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Böhlens Kulturverein lässt die Puppen tanzen – Party zum 25. Geburtstag im September

Freizeit Böhlens Kulturverein lässt die Puppen tanzen – Party zum 25. Geburtstag im September

Spitze auf Seide heißt es im Klöppelzirkel des Böhlener Kulturvereins. Die Puppenspielerbühne „Die Böhlener“ gehören zu den ältesten Laientheater ihrer Zunft bundesweit. Obwohl der Verein mit Probenräumen im Kulturhaus ein sicheres Domizil hat, plagen ihn Zukunftsängste. Es fehlt der Nachwuchs.

Die Puppenspieler Sonja und Heinz-Rüdiger Zwerschke sind Mitglieder im Kulturverein Böhlen.

Quelle: Jakob Richter

Böhlen. Der Kulturverein Böhlen ist in gewisser Weise ein eher ungewöhnlicher Verein. Zwar besteht er seit nunmehr 25 Jahren, doch in all diesen Jahren gab es lediglich zwei Vorsitzende, zudem ist die Zahl der Mitglieder innerhalb des viertel Jahrhunderts fast gleichgeblieben. Ungewöhnlich ist er aber auch deshalb, weil die einzelnen Gruppen immer wieder für Besonderheiten und zuweilen Furore sorgen.

Ein Beispiel dafür ist der Klöppelzirkel. So haben die Frauen im vergangenen Jahr ein komplettes Schachspiel mithilfe dieser Handarbeitstechnik hergestellt und dieses bei der Leipziger Messe „Modell-Hobby-Spiel“ präsentiert. Wer einmal sehen möchte, was alles machbar ist, kann sich ab 16. August die Ausstellung von Christine Beyer im Kulturhaus ansehen. Die Leiterin des Klöppelzirkels zeigt unter dem Motto „Spitze auf Seide“ zahlreiche private Arbeiten. Ein anderes Beispiel für außergewöhnliche Geschichten bietet die Jugendtanzgruppe. Sie ist dieser Tage im belgischen Namur, um dort beim internationalen Folklorewettbewerb anzutreten. Ihr Repertoire beschränkt sich aber nicht nur auf Folklore, sondern umfasst auch Jazzdance, Tanztheater, Hip Hop, klassischen Tanz und Modern Dance. Ergänzt wird das Kabinett der Kuriositäten durch die Puppenspielerbühne „Die Böhlener“ unter der Leitung von Heinz-Rüdiger Zwerschke. Sie ist laut einer Fachzeitschrift mit 65 Jahren die älteste von Amateuren betriebene in ganz Deutschland. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, in erster Linie aber mit dem Fakt, dass es in den 25 Jahren lediglich zwei Vorsitzende gab. Bis 2004 hatte Werner Clemens die Leitung inne, seit 2005 kümmert sich Karla Schimmel um die Belange des Vereins. „Und in all den Jahren gab es nie Schwierigkeiten“, macht Gründungsmitglied Irene Crell deutlich. Ein Verein stehe und falle mit dem Vorstand. Der Kulturverein stehe im übertragenden Sinne nach wie vor auf sicheren Beinen.

Dabei gab es durchaus Zeiten, in denen die Zukunft des Vereins mehr als in den Sternen stand. Den größten Umbruch stellte die Wende dar, als das Kulturhaus als Domizil für rund 40 Gruppen in die Trägerschaft des Landkreises wechselte. Den Verein an sich gab es noch nicht, aber eben zahlreiche Gruppen, die im Kulturhaus ihre Probenräume hatten und in dem Jahr dann vor der Herausforderung standen, alles in neue Strukturen bringen zu müssen. „Wir waren ja alle völlig ahnungslos. Uns ging es erst einmal darum, die Räume weiter nutzen zu können“, erinnern sich Crell und Zwerschke an die Zeit.

Um zu erfahren, wie ein Verein gegründet wird und wie eine Satzung auszusehen hat, holten sich die einzelnen Gruppen Hilfe bei Vereinen aus den alten Bundesländern. Mit der Wende fielen zudem sämtliche bisherigen Aufträge für Auftritte, Ausstellungen und Konzerte weg. „Auf einen Schlag waren wir bei Null angekommen, mühsam mussten wir alles neu aufbauen“, betont Crell. Aktuell sind die Gruppen – ob Bildende Kunst, Blasorchester, Seniorentanzgruppe, Kammerchor, Akkordeongruppe – gut gebucht. Zwischen 60 und 70 Auftritte stehen jedes Jahr an. Für Crell ein sicheres Zeichen für Kontinuität.

Rund 120 Mitglieder gehören dem Verein an – und damit nicht weniger als im Gründungsjahr. „Allerdings sind auch alle Mitglieder mittlerweile 25 Jahre älter, wir brauchen dringend Nachwuchs“, macht Zwerschke deutlich. Und das Thema betreffe alle Gruppen gleichermaßen. Was hingegen für Sicherheit sorgt, ist die Unterstützung der Stadt Böhlen, die das Kulturhaus als Domizil zur Verfügung stellt. Die Nutzung des Hauses sei eine der wichtigsten Bedingungen für die weitere kontinuierliche Arbeit der Gruppen.

Zum 25. Geburtstag, der am 17. September gefeiert wird, wünschen sich Crell und Zwerschke stellvertretend für den Verein den Erhalt der Gruppen, die weitere Nutzung der jetzigen Probenräume und vor allem Nachwuchs. „Dann gelingen auch die nächsten 25 Jahre reibungslos“, so Crell.

Von Julia Tonne

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