Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Blumengruß zum Abschied: Wilbergs schließen Gärtnerei in Groitzsch

Nach mehr als 35 Betriebsjahren Blumengruß zum Abschied: Wilbergs schließen Gärtnerei in Groitzsch

Einen farbigen, blumigen Empfang gibt es bisher an der nördlichen Einfahrt der Bundesstraße 176 in Groitzsch. Doch am Montag zum Ladenschluss der Gärtnerei verabschiedet sich Chef Rainer Wilberg in den Ruhestand. Da es keinen Nachfolger gibt, schließt er sein Geschäft.

Die letzten Angebote vor dem Ruhestand. Eva-Maria (l.) und Rainer Wilberg geben ihre Groitzscher Gärtnerei auf. Tochter Janet Eckert zählte auch zum Verkaufsteam.

Quelle: Olaf Becher

Groitzsch. Einen farbigen Empfang gibt es seit Jahrzehnten für Verkehrsteilnehmer am nördlichen Eingang von Groitzsch. Vor allem seit der Eröffnung des Verkaufsgewächshauses 1991 an der Bundesstraße 176 ist die Gärtnerei Wilberg ein blumiges Aushängeschild der Schusterstadt. Am Montag zum Ladenschluss allerdings verabschiedet sich der Chef nach knapp 36 Jahren für immer von seiner Kundschaft. Rainer Wilberg geht in den Ruhestand. Da es keinen Nachfolger gibt, schließt er sein Geschäft. Gleichzeitig geht damit wohl eine Ära von mehr als 120 Jahren gärtnerischer Unternehmungen auf diesem Areal zu Ende.

Ab Dienstag ist Rainer Wilberg Rentner. „Ich freue mich drauf“, sagt der 63-Jährige. Endlich kann er sich intensiv seinen Hobbys zuwenden. Ist doch das Geschäft sieben Tage die Woche geöffnet gewesen. Und Urlaub haben sich er und Ehefrau Eva-Maria (62), die für Verkauf und Blumenarrangements verantwortlich zeichnet, in den letzten Jahren so gut wie nicht gegönnt. Zudem geht es jetzt wieder Richtung Herbst und Winter, auf die umsatzärmere, aber kostenintensivere Zeit zu. Und er spürt immer noch Nachwirkungen einer schweren Erkrankung von 2004. „Es ist die richtige Entscheidung“, sagt er, wie zur eigenen Bestätigung. Ob er sich vielleicht einmal zurücksehnt? Mag schon sein. Doch natürlich wolle er das Grundstück ringsum mit Rasen und Erholungsfläche herrichten, parkähnlich. „Da habe ich weiter gärtnerisch zu tun“, schmunzelt er.

Betriebsstart der Wilbergs in Groitzsch war am 1. Oktober 1981. „Wir kommen aus der Altmark, haben zuvor in der LPG Mahlwinkel hinter Magdeburg gearbeitet“, sagt der Gartenbauingenieur. „Auf unsere Anzeige in einer Gärtnerzeitung, dass wir einen Betrieb zur Übernahme suchen, erhielten wir drei Angebote. Nur bei dem aus Groitzsch war eine Wohnung dabei. Deshalb sind wir hier.“ Während er mit seinem Vater die Zimmer tapezierte und alles herrichtete, war seine Frau hochschwanger. Zehn Tage vor der Geschäftseröffnung brachte Eva-Maria einen Sohn zur Welt, zwei Mädchen waren schon da.

Bis zu fünf Mitarbeiter hatte das Unternehmen, wurden doch längere Zeit in vier Gewächshäusern mit insgesamt reichlich 500 Quadratmeter Fläche sowie auf einem eigenen und einem gepachteten Feld Blumenpflanzen und Gemüse angebaut. „Doch später war die Produktion nicht mehr wirtschaftlich, da haben wir von Betrieben aus der Region zugekauft“, erklärt Rainer Wilberg. In den letzten zehn Jahren gab es kaum Angestellte, Tochter Janet arbeitete im Verkauf mit.

Gern erinnern sich Wilbergs an große Aufträge der Mibrag, für die Eva-Maria unter anderem zur Gesellenbriefübergabe Sträuße sowie Gestecke für Tische und Rednerpult fertigte, und zuvor schon von der Schuhfabrik Bella. „Dort haben wir auch gepflanzt.“ Die Zusammenarbeit mit einem Messestandgestalter bei der Leipziger Messe habe ebenfalls viel Freude bereitet. „Und später natürlich die Tage der offenen Gärtnerei zu Beginn jeder Saison“, sagt die Ehefrau. „Das waren schöne Wochenenden. Was sind da für Kuchenbleche alle geworden...“

Künftig will sich Rainer Wilberg mehr der Ahnen- und Familienforschung widmen. „Ich habe meine Linie schon bis 1650 zurückverfolgt.“ Zudem will er an Orte der Vorfahren reisen – aber auch richtig Ur­laub machen mit seiner Frau, eine Donauschifffahrt steht an. „Und vielleicht fange ich wieder mit der Modelleisenbahn und der Geflügelzucht an.“ Eva-Maria Wilberg plant, die privaten Fotoalben aufzuarbeiten und weiter die Kinder und Enkel zu fotografieren.

Auf jeden Fall bleibt das Paar trotz der Liebe zur alten Heimat in Groitzsch. „Die Altmark ist schön, wir fahren gern hin. Aber wir kennen dort immer weniger Leute“, so der 63-Jährige. Die Region im Südraum sei zwar damals beim Ankommen eine der dreckigsten im Land gewesen. „Aber wie hat sie sich entwickelt. Jetzt kommen selbst Verwandte aus dem Harz gern hierher. Wir sind Groitzscher.“

Übrigens hat der scheidende Chef die Geschichte seiner Gärtnerei in drei Alben zusammengefasst. Dazu gehört auch, dass es zuvor hier einen Familienbetrieb in drei Generationen gab. Ernst Moritz hatte ihn 1904/1905 übernommen, dann folgten Sohn Otto Moritz und später dessen Schwiegersohn Aleander Klemm, von dem Wilberg kaufte. Und ein Adressbuch von 1896 zeigt sogar, dass damals schon eine Kunst- und Handelsgärtnerei G. A. Mosen bestanden hatte.

Von Olaf Krenz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

10.10.2017 - 21:36 Uhr

In der Messestadt Leipzig schrieben und schreiben Fußballderbys Geschichte. Das mit der Lokomotive und Chemie ist das bekannteste.

mehr
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr