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Borna Böhlen: Das Orchester ist 50!
Region Borna Böhlen: Das Orchester ist 50!
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15:55 19.05.2015
Das Leipziger Symphonieorchester in seiner aktuellen Besetzung. Quelle: Orchester

Die Geschichte des Klangkörpers ist vor allem eins - sehr spannend. Es gab Höhen und Tiefen, Brüche, weitreichende Personalien und Umzüge. Sie steht für neun Dirigenten und eine Liste klangvoller Solisten, die verpflichtet wurden. Und für Namenswechsel.

Von Saskia Grätz

Fünf Jahrzehnte Orchester in einer Ausstellung zusammenzufassen, ist ziemlich schwierig. Zumal es kein Archiv gibt. "Uns fehlen viele Unterlagen", sagt Hans-Ulrich Zschoch, der Geschäftsführer des LSO. Ein Teil des Materials wurde einst beim Umzug von Borna nach Böhlen weggeworfen, ein weiterer Teil durch den Brand im Kulturhaus Böhlen 2002 unbrauchbar. Die bittere Folge: Die spannende Zeit wurde nicht archiviert. Seit Wochen sind die Mitarbeiter beim Sichten vorhandener Unterlagen, die in der Ausstellung Verwendung finden sollen.

Karl-Gerhard Seher erster Leiter

Fusionen sind keine Erfindung der Neuzeit: Die Gründung des Orchesters am 1. September 1963 war eine solche: Im Zuge der Umstrukturierung der Theater- und Orchesterlandschaft wurde das Ensemble des Staatlichen Unterhaltungsorchesters Geithain auf 32 Musiker aufgestockt. Damit war die Gründung des Staatlichen Orchesters des Bezirkes Leipzig - so der erste Name - vollzogen. Musikdirektor Karl-Gerhard Seher leitete es. Das erste Konzert fand wenig glamourös in einer Mittagspause im Emaillierwerk Geithain statt.

Wegen ungünstiger Probenverhältnisse siedelte das Orchester 1964 nach Borna über, wo es viele Jahre seinen Sitz hatte. Die Bedingungen waren auch hier nicht optimal: Zunächst probten die Musiker im Kreiskulturhaus, wo oft ins Foyer ausgewichen werden musste. Später dann im ehemaligen Theater der Freundschaft am Markt, wo sich bis 1993 der Sitz befand.

Eine neue musikalische Ära begann im Januar 1976 mit Rainer Kluge. Als Chefdirigent des Staatlichen Orchesters Leipzig/Sitz Borna leitete er in fast 17 Jahren mehr als 2100 Konzerte.

Mit der Wende wurde es spannend. Das Orchester, das in der Kulturlandschaft Sachsens eine feste Größe geworden war, firmierte unter Sinfonisches Unterhaltungsorchester Borna/Sachsen und musste sich in schwierigen Zeiten auch finanziell behaupten. 1992 wurde der aus Detmold stammende Günter Neidlinger mit großen Hoffnungen zum Chefdirigenten berufen. Die Chemie mit den Musikern stimmte nicht - er ging nach nur einer Spielzeit.

Westsachsen im Namen

Das Orchester erhielt den Namen Westsächsische Philharmonie, der zum einen auf den Wirkungskreis der Musiker anspielte, zum anderen auf deren künstlerische Ansprüche. 1993 - fast der Bruch. "Es gab kein Geld - das Orchester war de facto aufgelöst", erinnert sich Zschoch. Der damalige Bundestagsabgeordnete Rolf Rau (CDU) habe mit seinen Kontakten in Bonn Türen geöffnet und letztendlich zur Rettung des Orchesters beigetragen. Aber: Debatten ums Geld gab und gibt es bis heute. "Ohne die Kulturraumförderung wären wir längst platt", sagt Zschoch.

Zu den weiteren Gestaltern des Orchesters gehörten Günter Blumhagen und der jetzt verstorbene Horst Neumann. Letzterer legte sich mit Landrat Werner Dieck (CDU) an und wurde entlassen. Als er seinen Arbeitsrechtsstreit gewann, hatte das Orchester für die Spielzeit 1997/98 zwei gut bezahlte Chefdirigenten: Neumann stand am Pult, der dem Orchester aufgezwungene Harald Weigel ging derweil spazieren...

Neue Auftrittsorte

Mit der Trägerschaft der 1997 gegründeten Kulturraumorchester Leipziger Raum gGmbH wurde wieder eine Umbenennung fällig: in Westsächsisches Symphonieorchester. Der Name habe sich allerdings nie wirklich durchgesetzt und sei insbesondere bei Gastspielen außerhalb der Region oder im Ausland schlecht vermittelbar gewesen.

1999 wurde der 1. Konzertmeister des Orchesters, Ruben Gazarian zum neuen Chefdirigenten berufen. Mit Manager Zschoch wurden neue Auftrittsorte erschlossen, die Zahl der Auftritte stieg an. "Weit über Tausend" Konzerte kamen in den letzten zehn Jahren zusammen. Das "Reiseorchester" legte in ganz Deutschland Hunderttausende von Kilometern zurück. Zu den Höhepunkten gehörten regelmäßige Gastspiele am Theater an der Rott in Eggenfelden und eine Mexiko-Reise.

Immer wieder finanzielle Nöte

Finanzielle Nöte waren dennoch nicht ausgestanden. Im Jahr 2000 drohte dem Orchester das Aus durch Insolvenz, die durch zähe Verhandlungen und die Unterstützung des Kulturraums abgewendet werden konnte. 120 Konzerte gaben die 40 Musiker in dieser schwierigen Zeit - Höhepunkte waren eine Deutschlandtournee und ein Konzert auf der Berliner Waldbühne.

Nach dem Weggang von Gazarian wurde Markus Huber 2003 neuer Chefdirigent - mehr als 140 Dirigenten aus der ganzen Welt hatten sich um den Posten beworben. Schließlich folgte nach dessen beruflicher Veränderung Frank-Michael Erben, Erster Konzertmeister des Gewandhausorchesters Leipzig, der die musikalischen Geschicke seit 2009 lenkt. In diese Zeit fiel auch ein neuerlicher Trägerwechsel. Seit 2006 ist die Stadt Böhlen alleiniger Gesellschafter der in jenem Jahr gegründeten Westsächsischen Symphonieorchester gGmbH, der jetzigen Leipziger Symphonieorchester gGmbH.

Auch Kurt Masur als Gastdirigent

Das Leipziger Symphonieorchester hat sich trotz steinigen Weges behauptet. Klangvolle Solisten und Gastdirigenten wurden verpflichtet und selbst Kurt Masur überzeugt. Er kommt jetzt zum dritten Mal, um im Kulturhaus Böhlen, Heimstatt des LSO, einen Meisterkurs für Dirigenten zu geben.

Die Anrechtskonzerte, die 1964 in Borna begannen, finden inzwischen auch in Markkleeberg und Böhlen eine treue Fangemeinde.

Zum 50. Geburtstag des Orchesters sind auch ehemalige Musiker eingeladen, darunter Gründungsmitglied Klaus Grünberger. Der Geiger, Urgestein des Orchesters, moderierte allein 1500 Schülerkonzerte und führte akribisch Buch über die Disziplin der jungen Besucher. Am 28. September besteht Gelegenheit, die eine oder andere Erinnerung zu vertiefen.

Das Festkonzert am 28. September im Kulturhaus Böhlen beginnt um 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Das Galakonzert steht unter dem Motto "Tänze der Nationen". Eine Stunde zuvor wird im Foyer die Ausstellung eröffnet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2013

Grätz, Saskia

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