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Böhlen: Dietmar Berndt zieht nach einem Jahr als Bürgermeister Bilanz

Rückblick und Ausblick Böhlen: Dietmar Berndt zieht nach einem Jahr als Bürgermeister Bilanz

Seit einem Jahr ist Dietmar Berndt (54, parteilos) Bürgermeister der Stadt Böhlen. Seine Bilanz: Viel kann in dem Zeitraum nicht umgesetzt werden, dafür mahlen die Mühlen zu langsam. Dennoch ist das Jahr für ihn durchaus erfolgreich gewesen. So ist es gelungen, wieder einen Gewerbestammtisch zu etablieren und die Stadtteile mehr zu integrieren.

Dietmar Berndt, Böhlens Bürgermeister, zieht nach einem Jahr Amtszeit Bilanz.

Quelle: Jens Paul Taubert

Böhlen. Seit einem Jahr ist Dietmar Berndt (54, parteilos) Bürgermeister der Stadt Böhlen. Seine Bilanz: Viel konnte in dem Zeitraum noch nicht umgesetzt werden, dafür mahlen die Mühlen zu langsam. Dennoch ist das Jahr für ihn durchaus erfolgreich gewesen. So sei es gelungen, wieder einen Gewerbestammtisch zu etablieren und die Stadtteile mehr zu integrieren.

Ein Jahr sind Sie nun schon Bürgermeister in Böhlen. Welche Themen waren in diesem Zeitraum bestimmend, welche spielten eine zentrale Rolle für die Stadt?

Das ganze Jahr über dominierte das Thema Asylbewerberheim das Handeln. Bis heute zieht es sich hin, zwar schubweise, aber konstant. Jetzt steht die Stadt vor der Herausforderung, die Menschen zu integrieren, allerdings sind unsere Kapazitäten an Plätzen in Kitas und Schulen erschöpft. Wir werden in absehbarer Zukunft zu wenige Plätze haben. Zudem wären wir auf eine 100-prozentige Förderung angewiesen, um weitere Kapazitäten zu schaffen. Alleine kann Böhlen das aber nicht packen. Wie es weitergeht, müssen wir abwarten, denn noch ist das ehemalige Hotel nicht voll belegt. Ein anderes Thema, das uns in den vergangenen Monaten nicht losgelassen hat, war die Zukunft der beiden Orchester im Landkreis. Ich habe mich immer wieder für den Erhalt beider Ensembles ausgesprochen, jetzt hängt es noch am Landkreis Nordsachsen, ob die angestrebte Finanzierung gelingt. Eines aber ist klar: das Leipziger Symphonieorchester gehört zu Böhlen wie der Deckel zum Topf. Böhlen ohne LSO wäre nicht vorstellbar.

Als Sie zur Wahl angetreten sind, haben Sie sich vor allem für die Neugründung eines Gewerbevereins und für ein Zusammenrücken von Großdeuben, Gaulis und Böhlen ausgesprochen. Was ist aus diesen Zielen geworden?

Schon kurz nach meinem Amtsantritt habe ich einige Gewerbetreibende zusammenbringen und einen sich seitdem regelmäßig treffenden „Gewerbestammtisch“ ins Leben rufen können. Einen Verein soll es vorerst nicht geben, was es aber gibt, ist mittlerweile ein gutes Miteinander von Handel, Wirtschaft und Stadt. Ich denke, wir haben es zudem geschafft, Großdeuben und Gaulis wieder näher an die Kernstadt heranzuholen. Das zeigt sich unter anderem an den ausführlichen Planungen und regelmäßigen Treffen zur 1000-Jahr-Feier in Großdeuben nächstes Jahr. Das zeigt sich auch an dem gelungenen Kinder- und Vereinsfest, das seine Premiere feierte und hunderte Besucher lockte. Das Fest beweist außerdem, dass auch die Vereine wieder vielmehr miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Unternehmungen planen. Es scheint mir allgemein einen neuen Aufbruch zu geben. Vielleicht ist es mir ja gelungen, der Katalysator für das Zusammenwachsen zu sein, ich hoffe auch für meine Mitarbeiter.

Wenn Sie Bilanz über die Baumaßnahmen des vergangenen Jahres ziehen müssten, was war prägend für Böhlen und wird zukünftig bedeutend sein?

Prägend war auf jeden Fall die energetische Sanierung der Oberschule, die ja bereits lange vor der Wahl begonnen hatte und nun fast abgeschlossen ist. In den letzten Monaten haben wir eine Art Stadthygiene durchgeführt und verfallene Gebäude abreißen lassen. So das kleine Haus am Platz des Friedens und das Polytechnikum auf dem Gelände der Oberschule. Damit haben wir gleich den Platz für die zukünftige neue Sporthalle geschaffen. Nun kommt noch das verfallene Nebengebäude des Kulturhauses weg.

Auf die Fördermittel für die Sporthalle warten Sie aber noch...

Dieses Jahr sind wir leider nicht berücksichtigt worden, wir hoffen aber auf nächstes Jahr. Von uns aus kann es losgehen. Der Platz ist freigemacht, unsere Eigenmittel sind im Haushalt eingestellt.

Böhlen wächst wieder, die Nachfrage nach Bauplätzen ist ungebrochen. Vor welchen Herausforderungen steht die Stadt diesbezüglich?

Eine Herausforderung ist der Haltepunkt Großdeuben. Hier kämpfe ich seit Amtsantritt, dass er wenigstens stufenfrei ausgebaut wird. Denn gerade in dem Stadtteil sind etliche neue Häuser entstanden. Kürzlich gab es wieder Gespräche mit der DB Station & Service und dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig. So lange der Bau nicht begonnen hat, werde ich weiterkämpfen und wäre für jede Unterstützung dankbar. Eine andere Herausforderung ist der Breitbandausbau, vor allem in den beiden Ortsteilen. Wir brauchen schlicht eine moderne Infrastruktur. Wir müssen dringend den Flächennutzungsplan fortschreiben, auch um neue Wohnbaugebiete ausweisen zu können. Auch Böhlen profitiert von der Leipziger Stadtflucht. All das erfordert außerdem ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept, um der städtebaulichen Entwicklung für das nächste Jahrzehnt eine Richtung zu geben.

Von Julia Tonne

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