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Blumiger Willkommensgruß für Pödelwitzer Umsiedler in Groitzsch

Blumiger Willkommensgruß für Pödelwitzer Umsiedler in Groitzsch

Groitzsch. Das Grundstück ist abgesteckt. Die Pfähle des Bauschildes sind eingepflockt. Vor dem geistigen Auge von Bernd Moritz entsteht ein blühender Garten mit einer kleinen Laube in der Nähe des Nussbaumes.

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Blumenkind Toni von der Kindertagesstätte "Spatzennest" in Groitzsch überreicht eine pflanzbare Blumen an die Pödelwitzerin Ina Zahn.

Quelle: Jens Paul Taubert

der Nähe des Nussbaumes. "Wir haben lange überlegt", sagte der 72-Jährige, als er gestern erstmals mit seiner Frau Christina auf seiner künftigen Scholle in Groitzsch stand. Mit zwölf Familien siedeln die beiden Pödelwitzer in das neu erschlossene Wohngebiet am Schiefen Weg um. Von freundlichen Worten begleitet übernahmen sie gestern die Bauplätze im Pödelwitzer Bogen, wie der Groitzscher Stadtrat das neue Wohngebiet taufte.

Moritz verlässt einen Dreiseit-Hof, der über mehrere Generationen in Familienbesitz war. Die landwirtschaftlichen Flächen hatte er eigenen Angaben zufolge längst an die Braunkohle verloren. "Den Hof allein von der Rente zu erhalten, fiel zusehends schwerer", sagte er betrübt. Aber jetzt sei die Entscheidung gefallen, wolle die Familie nach vorn schauen. Ein Haus im Bungalowstil soll es werden, ohne Treppen, altersgerecht. "Jetzt könnte es eigentlich losgehen", stellte Christina Moritz fest.

Seit mehr als fünf Jahren verhandelt die Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft Mibrag nun schon mit den einst 130 Einwohnern von Pödelwitz. Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain, der das Kraftwerk Lippendorf mit Kohle versorgt, ist in dieser Zeit bedrohlich nah an den kleinen Ort herangerückt. Das Dorf gilt als Rohstoffvorbehaltsgebiet. Bis 2018 soll es unbewohnt sein. Lärm und Staubemissionen durch den Abbau von Abraum haben bereits zahlreiche Einwohner zum Weggang veranlasst. Wie Sylke Saupe, Leiterin des Fachgebietes Liegenschaften/Umsiedlung bei der Mibrag bestätigte, nutzten ein Drittel der ehemaligen Pödelwitzer das Angebot zur Entschädigung und suchten sich selbstständig eine neue Heimat. Der Pödelwitzer Bogen sei das Angebot des Unternehmens und der Stadt Groitzsch zur gemeinschaftlichen Umsiedlung. Auf einer Fläche von knapp vier Hektar stehen Bauplätze für 23 Eigenheime und fünf Mehrfamilienhäuser zur Verfügung.

Bei den Umzugswilligen ist die Hoffnung groß, vielleicht schon Ende dieses, aber spätestens nächstes Jahr im neuen Haus oder der neuen Wohnung zu leben. Nach ihrem Weggang ist das 700 Jahre alte und nun von der Braunkohle bedrohte Pödelwitz nahezu entvölkert. Nur noch wenige Familien wehren sich gegen einen Wegzug und schlagen die finanzielle Unterstützung der Mibrag bislang aus. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, die den Abbau der Kohle unter Pödelwitz stoppen will.

Die energiepolitische Orientierung der rotschwarzen Bundesregierung nährt die Hoffnung der verbliebenen Pödelwitzer, dass ihnen ein Opfer wie in Heuersdorf erspart bleibt. Denn dort, wo sie ihre Wurzeln haben, lagern lediglich 20 Millionen Tonnen Kohle. Das entspricht einer Jahresproduktion der Mibrag. Ob diese Menge zur Betreibung des Kraftwerkes Lippendorf bis 2040 wirklich benötigt wird, ist umstritten. Der Strom- und Fernwärmeerzeuger muss wegen der Vorfahrt für grüne Energie immer häufiger die Turbinen herunterfahren (die LVZ berichtete).

Doch im Bergbauunternehmen Mibrag und auch bei den Behörden im Landkreis Leipzig gibt es keine Zweifel, dass Pödelwitz weichen muss. Landrat Gerhard Gey (CDU) verwies auf die Braunkohleplanungen, die Mitte der 90er-Jahre mit weitestgehendem Konsens entworfen worden waren. "Daran halten wir fest", sagte er. Die Kohle werde für das Kraftwerk Lippendorf gebraucht. Mibrag-Geschäftsführer Bernd-Uwe Haase räumte ein, dass für das Vorkommen unter Pödelwitz die Abbaurechte bereits beantragt worden seien. "Wir sind zuversichtlich, dass die Genehmigungsbehörden das positiv entscheiden", sagte er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.04.2015
Schöppenthau, Birgit

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