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Borna Bittere Wahrheit in Kohren-Sahlis: Tage der Eigenständigkeit sind gezählt
Region Borna Bittere Wahrheit in Kohren-Sahlis: Tage der Eigenständigkeit sind gezählt
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13:58 19.05.2015
Birgit Kretzschmar, die Leiterin der Bibliothek von Kohren-Sahlis. Viele Bürger setzen sich für den Erhalt der Einrichtung ein. Quelle: LVZ-Archiv

Die Stadt ist finanziell hart angeschlagen. Steuern maximal erhöhen, Beiträge für die Kinderbetreuung heraufsetzen, alles streichen, wozu eine Kommune nicht verpflichtet ist, was aber Lebensqualität ausmacht - zu dieser Alternative steht Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) nicht zur Verfügung, wohl aber für einen geordneten Gang gen Frohburg. Die LVZ sprach mit ihm über die vertrackte Situation.

Der Doppelhaushalt, im Dezember beschlossen, war ein Kraftakt. Er war nicht das Programm der Grausamkeiten. Doch er verzeichnet ein sechsstelliges Minus. Was sagt das Kommunalamt als Genehmigungsbehörde dazu?

Sie akzeptiert ihn nicht. Bis Ende März sollen wir nachbessern. Unser Ausschuss, der sich seit Monaten und Jahren schon mit der Sicherung unserer Finanzen befasst, kommt am nächsten Dienstag erneut zusammen. Ich habe Klaus-Thomas Kirstenpfad, den Chef des Kommunalamtes, dazu eingeladen.

Und dann?

Er wird uns die Auflagen nennen und mit uns diskutieren, unter denen der Haushalt genehmigungsfähig wäre.

Die Stadtbibliothek wird geschlossen?

In unserem Konzept steht eine Reduzierung der Öffnungszeit, auch für die Museen. Das wollen wir in den nächsten Monaten umsetzen.

Illusionen?

Keine. Ich bereite für die Stadtratssitzung am 27. Januar einen Grundsatzbeschluss vor - für eine Eingliederung Kohrens nach Frohburg. Dies müssen nun die Stadträte entscheiden.

Die Eigenständigkeit ist damit nach Jahrhunderten abgehakt?

So bitter es ist. Aber was wäre die Alternative mit einem jahrzehntelangen Schuldenstand von drei Millionen, steigenden Kosten, weniger Bürger, weniger Einnahmen? Wir müssten ans Limit gehen, die Steuern drastisch raufsetzen, die Elternbeiträge für die Kindereinrichtungen erhöhen, die Bücherei schließen und unsere Museen, das Straßenlicht ausknipsen. Das wäre nicht sinnvoll. Es wäre untragbar. In so einer Kommune will keiner leben und schon gar nicht mitgestalten.

Dass die sächsische Politik kleine Landgemeinden wie Kohren-Sahlis aushungert, diesen Vorwurf erheben sie seit mehreren Jahren...

Doch das will keiner wirklich hören. Blicken wir doch auf die Tatsachen: Unsere Kernstadt hat knapp 1000 Einwohner, die anderen 1700 verteilen sich auf 13 Ortsteile. Wir haben Schule mit Hort und Ganztagsangebot, Kindereinrichtung, drei Museen, drei Feuerwehren, Bibliothek, 40 Quadratkilometer Fläche, 55 Kilometer Straßen; mehrere Naturschutzgebiete und der Denkmalschutz schnüren uns ein. Große Gewerbegebiete sind undenkbar.

Dabei ist das Gewerbesteuer-Aufkommen eine Kennziffer, um Zuweisungen vom Land zu erhalten?

Gewerbesteuern sind die unsicherste Einnahme, weil Schwankungen unterworfen. Das im Finanzausgleichsgesetz gegenzurechnen, ist nicht fair. Wir bemühen uns seit 2009, strikt zu sparen. Das Hochwasser 2013 mit einem Schadensvolumen von 1,5 Millionen Euro hat uns finanziell im Vorfeld in die Knie gezwungen. Auch wenn wir eine hundertprozentige Förderung bekommen, gehen wir in Vorleistung und werden die vorfinanzierten Gelder zum Teil erst 2017 wieder im Stadtsäckel haben.

Frohburg, das heißt Flucht nach vorn?

Uns verbinden seit Jahren gute Kontakte und gut funktionierende Zweckvereinbarungen. Noch können wir uns auf Augenhöhe begegnen. Einen anderen Weg sehe ich nicht. Die beiden Stadträte sind neu gewählt, die müssen entscheiden.

Von welchem Zeitraum sprechen wir?

Zum 1. Januar 2016, eher auf keine Fall machbar. Schnellschüsse sind nicht gut. Wir wollen die Menschen mitnehmen.

Haben Sie sich die Bilanz nach sieben Jahren als Bürgermeister so vorgestellt?

In den ersten Jahren, da haben wir wirklich viel geschaffen, und zwar gemeinsam: die Schule saniert, die Kindereinrichtung, haben Fördermöglichkeiten ausgeschöpft. Aber seit zwei, drei Jahren geht es nicht mehr nach vorn. An uns liegt das nicht in erster Linie, nicht an den vielen, die all die Jahre mitgezogen haben: in der Feuerwehr, in den Vereinen, in der Verwaltung, in der Bürgerschaft.

Treten Sie zur Bürgermeister-Wahl im Juni noch einmal an?

Ich will mich nicht drücken. Ich will die Sache zu einem guten Ende für uns bringen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.01.2015
Ekkehard Schulreich

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