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Borna Borna: Fahren ohne Führerschein – Vater will stark sein und soll nun ins Gefängnis
Region Borna Borna: Fahren ohne Führerschein – Vater will stark sein und soll nun ins Gefängnis
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00:20 14.10.2017
Blick auf das Amtsgericht Borna. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Man möchte dem 50-jährigen Angeklagten seine ehrbaren Absichten als Vater gern glauben. Würde er nicht ab und zu derartig aufbrausen im Gerichtssaal, dass sein Anwalt ihn beruhigen muss. Und wäre da nicht diese ewig lange Liste an Vorstrafen. Er wollte sich und seine Kinder vor scheinbaren Peinlichkeiten bewahren. Nun soll Wolfram K. ins Gefängnis.

Vier Autofahrten ohne Führerschein in einem knappen Monat werden K. zur Last gelegt. Die erste streitet er ab. Er habe nicht gewusst, dass er die Fahrerlaubnis an dem Tag schon hätte abgeben müssen, der Brief von der Behörde sei erst später gekommen. Deswegen rief er auch noch selbst die Polizei, als ihm ein Tier ins Auto gelaufen war. Die anderen drei Fahrten räumt er gegenüber dem Richter ein. „Ich habe mich vor meinen Kindern geschämt“, sagt er, die sollten nicht merken, dass ihr starker Vater nicht Auto fahren dürfe. Deswegen fuhr er mit einem Sohn zu einer Untersuchung ins Krankenhaus, fuhr zum Geburtstag eines Verwandten und nahm auch das Auto, um den großen Sohn nach Hause zu holen, als der bei einem zwielichtigen Freund war, vor dessen Einfluss der Vater ihn bewahren wollte.

Fahrt mit dem Sohn eskaliert

Diese Fahrt eskalierte, als die Polizei hinter dem Wagen auftauchte und ihn stoppen wollte. Es gab zwar keine sprichwörtliche Verfolgungsjagd, wie die Staatsanwaltschaft es nennt, aber immerhin wich K. dem Funkwagen aus, fuhr nach Hause und schickte seinen Sohn schnell nach oben. Der sollte nichts merken. Dass er sich dann der Kontrolle und Festnahme entziehen wollte, ohne zu schlagen und zu treten, wie ein Polizist im Zeugenstand bestätigt, hält K. für normal: „Wenn einem der Arm umgedreht wird, tut das weh und man zieht die Hand weg.“ Das allein wird als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gewertet.

Schon in 17 Fällen Kontakt mit der Justiz

Es bleiben vier einzelne Straftaten, die im Einzelfall noch irgendwie als nachvollziehbar gelten können und in ihrer Schwere am unteren Rand liegen. Doch Staatsanwaltschaft und Richter haben die Nase voll und die Geduld verloren. Denn seit 1993 hatte K. in 17 Fällen mit der Justiz zu tun: Gefährdung des Straßenverkehrs, Diebstahl, Beleidigung, Trunkenheit am Steuer, Körperverletzung und mehrmals Fahren ohne Fahrerlaubnis summieren sich zu einem beträchtlichen Strafregister. Zum Zeitpunkt der jetzt angeklagten Taten stand K. sogar noch unter Bewährung aus einem vorherigen Urteil.

K.’s Verteidiger versucht alles, um den Kindern ihren Vater zu erhalten. Der im Baubereich Selbstständige erzieht die seit der Scheidung allein. Bei einer Haftstrafe müssten sie möglicherweise ins Kinderheim. Der Anwalt beantragt für seinen Klienten erneut eine Bewährungsstrafe. Doch der Richter, der selbst schon dreimal über K. zu urteilen hatte und offenbar an dessen Einsichtigkeit zweifelt, folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft: vier Monate Gefängnis ohne Bewährung.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Verteidigung geht dagegen vor.

Von André Neumann

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