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Borna Böhlen: Glocken schweben vom Kirchturm
Region Borna Böhlen: Glocken schweben vom Kirchturm
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00:21 14.07.2018
Gut gelandet: Frank Blumrich (re.) und René Sieber nehmen die Christus-Glocke von der Kette des Krans. Quelle: Claudia Carell
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Böhlen

Die 518 Jahre alte Glocke hing endlich am Kran. Langsam schwebte sie am Mittwochmorgen kurz vor 9 Uhr vom Turm der Böhlener Christophoruskirche. Das war ein schwieriges Stück Arbeit. Grund: Das Kirchenfenster war zu klein. Frank Blumrich musste deshalb ein Stück des Mauerwerks entfernen, damit die schwere Bronzeglocke mit 1,15 Meter Durchmesser durchpasst.

Der 58-jährige Mechaniker und Monteur ist Profi. Er arbeitet seit knapp 40 Jahren für die älteste noch bestehende Turmuhrenfirma Deutschlands, die Bernhard Zachariä GmbH aus Leipzig. Glocken, Uhren, Ziffernblätter in großer Höhe und an alten Bauwerken in ganz Ostdeutschland sind das Metier des Unternehmens.

Transport ins Glockenschweißwerk Nördlingen

Zwei der drei Böhlener Glocken galt es am Mittwoch abzuseilen. „Sie sind etwas Besonderes und wertvoll aufgrund ihres Alters“, sagte Blumrich. Viele von ihnen wurden in den Weltkriegen eingeschmolzen. Viele gingen auch im Laufe der Jahrhunderte einfach kaputt.

Eine Glocke schwebt langsam zur Erde. Quelle: Claudia Carell

Noch am gleichen Tag wurden die beiden Glocken, die laut Akten im Jahr 1500 gegossen wurden, nach Nördlingen in Bayern transportiert. Sie sollen im einzigen Glockenschweißwerk Deutschlands repariert und restauriert werden. „Es ist aufwendig, solch eine alte Glocke zu schweißen. Dazu gehört viel Wissen und Können“, so Frank Blumrich.

Pfarrer Christoph Krebs ist froh, dass die Restaurierung nun endlich beginnt. Schon 2005 war dies ursprünglich geplant. Damals wurde die Christophoruskirche – 1540 erstmals erwähnt und heute das älteste Gebäude der Kleinstadt – innen saniert. Doch für die Glocken reichte das Geld nicht mehr.

Glocken sollen Mitte August zurück sein

61 000 Euro sind jetzt für das Projekt veranschlagt. Eventuell wird die Erneuerung des Holzglockenstuhls noch teurer, so Krebs. Es wurde höchste Zeit, dass endlich etwas passiert, „die Glocken klangen überhaupt nicht mehr, was auch an der Elektrik lag“, so der Pfarrer. Mitte August sollen sie wieder zurück sein. Er hofft, dass bis dahin auch Glockenstuhl samt Elektrik fertig sind.

Bronzeglocken aus überbaggertem Zeschwitz

Nur die dritte kleinere Glocke mit Gussjahr 1908, die jetzt nicht mit restauriert wird, gehörte ursprünglich zum Böhlener Gotteshaus. Ihre beiden Schwestern schmolz man in den 1940er Jahren ein, um daraus Granaten und Kanonen herzustellen.

„Die kleinste Läuteglocke durften die Kirchen damals behalten“, erklärte Uwe Sonntag, der sich mit dem Böhlener Kirchenarchiv intensiv beschäftigte. Das Gotteshaus erhielt später aber Ersatz. Als Zeschwitz, ein Ort zwischen Zwenkau und Böhlen, überbaggert wurde, kamen die zwei großen alten Bronzeglocken der Dorfkirche nach Böhlen.

D-Kategorie schützte vorm Einschmelzen

„Sie haben eine besondere Klangschönheit“, sagte Sonntag. Deshalb wurden sie im Krieg nicht eingeschmolzen. Es waren so genannte D-Glocken. Die mit der Kategorie A und B mussten für Kriegszwecke abgebaut werden, Kategorie C sollte möglichst erhalten werden, Kategorie D war geschützt.

Die größere der beiden ist eine Christus-Glocke, die kleinere mit 96 Zentimeter Durchmesser eine Marien-Glocke. Die katholische Kirche habe sie damals oft bestimmten Heiligen geweiht. „Unsere Gegend muss zu diesem Zeitpunkt ziemlich reich gewesen sein, es wurden sehr viele Glocken gegossen“, meinte der Böhlener. Diese zwei haben ein halbes Jahrtausend überlebt und werden dank der jetzigen Restaurierung noch viel älter werden.

Von Claudia Carell

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