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Bevölkerungsschwund und Widerstände

Bevölkerungsschwund und Widerstände

Groitzsch/Regis-Breitingen. Die Bevölkerungszahl Ostdeutschlands schrumpft gewaltig, doch gibt es Unterschiede zwischen den Kommunen. Das zeigt sich auch in der hiesigen Region.

Verloren Pegau, Regis-Breitingen und Deutzen in den vergangenen 30 Jahren bis zu einem Drittel ihrer Einwohner, ist der Rückgang in Groitzsch geringer. Elstertrebnitz bildet die große Ausnahme: In dem Dorf leben mehr Leute als zur Wende.

„Wir hatten das Glück, dass im Wohngebiet Am Wasserturm, das wir gemeinsam mit Pegau bauen, auf Elstertrebnitzer Flur gleich in den 90er Jahren viele Eigenheime entstanden", sagt Klaus Sommer, Bürgermeister in Elstertrebnitz. Auch innerorts seien allerhand neue Einfamilienhäuser gebaut worden. Die Folge: In den ersten zehn Jahren nach der Wende vergrößerte sich die Dorfbevölkerung um mehr als 300 Menschen. In den 90er Jahren zogen vor allem Leipziger nach Elstertrebnitz. Dieser Trend hielt nach 2000 jedoch nicht an. Zwischen 2005 und 2010 vermerkt die Statistik sogar einen Rückgang von 1522 auf 1387 Bewohner. Dennoch ist der Gemeindechef optimistisch: „Wir haben nach wie vor Bauanfragen."

Die Stadt Groitzsch verlor in den 1980er Jahren fast 1000 Einwohner. Der Bevölkerungsrückgang nach der Wende von 8852 auf heute 8063 hält sich - im Vergleich mit anderen Kommunen - in Grenzen. Die Entwicklung der Stadt als Wohn-, Dienstleistungs- und Schulstandort sieht Bürgermeister Maik Kunze als Grund dafür. Die Kommune hat in den vergangenen 20 Jahren viel investiert. Ohne die drei Schulen, den neuen Sportkomplex, Kino und Azur sehe die Entwicklung sicher anders aus. „Aus den Möglichkeiten, die wir hatten, haben wir das Optimale rausgeholt", meint der Stadtchef. Was nicht heißen soll, dass es nicht noch besser sein kann. Ein Problem sei zum Beispiel die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Kunze sieht den Wegfall der Bahnlinie nach wie vor kritisch, für Pendler sei das ein Nachteil. Auch die späte Entwicklung der Seenlandschaft im Groitzscher Raum komme erst der nächsten Generation zugute.

Der Bevölkerungsschwund in Regis-Breitingen ist immer wieder ein Thema in der Pleißestadt - und auch momentan aktuell. Dass Regis-Breitingen seit Jahren unter der magischen Grenze von 5000 Einwohnern liegt, wirkt sich auf perspektivische Entscheidungen aus. Wie in der Debatte um die Bildung einer Großgemeinde mit Neukieritzsch. Nach der Ankündigung der sächsischen Landesregierung, dass zur nächsten Strukturreform kleine Kommunen eingegliedert werden, wird im Regiser Rathaus daran gefeilt, wie man die kommunale Selbstverwaltung in der Freiwilligkeitsphase am günstigsten für die Stadt gestaltet. Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Köpping hatte an die Stadt die Botschaft ausgesandt, dass nicht mehr viel Zeit bliebe und die Strategie des Freistaates die sei, das Mittelzentrum Borna mit Eingemeindungen zu stärken. Regis-Breitingen hatte in seinem Städtischen Entwicklungskonzept darauf Wert gelegt, als attraktive Wohnstadt im ländlichen Raum dem Abwanderungstrend entgegenzuwirken.

Der Bevölkerungsschwund wird sich fortsetzen. Heute leben in Sachsen knapp 4,2 Millionen Menschen. Das Statistische Landesamt geht in einer Prognose davon aus, dass es 2020 nur noch 3,9 Millionen sein werden. Und das mit einer anderen Altersstruktur: Die Zahl der Menschen zwischen 15 und 25 Jahren wird sich in den nächsten 15 Jahren halbieren, die Zahl der Älteren immens steigen, meinen Demografie-Forscher.

Claudia Carell-Domröse/Thomas Lieb

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