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Besucher im Volkskundemuseum Wyhra erleben Hofleben wie vor 100 Jahren

Oma-Opa-Tag Besucher im Volkskundemuseum Wyhra erleben Hofleben wie vor 100 Jahren

Wie sich das Leben auf dem Lande um 1900 anfühlte, das können Kinder, Eltern und Großeltern im Volkskundemuseum Wyhra erleben. Bereits zum achten Mal lädt das Team um Museumschef Hans-Jürgen Ketzer am Mittwoch, 13. Juli, von 9 bis 17 Uhr, zum „Oma-Opa-Tag“ ein.

Wäschetag nur mit Muskelkraft: Im Volkskundemuseum Wyhra erleben Kinder, was für eine Strapaze die große Wäsche früher wa

Quelle: Julia Tonne

Borna/Wyhra. Das Wasser plätschert im Holzzuber. Obenauf liegt ein Waschbrett. Auf dem geriffelten Blech wird ein Hemd ausgebreitet. Dann kommen Kernseife und eine Bürste zum Einsatz. Doch nicht nur beim Säubern der Wäsche haben die Waschweiber vor hundert und mehr Jahren den Buckel krumm gemacht. Auch das Spülen von Zuber zu Zuber – das Wasser wurde für viele Kleidungsstücke genutzt – verlangte den Frauen Ausdauer ab.

Wie sich das Leben auf dem Lande um 1900 anfühlte, das können Kinder, Eltern und Großeltern im Volkskundemuseum Wyhra erleben. Bereits zum achten Mal lädt das Team um Museumschef Hans-Jürgen Ketzer am Mittwoch, 13. Juli, von 9 bis 17 Uhr, zum „Oma-Opa-Tag“ ein. „Damit haben wir ein Angebot geschaffen, bei dem Kinder gemeinsam mit Eltern und Großeltern einen ganzen Tag gestalten können“, sagte Ketzer. An verschiedenen Stationen könne der Nachwuchs an der Seite der erwachsenen Begleiter das Leben ihrer Altersgenossen von einst nachempfinden. Aber das sei nur eine Seite der Medaille. „Es geht um Generationen übergreifende Erlebnisse“, so Ketzer weiter. So würden Eltern und Großeltern mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten gebraucht, um den Jüngsten bei der Arbeit auf dem Hof, im Haus und im Obstgarten zur Hand zu gehen.

Für den abwechslungsreichen Alltag hat das Museumsteam gut vorgearbeitet. Auf der Wiese hinterm Bauernhof werden gefüllte Waschwannen mit Waschbrett, Wurzelbürste und Kernseife auf den Einsatz warten. In der Küche können die Kinder kosten, was auf den Tisch kam, als es statt Nutella noch Rübensirup oder Pflaumenmus gab und Malzkaffee dazu getrunken wurde. Im Bauernbackofen soll derweil leckerer Kartoffelkuchen braun werden. Auf dem holprigen Pflaster des Bauernhofs sind die Kinder herausgefordert, in Holzpantinen mit ihren Eltern oder Großeltern Schritt zu halten.

Gleich mehrere Stationen wenden sich verschiedenen Kinderspielen von einst zu. Vom Kreiselspiel über den Hula-Hoop-Reifen, das Seifenblasenmachen mit dem Strohhalm, das Büchsenwerfen und Murmeln bis zum Sackhüpfen und Eierlaufen reicht die Palette. Ausprobieren können sich die Kinder auch am Übungseuter, gehörte doch das Melken der Ziegen durchaus zu den Aufgaben, die ihren Altersgenossen früher übertragen wurden.

Der Oma-Opa-Tag wird in diesem Jahr durch die Esel vom Eselhof Carsdorf bereichert. Zwischen 10 und 12 Uhr stehen sie für kleine Ausritte zur Verfügung. Erstmals wird auch die Wäschemangel des Ortes geöffnet. Ab 14 Uhr ächzen die Rollen mit der Wäsche unter den mächtigen Gewichten. In ein altes Handwerk wird Spinnradfrau Gudrun Ebert aus Leipzig die Kinder einweihen. Die Frau ist nicht nur berühmt dafür, einen eigenen Faden zu spinnen. Sie hat auch eine Menge Geschichten zu erzählen.

Parallel zum Oma-Opa-Tag gewährt eine Sonderausstellung Einblicke in das Leben der Kinder auf den Dörfern Nordsachsens vor mehr als 100 Jahren. Wie Ketzer erklärte, gilt es der Wahrheit über die dörfliche Kindheit um 1900 so nah wie möglich zu kommen. Die Schau spannt den Bogen zwischen verklärenden Lebenserinnerungen und aufrüttelnden Berichten über tragische Ereignisse. Original erhaltene Patenbriefe aus der einstigen Sammlung der Burg Gnandstein sind berührende Dokumente mit Wünschen auf dem Weg ins Leben. Ergänzt wird die Schau durch Hintergrundinformationen zur Geburt, zur Taufe, zur Kleidung der Kinder, zu ihrem Spielzeug, zur Schulbildung sowie zum Übergang ins Berufsleben.

Mit der Ausstellung „Wege ins Leben“, die noch bis Mitte Oktober zu sehen ist, beginnt das Volkskundemuseum Wyhra eine Reihe von Sonderschauen, die sich einer Zeit zuwendet, in der sich das gesellschaftliche Leben in der Dörfern Nordwestsachsens grundlegend wandelte. Sie steht unter dem Motto „Als die Kohle kam“.

Der Besuch des Volkskundemuseums ist derzeit mit leichten Hindernissen verbunden. Museumsdirektor Ketzer machte darauf aufmerksam, dass ab dem heutigen Montag Straßenbauarbeiten in Wyhra den Verkehr behindern. Trotz der Vollsperrung der Thränaer Straße vom 11. bis 23. Juli sei die Einrichtung durchgehend erreichbar. Er empfiehlt die Anfahrt über die B 93, Abfahrt Thräna, oder über Zedtlitz und den Zwölfbogenweg. In der Ortslage Wyhra würden die Besucher über die Eschefelder Straße direkt bis zum Museum gelangen. Die Zufahrtsstrecken seien detailliert ausgeschildert. Dies gelte auch für den Oma-Opa-Tag am Mittwoch. Für Autofahrer sei zu beachten, dass Wyhra von Neukirchen aus nur bis zum Parkplatz am ehemaligen Wyhrataler Gemeindeamt (frühere Wassermühle) angefahren werden könne. Von dort aus sei das Volkskundemuseum in circa fünf Minuten fußläufig erreichbar.

Von Birgit Schöppenthau

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