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Borna Biber auf dem Vormarsch: 90 Reviere an der Mulde und in ihren Nebengewässern
Region Borna Biber auf dem Vormarsch: 90 Reviere an der Mulde und in ihren Nebengewässern
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00:21 21.10.2017
Quelle: Andreas Dšring
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Landkreis Leipzig

Genau 50 Jahre ist es her, dass im heutigen Landkreis Leipzig wieder die ersten Aktivitätshinweise des Elbebibers festgestellt werden konnten. Herbert Lindner aus Borsdorf fand damals erstmalig wieder frische Fraßspuren an der Vereinigten Mulde unterhalb von Kollau. Bezeichnender Weise am sogenannten Bobritzer Damm (Bobr = Biber – slawisch), was die Anwesenheit des größten heimischen Nagetiers und des zweitgrößten weltweit bereits in historischer Zeit belegt.

Inzwischen ist der Elbebiber nicht nur in der Mulde, sondern auch wieder in ihren Nebengewässern, zum Beispiel in Lossabach, Launzige, Mutzschener Wasser, Schaddelgraben ecetera anzutreffen.

Ursprünglich fanden die Tiere auch in der Weißen Elster, Pleiße oder Parthe ein Zuhause. Die gnadenlose Verfolgung brachte den Elbebiber jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung und er verschwand aus vielen Flusssystemen. Nur an der Elbe bei Dessau hielt sich eine Restpopulation. Von hier breiteten sich die Biber Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem auch wieder in die Mulde aus.

Seit man 2013 überraschend erste Biberspuren im Stadtgebiet von Leipzig entdeckte, beobachten Biberfreunde gespannt, ob und wie die Ausbreitung möglicherweise in südliche Richtung voranschreitet, heißt es aus der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Inzwischen gebe es Hinweise darauf, dass die Biber bereits an mehreren Stellen des Gewässersystems von Pleiße, Weißer Elster und Floßgraben in Leipzig sesshaft geworden sind. „Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann sie die südliche Stadtgrenze überschreiten und das Neuseenland im Landkreis Leipzig erobern“, so die Behörde.

Doch die Anwesenheit der Biber berge auch Konfliktpotenzial. Nicht jeder Landnutzer und Anrainer verfolgt das Auftreten von Meister Bockert mit Wohlwollen. Vernässte Ackerflächen, unterhöhlte Straßenböschungen oder gefällte Bäume können Folgeerscheinungen seiner aktiven Lebensraumgestaltung sein. Auch aus diesem Grund wird in jedem Jahr der Biberbestand durch Ehrenamtliche Naturschutzhelfer im Rahmen der AG Biberschutz erfasst und dokumentiert. Die Biberbetreuer stehen dabei auch als Ansprechpartner vor Ort betroffenen Landnutzern und Anwohnern zur Verfügung und können hierbei oftmals sich erst anbahnende Konflikte lösen beziehungsweise. beratend zur Seite stehen. Inzwischen gebe es Vielzahl von Möglichkeiten, Wasserstände in Gewässern auf ein für beide Seiten erträgliches Maß abzusenken. Auf keinen Fall darf jedoch zur Selbsthilfe gegriffen werden, warnt die Naturschutzbehörde. „Nicht nur die Tiere an sich, sondern auch ihre Bauwerke, also die Burgen und Dämme, sind nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt.“ Bei Eingriffen in ein Biberrevier sei daher zwingend das Einvernehmen des Amtes einzuholen.

Da auch die Biberbetreuer nicht in der Lage sind, jedes der rund 90 Biberreviere entlang von 150 Kilometer Fließgewässern und rund 50 stehenden Gewässer zu kontrollieren, bittet die Behörde um Mithilfe. Vor allem neu etablierte Biberansiedlungen – nicht nur entlang von Weißer Elster, Pleiße oder Parthe - seien dabei von besonderem Interesse.

Aktivitäten von Bibern (Fraßspuren, Dämme, Burgen, Fährten etc.) können telefonisch unter 03437 9841977 oder per Mail an sven.moehring@lk-l.de gemeldet werden.

Von Simone Prenzel

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