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Borna Bild des Vaters zeigt Ramsdorfer Fabrik
Region Borna Bild des Vaters zeigt Ramsdorfer Fabrik
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12:12 12.09.2018
Diese Zeichnung der Brikettfabrik Ramsdorf ist das einzige Bild ihres Vaters Kurt Engert, das Anita Saupe noch besitzt. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Kitzscher/Trages

Das Bild wirkt unspektakulär, ist nicht gerahmt. Sichtbar ist deshalb, dass die Hartpappe, auf die es gemalt ist, nicht exakt beschnitten wurde. Anita Saupe, seit mehr als einem halben Jahrhundert in Trages zu Hause, fand es kürzlich beim Aufräumen. Das Bild erzählt ein Stück Familien- und ein Stück Industriegeschichte, denn es zeigt die alte Brikettfabrik von Ramsdorf, wie sie Saupes Vater Kurt Engert in den Fünfzigerjahren sah.

Diese Zeichnung der Brikettfabrik Ramsdorf ist das einzige Bild ihres Vaters Kurt Engert, das Anita Saupe noch besitzt. Quelle: Ekkehard Schulreich

„Das Bild hing jahrelang im Speiseraum in der Kantine. Deshalb hat es so gelitten“, sagt die 76-Jährige, die in Ramsdorf aufwuchs, nahe der Gleise, auf denen die Kohle in Richtung Regis-Breitingen abgefahren wurde. Engert (1901 bis 1965) schuftete im Tagebau Schleenhain in der Gleisbau-Kolonne. Und er malte „in jeder freien Minute, alles was ihm in den Blick kam, manches so präzise wie eine Fotografie“.

Braunkohlenwerk hat Ramsdorf geprägt

Die rasante Entwicklung Ramsdorfs Anfang des 20. Jahrhunderts vom Bauerndorf zu einem von Industrie- und Kohlearbeitern geprägten Ort war eng verbunden mit dem 1898 gegründeten Braunkohlenwerk. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich binnen weniger Jahre. Kohle wurde in Ramsdorf zuerst im Tiefbau gefördert, später im Tagebau Haselbach, heute ein malerisches Restloch und Naherholungsgebiet an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Thüringen.

Umzug nach Trages

Weder Kurt Engert noch Anita Saupe erlebten diesen Wandel aus der Unmittelbarkeit. Die Tochter hatte ihr Heimatdorf schon Ende der Fünfzigerjahre verlassen, war ihrem 2016 gestorbenen Mann Manfred schließlich nach Trages gefolgt, wo beide in der Landwirtschaft arbeiteten. Eine Anzahl Bilder aus der Hand des Vaters zogen mit um in den Bauernhof, doch es habe irgendwie die Wertschätzung gefehlt, bedauert Anita Saupe heute: „Irgendwann habe ich alles weggeschmissen. Heute ärgere ich mich, aber wenn man jung ist, denkt man anders.“

Letztes Bild ist wertvolle Erinnerung

Umso wertvoller ist ihr dieses Bild der um 1966 geschlossenen Ramsdorfer Fabrik trotz oder gerade wegen der deutlichen Spuren, die der Lauf der Zeiten an ihm hinterließ. Mindestens so wertvoll wie das verblichene Familienfoto auf der Kredenz, das sie als kleines Schulmädchen gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Mutter zeigt.

Von Ekkehard Schulreich

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