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Borna Schadstoffblase unterm Chemiestandort: Grundwasser wird gereinigt
Region Borna Schadstoffblase unterm Chemiestandort: Grundwasser wird gereinigt
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17:20 15.03.2018
Bei Lippendorf beginnen die Arbeiten für den Bau einer Anlage zur Grundwasserreinigung. Quelle: André Neumann
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Böhlen/Lippendorf

An der Straße zwischen Lippendorf und Zwenkau haben jetzt Arbeiten begonnen, die im Zusammenhang mit dem sogenannten Ökologischen Großprojekt (ÖGP) Böhlen stehen. Dahinter verbirgt sich der Versuch, die noch immer bestehende großflächige Verunreinigung des Erdreiches unter dem Chemiestandort Böhlen-Lippendorf in den Griff zu bekommen und negative Auswirkungen einzudämmen.

Den Chemiestandort bei Lippendorf und Böhlen gibt es seit 1921. Heute lagern im Boden unter dem Areal, auf dem der Chemiekonzern Dow und etliche weitere Firmen angesiedelt sind, geschätzte 4000 Kubikmeter schädlicher Kohlenwasserstoffverbindungen. Die Bodenverunreinigung ist Folge des früheren Betriebes, von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg und von großflächigen verunreinigenden Ablagerungen in der DDR.

Hinsichtlich der Bodenverunreinigung noch nicht viel passiert

Das ÖGP läuft seit 1995. Eingebunden sind der Freistaat Sachsen, der Landkreis Leipzig und die Firma Dow als Hauptnutzer des Geländes. Bisher wurden hauptsächlich oberirdische Projekte umgesetzt. Unter anderem wurden Ascheabsetzbecken saniert und abgedeckt, ebenso Sondernutzungsflächen, auf denen früher Teer gelagert worden ist. Seit dem Start des Projektes sind rund 29 Millionen Euro ausgegeben worden

Hinsichtlich der Bodenverunreinigung ist dagegen noch nicht all zu viel passiert. Was auch daran liegt, dass Kompetenzverschiebungen und die Verwaltungsreform 2008 für einige Jahre weitgehenden Stillstand bei der Planung neuer Maßnahmen sorgten. Auf Grund des Umfangs der Verunreinigung verfolgt niemand ernsthaft das Ziel, den Boden dauerhaft und komplett zu reinigen. Ein kompletter Bodenaustausch ist schon rein praktisch nicht möglich, weil die Industrieanlagen darauf stehen. Und das Abschöpfen der Schadstoffe ist eine Sisyphusaufgabe. Das verdeutlicht Fred Richter, seitens der Dow für das ÖGP zuständig: Auf dem Gelände verteilt gibt es 20 Brunnen, die die Schadstoffe aufnehmen. Die schaffen zusammen zehn, bestenfalls 30 Kubikmeter in einem Jahr, sagt er.

Rund 500 Messstellen analysieren die Bodenbelastung regelmäßig. Daraus wird ersichtlich, dass sich die Kohlenwasserstoffblase unter dem Chemiestandort langsam bewegt. In Richtung Südwest auf den Tagebau Peres zu und in nordöstlicher Richtung auf Böhlen und die Pleiße zu. Zum Schutz des Tagebaus wurde schon 2013 eine Drainage eingebaut, die kontaminiertes Grundwasser abfängt, reinigt und der Wasserhaltung im Tagebau zuführt. Jetzt, so heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Landratsamtes soll im Schadenszentrum ein Horizontalfilterbrunnen gebaut werden, der das hoch kontaminierte Grundwasser fassen soll. Die Technologie ist ein Novum, heißt es seitens des Landratsamtes. Zwar gebe es Erfahrungen mit Horizontalfilterbrunnen, noch nie seien die aber in kontaminiertem Grundwasser gebaut worden. Den rund 25 Meter tiefen Brunnen baut ein Spezialunternehmen aus Mindelheim in Süddeutschland. Sollte die Anlage die gewünschten Effekte bringen, würden in den nächsten Jahren weitere errichtet.

Grundwasserschaden soll sich nicht weiter ausbreiten

Auf der anderen Seite der Schadstoffblase hält die Dow bisher ein Gewässer, das Rundteil, auf einer festgelegten Wasserspiegelhöhe, um damit den Abfluss des Grundwassers in Richtung Böhlen zu verhindern. Jetzt soll in dem Bereich eine Drainage für das Grundwasser gebaut werden. Das gereinigte Wasser wird dann dem See zugeführt. „Wir haben das Gefühl, dass wir jetzt auf der Zielgeraden sind“, sagt Fred Richter angesichts der angeschobenen Baumaßnahmen.

Deren Zielrichtung beschreibt das Landratsamt in der am Mittwoch verbreiteten Mitteilung wie folgt: „Mit den nun eingeleiteten Maßnahmen soll die Ausbreitung des Grundwasserschadens verhindert und das Schadstoffpotenzial verringert werden.“

Von André Neumann

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