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Borna Betreuungsverein kümmert sich um immer mehr Drogenabhängige
Region Borna Betreuungsverein kümmert sich um immer mehr Drogenabhängige
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17:14 21.02.2018
Drogen spielen eine immer größere Rolle in der Arbeit des Betreuungsvereins Borna/Geithain. Quelle: André Kempner
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Borna

Als Thomas Freitag vor sieben Jahren seine Arbeit beim Betreuungsverein Borna/Geithain begann, hatten er und seine Kollegen noch nicht mit Drogenabhängigen zu tun. „Das hat sich geändert“, sagt Freitag, der mittlerweile Geschäftsführer des Vereins ist, der im Auftrag der Kreisverwaltung Personen mit psychischen Erkrankungen sowie geistigen, seelischen und körperlichen Behinderungen betreut.

Betreuungsvereins-Geschäftsführer Thomas Freitag. Quelle: Andreas Döring

Ein Job, der bisweilen die Schnelligkeit von Feuerwehrleuten erfordert. Nicht nur, weil unter den etwa 380 Betreuten auch 30 Leute mit Drogenproblemen sind, was für den Normalbürger mit Blick auf die Verhältnisse in Borna, Böhlen oder Geithain nur bedingt vorstellbar scheint. Es ist aber längst Realität, wie Vereins-Geschäftsführer Freitag klarmacht.

Bisweilen „hausen“ die Drogenabhängigen in normalen Gegenden wie dem Bornaer Hochhausviertel, wo sie dann durch ihr Verhalten auffallen. Allerdings machen Leute mit Suchtproblemen, wozu auch Alkoholiker gehören, keineswegs den Löwenanteil der Personen aus, die in der Obhut der insgesamt sieben professionellen Betreuer des Vereins sind.

Ein Drittel der Betreuten leidet an Demenz

Etwa ein Drittel der Betreuten sind Personen, die an Demenz erkrankt sind. „Und das sind keineswegs nur ältere Menschen“, macht Freitag deutlich. Voraussetzung, als Klient Hilfe vom Betreuungsverein zu bekommen, sei allerdings der Beschluss eines Gerichts, der etwa dann erfolgt, wenn Ärzte im Krankenhaus feststellen, dass der Patient nicht in der Lage ist, sich ausreichend über eine bevorstehende Operation aufklären zu lassen.

Das wäre ein Fall für einen professionellen Betreuer, wie es die Mitarbeiter des Vereins sind. „Es gibt aber auch freiberufliche Betreuer“, so Freitag weiter. In Fällen, in denen es um die sachgemäße Übernahme des Sparbuchs einer älteren Frau im Pflegeheim geht, kommen hingegen in der Regel ehrenamtliche Betreuer, oftmals Angehörige, zum Einsatz.

Während viele der Betreuten keiner Arbeit nachgehen können, gibt es auch andere Fälle. Leute, die trotz einer einträglichen Beschäftigten auf die Unterstützung in vielen praktischen Lebensfragen angewiesen sind. Andererseits leiden viele Menschen, die von den Mitarbeitern in der Vereinsgeschäftsstelle in der Leipziger Straße betreut werden, an Störungen. Etwa an Wahnvorstellungen, wenn sie beispielsweise Stimmen hören oder sich bedroht fühlen.

„Müssen immer wieder Feuerwehr spielen“

Das führt zu schwierigen Momenten, wie Freitag sagt. So kann es passieren, dass jemand in seiner Wohnung sämtliche Scheiben einschlägt. Dann sind Freitag und seine Kollegen gefragt. Und selbstredend ist es keineswegs vergnügungssteuerpflichtig, in diesen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Der Vereins-Geschäftsführer: „Wir müssen immer wieder Feuerwehr spielen.“ Es handelt sich um Situationen, mit denen auch erfahrene Betreuer zu kämpfen haben. Freitag: „Wir leben immer auch das Leben der Anderen mit“, seelische Belastungen inclusive.

Es gibt aber auch Erfolgserlebnisse. Die sind zwar nicht allzu häufig, aber es kommt vor, dass jemand, der lange Zeit betreut werden musste, irgendwann wieder lebensfähig ist – selbstständig und allein.

Von Nikos Natsidis

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