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Beste Wünsche zum 100.

Beste Wünsche zum 100.

Gottes Segen von Pfarrer Christoph Krebs und beste Wünsche von der Stadt, von Bürgermeister Ditmar Haym, Verwandten, Nachbarn und Bekannten. Ilse Jonas musste gestern ungewöhnlich viele Hände schütteln.

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Aus gegebenem Anlass nahm Ilse Jonas (r.) gestern viele Glückwünsche entgegen. Die älteste Röthaerin wurde 100 Jahre alt.

Quelle: Jakob Richter

Rötha. Aus gutem Grund: Die Röthaerin wurde stolze 100 Jahre alt. "Das ist kein Zuckerlecken", sagte die rüstige Jubilarin hinsichtlich ihres hohen Alters. "Jeden Tag ist etwas anderes."

Koketterie mit dem Alter hört offenbar nie auf. Dabei hat die älteste Bürgerin von Rötha wahrlich Glück. "Sie war nie ernsthaft krank", sagt ihr "Lieblingsenkel" Jens Sporbert (51). Noch immer lebt die Witwe - ihr Mann starb bereits ein Jahr vor der goldenen Hochzeit - allein in ihrer Wohnung. 28 Jahre ist das her. "Manchmal habe ich es satt", sagt die gebürtige Brandiserin.

Gleich im nächsten Atemzug riskiert sie wieder eine flotte Lippe und lässt keinen Zweifel daran, dass sie gern auf dieser Welt ist. "Ich bin froh, dass ich noch einiges machen kann", erzählt die zierliche Frau, die irgendwann jenseits der 90 beschloss, nicht mehr raus zu gehen. Einen Rollator wollte sie nicht haben.

Hilfe im Haushalt bekommt die Seniorin unter anderem von ihrer Pflegetochter Doris Sporbert (70). Selbst kinderlos geblieben, hatte sie das Mädchen 1947 im Alter von fünf Jahren aufgenommen und lieben gelernt. "Drei liebe Enkelkinder, acht Urenkel und ein Ururenkel gehören zur Familie, die am Sonnabend den 100. Geburtstag in einer Gaststätte feiern wird.

Vor der Lehre war die junge Frau ein Jahr bei den von Friesens im Schloss zu Rötha. "Ich habe der Mamsell in der Küche beigestanden", erinnert sie sich an "eine schöne Zeit." Die Einrichtung sei herrlich gewesen. Wenn die Herrschaften zum Diner eingeladen hatten, "gab es viel zu tun".

Später erlernte die Röthaerin in Leipzig den Beruf einer Pelznäherin. Das sei ihr Wunsch gewesen - in Rötha, einer Stadt mit großer Kürschner-Tradition, habe sich damals alles um Pelze gedreht. "Wir haben Handschuhe für die Soldaten genäht", erzählt sie. Und nennt die Firmen Esche und Albrecht sowie Lindner, wo sie in der Zurichterei arbeitete.

Auch ihr Mann war Zurichter, später arbeitete er als Stromableser und ging von Haus zu Haus. "Wir haben uns beim Tanzen kennengelernt", erzählt Ilse Jonas. 1936 wurde geheiratet.

"Tanzen war mein Alles", erinnert sie sich. Sie war auch im Turnverein und habe Handball gespielt. Eine andere Leidenschaft ist ebenfalls unvergessen: das Reisen. Die Familie war jedes Jahr in der Sächsischen Schweiz. "Für drei Ostmark pro Bett" hatte man ein Privatquartier in Krippen gefunden, das als Ausgangspunkt schöner Wanderungen diente. "Ich weiß noch alles von früher. Nur jetzt vergesse ich viel", sagt die Jubilarin und räumt unumwunden ein, dass das Gedächtnis nachlässt. Langeweile kennt sie nicht. "Ich habe immer zu tun", betont die Röthaerin. Sie liest noch Zeitung, schaut Fernsehen und schwört auf ihre Mittagsruhe.

Bei Sekt wurde gestern Vormittag in die nähere Zukunft geschaut. "Mit 100 Jahren habe ich keine Wünsche mehr." Oder doch: Ururenkelin Zoey komme nächstes Jahr in die Schule. Das würde sie schon gern erleben, berichtete die alte Dame. Bürgermeister Haym - über seine Frau Silvia mit der Jubilarin verwandt - sorgte dafür, dass der gestrige Tag nachhaltig festgehalten wurde. Die älteste Röthaerin durfte sich ins Gästebuch der Stadt eintragen. Das alte Buch, das beim Heimatverein gefunden wurde, ziert auch Unterschriften von Pieck und Honecker.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2013

Grätz, Saskia

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