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Böhlener Rat fühlt sich überrollt: Müssen so viele Bäume für A 72 fallen?

Böhlener Rat fühlt sich überrollt: Müssen so viele Bäume für A 72 fallen?

Wer derzeit die Bundesstraße 95 entlang fährt und dabei an Böhlen und Rötha vorbeikommt, kann in Anbetracht des Kahlschlags schon irritiert sein. In dieser Dimension hatten sich das weder die Stadtverwaltung noch die Einwohner vorgestellt.

Viele Bäume fallen entlang der Bundesstraße 95 für die künftige Autobahn 72. Das sei in dieser Dimension nicht benannt gewesen, erklärt Böhlens Stadtchefin.

Quelle: Andreas Doering

Böhlen. Entlang der Bundesstraße steht in einem breiten Streifen kein Baum mehr - und das Roden ist noch nicht beendet.

Seit Dezember bereits müssen Birken, aber auch Hainbuchen, Eichen, Ahorn und Robinien beidseitig der Straße zwischen Großdeuben und Rötha weichen. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) lässt hier - wie angekündigt - Baufreiheit schaffen für die Autobahn 72. Da diese zum Teil neben der heutigen B 95 entsteht, seien Abholzungen auf einem 30 bis 50 Meter breiten Korridor notwendig, hatte Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert bereits im Dezember erklärt.

Bei der letzten Stadtratssitzung in Böhlen sollte eigentlich ein Mitarbeiter der Behörde den Räten Rede und Antwort stehen, doch das wurde auf die nächste Sitzung am 26. März verlegt. Dennoch spielte das Thema im Stadtrat eine Rolle. "In dieser Dimension ist das in keinerlei Planungen benannt gewesen", machte Böhlens Bürgermeisterin Maria Gangloff (Linke) deutlich. Die Verwaltung wisse zwar, dass die Arbeiten notwendig für den Bau der Autobahn seien, aber "das, was derzeit hier passiert, können wir uns nicht bieten lassen". Reinhard Eisold von der CDU-Fraktion sprach in der Sitzung von einem wahren Kahlschlag, der so nicht vorhersehbar gewesen sei.

Vor allem aber ein anderer Aspekt sorgte bei den Räten für Unmut: "Die Landesdirektion hat eine Tektur, also Änderungen der Planungen vorgenommen", erklärte Gangloff. Und das, ohne die Stadt darüber zu informieren. Zwar habe die Landesdirektion Bescheid gegeben, dass es Änderungen gegeben habe, sie habe aber nicht erklärt, wie diese aussehen. "Daraufhin hat die Stadtverwaltung Beschwerde bei der Landesdirektion eingereicht", erklärte Gangloff weiter. Eine Antwort stehe aber bis heute aus.

Der LVZ teilte die Landesdirektion mit, dass die Planänderung vom Januar die Aufstellung des temporären blickdichten Sichtschutzzauns in Höhe des Absperrdamms des Rückhaltebeckens Stöhna zum Gegenstand habe. Dort soll ein niedrigerer Zaun aufgestellt werden als bisher vorgesehen. "Hätte man die ursprünglich planfestgestellte Lösung beibehalten, hätten für den 6,90 Meter hohen Zaun entlang der Straße "Am Westufer" zirka elf Meter tiefe Fundamente hergestellt werden müssen (schlechter Baugrund, Berücksichtigung hoher Windlasten auf den Zaun). Dabei hätte diese Straße - die einzige Zufahrt zur Deponie Cröbern, die durch Müllfahrzeuge sehr stark frequentiert wird - möglicherweise zeitweise gesperrt oder zumindest eingeschränkt werden müssen. Darüber hinaus wären die Kosten viel höher gewesen als für die geänderte Lösung, so die Landesdirektion.

Die Behörde habe davon abgesehen, die Stadt Böhlen in dem Planänderungsverfahren anzuhören, "weil keine Anhaltspunkte vorliegen, dass deren Belange durch die geänderte Planung stärker als bisher betroffen sein könnten. Die Flächen, auf denen der hinzukommende Sichtschutzzaun aufgestellt wird, befinden sich im Eigentum des Freistaates Sachsen". Auch Siebert erklärte auf Anfrage, dass solche Tekturen bei umfangreichen Bauvorhaben nicht selten seien, solange noch kein Baurecht ergangen sei.

Gangloff bat die Stadträte während der Sitzung, ihre genauen Fragen zu Neupflanzungen, detaillierten Strecken- und Brückenführung und zum Radweg zu sammeln, so dass sich der Lasuv-Mitarbeiter bis zur nächsten Sitzung auf die drängendsten Fragen vorbereiten könne. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.03.2015
Tonne, Julia

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