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Böhlener Apart-Hotel soll wieder Flüchtlinge aufnehmen

Info-Veranstaltung Böhlener Apart-Hotel soll wieder Flüchtlinge aufnehmen

Genau genommen müsste Böhlen laut des Verteilerschlüssels 116 Asylbewerber aufnehmen. Genau genommen aber sind es ab Februar fast 400 Menschen, die in der Stadt Unterkunft finden, bis ihr Asylantrag bewilligt oder abgelehnt wird.

Die Turnhalle des BSZ ist abgesperrt. Hier sind die ersten Asylbewerber eingezogen.

Quelle: Julia Tonne

Böhlen. Genau genommen müsste Böhlen laut des Verteilerschlüssels 116 Asylbewerber aufnehmen. Doch ab Februar sind es fast 400 Menschen, die in der Stadt eine Bleibe finden, bis ihr Asylantrag bewilligt oder abgelehnt wird. Das stellt Stadt und Vereine vor die große Herausforderung der bestmöglichen Integration.

Das Apart-Hotel, bis Ende Dezember noch Interim für die Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz, hat mit Pro Shelter seit November 2015 einen neuen Besitzer und wird zum Asylbewerberheim (die LVZ berichtete). Laut Böhlens Bürgermeister Dietmar Berndt (parteilos) sei die Stadt vom Eigentümer bereits darüber informiert worden, dass hier 200 Flüchtlinge unterkommen sollen. 160 weitere könnten in der Turnhalle des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) leben. Dort sind die ersten am Donnerstag schon eingezogen. „Und dann haben wir noch mehr als 40 dezentral in Wohnungen untergebracht“, sagt Berndt. Macht zusammen mehr als 400. Wie sich die Situation vor Ort darstellt und welche Auswirkungen auf die Stadt zukommen, ist am Donnerstag, 14. Januar, Thema einer Informationsveranstaltung im Kulturhaus. Ab 18 Uhr steht das Landratsamt den Bürgern und Nachbarn der beiden Einrichtungen Rede und Antwort.

Derzeit ist das Apart-Hotel leer. Ende vergangenen Jahres lief der Vertrag mit der Landesdirektion aus, die bis dahin verbliebenen Flüchtlinge wurden auf andere Einrichtungen verteilt. Zeitweise waren hier bis zu 200 Flüchtlinge untergebracht, die noch darauf warten mussten, ihren Asylantrag zu stellen. Nun will der neue Eigentümer, nach Aussage von Berndt, das Haus herrichten und einige Umbauten vornehmen. Laut Brigitte Laux, Sprecherin des Landratsamtes, habe der Landkreis die Räumlichkeiten ab 1. Februar angemietet. Zudem hat der Kreis auch die Verantwortung für die Belegung der Turnhalle.

Wie es mit dem Schulsport des BSZ nun weitergeht, stand lange nicht fest. Klar war nur, dass es bereits Gespräche mit der Gemeinde Neukieritzsch gegeben hat, um die Parkarena nutzen zu können. Jetzt ist laut Laux eine endgültige Lösung gefunden worden. In den ersten zwei Wochen, also jetzt, müssen die BSZ-Schüler nach Neukieritzsch. Danach können sie Turnhallen im Markkleeberger Stadtteil Gaschwitz und in Böhlen nutzen. Neukieritzschs Bürgermeister begründet den Rückzieher von Seiten des Landratsamtes mit den hohen Kosten für die Nutzung der Parkarena (der Gemeinderat hatte im September höhere Nutzungsgebühren beschlossen), die der Landkreis nicht tragen wolle. Die allerdings, so Laux, würden ohnehin an den Freistaat weitergegeben. Für sie ist der Rückzieher vielmehr damit zu begründen, dass die beiden anderen Alternativen deutlich günstiger und für die Schüler schneller zu erreichen seien. Was sich natürlich auch auf die Fahrkosten niederschlägt, die der Landkreis übernehmen muss.

Bürgermeister Berndt indes macht sich Gedanken, wie die Integration am besten funktionieren kann. Mittlerweile habe es erste Gespräche mit der Volkshochschule gegeben, um Deutschkurse anbieten zu können. Auch die Einrichtung einer sogenannten DAZ-Klasse in der Grundschule könne nicht ausgeschlossen werden, das allerdings sei eine Entscheidung der Bildungsagentur. In „Deutsch als Zweitsprache“-Klassen werden die Kinder mit ausländischen Wurzeln so lange unterrichtet, bis sie – aufgrund ihrer Deutsch-Kenntnisse und ihres Wissenstandes – in die Regelklassen integriert werden können. Was Berndt besonders beeindruckt, ist die nach wie vor große Solidarität bei den Böhlenern. „Wir werden die Situation bewältigen, aber das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Von Julia Tonne

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