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Blaualgen im Speicherbecken Witznitz

Blaualgen im Speicherbecken Witznitz

Axel Bobbe, Röthaer Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung, wundert sich, dass noch keine Beschwerden über die Farbe des Wassers eingegangen sind. „Der Algenbefall geht zwar tief ins Gewässer hinein, ist aber an der Oberfläche sichtbar", sagt er.

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Es ist nicht zu übersehen: Im Speicherbecken Witznitz ist das Wasser wegen der Blaualgen grün.

Quelle: Jens Paul Taubert

In der oberen Schicht, an die das Sonnenlicht gelangt, entwickeln sich die Algen, die genau genommen gar keine sind, sondern eine Bakterienart. In der Umgangssprache sind die Cyanobakterien, von denen einige Arten Giftstoffe produzieren können, aber unter dem Namen „Blaualgen" bekannt. Die extremen Temperaturen im August haben dazu beigetragen, dass das Wasser des Witznitzer Speicherbeckens nun in einem blaustichigen Grün leuchtet. „Im Vergleich zum letzten Jahr ist es nicht so heftig, aber doch bemerkenswert", schätzt Bobbe die Situation ein. „In den letzten 20 Jahren gab es aller drei bis fünf Jahre mal so eine Entwicklung, aber nicht so ausgeprägt wie jetzt." Inzwischen habe die Konzentration in Witznitz ein Maß erreicht, in dem es bei Hautkontakt zu ernstzunehmenden Hautverletzungen kommen kann.

„Besonders die Stoffwechselprodukte der lebenden Bakterien sind gefährlich. Wenn die Haut mit denen in Berührung kommt, kann das die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen", warnt Bobbe. Offene Wunden und empfindliche Haut reagierten besonders stark mit Entzündungen, Ausschlägen oder allergischen Reaktionen. Darum stelle seine Behörde Hinweisschilder rund um das betroffene Gebiet auf und gebe Warnungen an die umliegenden Wassersportvereine aus.

Auch der Kanu-Touristik-Verein Borna hat eine entsprechende Mitteilung erhalten. „Wir kommen nur kurzzeitig in Berührung mit dem Wasser. Wir müssen uns mit Trinkwasser behelfen und damit die Füße abwaschen, aber sonst haben wir damit keine Probleme", schätzt Vorstand Wolfgang Hofmann die Lage ein.

Die Netzkäfige von Fischer Jürgen Etzold befinden sich ziemlich tief im Witznitzer Speicherbecken. Ihm ist der Sachverhalt schon länger bekannt. „Auch ich habe das Rundschreiben bekommen. Letztes Jahr war es noch schlimmer. Das zog sich über einen viel längeren Zeitraum und war wesentlich ausgeprägter", berichtet er. Auf seine Fischzucht wirke sich die Blaualgenkonzentration nicht aus. „Wir haben gerade Setzlinge in der Anlage, da gibt es keine Probleme. Nur wenn die Blaualgen dann absterben, müssen wir die Fische umsetzen." Abgestorbene Blaualgen verbrauchen den gelösten Sauerstoff im Wasser, der den Fischen dann fehle. Aufgrund seiner Tiefe biete der Witznitzer See genügend Ausweichmöglichkeiten für die Fische, weshalb kein Fischsterben zu befürchten sei, stellt Bobbe klar.

Warum gerade Witznitz ein derart starkes Blaualgenwachstum aufweist, wird noch erforscht. Ein Gutachten wurde bereits in Auftrag gegeben, das Seewasser werde wöchentlich untersucht. Mehr könne derzeit niemand tun, erklärt Bobbe: „Es gibt keine ‚chemische Keule‘ gegen dieses Phänomen. Selbst wenn man eine Ursache eindämmt, stellt man das Algenwachstum damit nicht zwingend ein." Das grundlegende Problem bestehe darin, dass die Ursachen bekannt seien, sich aber nur vermuten lasse, was letztendlich zum enormen Wachstum geführt habe. Die Außentemperaturen spielten eine Rolle ebenso wie das Einzugsgebiet und die Anteile von Mulde- und Eulawasser, die in das Speicherbecken gelangen.

„Ein See hat ein langes Gedächtnis", umschreibt Bobbe den Kern des Problems. Es sei demnach nur auf längere Sicht eine Verbesserung der Wasserqualität in kleinen Schritten zu erzielen. Momentan könne die Landestalsperrenverwaltung nichts anderes tun als auf das Ergebnis des Gutachtens und eine Wetterveränderung zu warten, denn die Algen sterben bei niedrigen Temperaturen. So lange informieren die Hinweisschilder noch über die Gefahr im Witznitzer Speicherbecken.

Helena Henzel

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