Um Ausbildungszweige besser zu steuern und dabei die Bedürfnisse der Wirtschaft im Auge zu haben, solle das Land künftig Regie führen. Derzeit sei es so, dass Fachklassenstandorte je nach Anmeldeverhalten und kleinräumiger Planung der Kreise festgelegt werden, so der Landkreistag. Dies habe zur Folge gehabt, dass das Berufsschulnetz im ländlichen Raum immer mehr ausgedünnt wurde. „In der Folge finden Betriebe im ländlichen Raum immer seltener Auszubildende und damit auch keine künftigen Mitarbeiter mehr.“ Diesem Trend müsse begegnet werden.

Von Simone Prenzel

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