Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Borna: Gastronomen mit Gesetz nicht glücklich
Region Borna Borna: Gastronomen mit Gesetz nicht glücklich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:40 19.05.2015

Die LVZ hörte sich in der lokalen Gastronomie über die Auswirkungen des Gesetzes um.

Im "Café Wahnsinn" in Kitzscher lässt man nicht allzu viele gute Haare am NRSG. "Allein dass wir die Möglichkeit hatten, schnell ein Raucherzimmer einrichten zu können, hat uns vor Schlimmerem bewahrt", sagt Betreiberin Edith Zitzling. Sie beklagt, dass man den Gastwirten in diesem Bereich nicht freie Hand gelassen hat. "Wir haben gleich nach 1990 den raucherfreien Mittags- und Abendbrottisch eingeführt, was sich sehr gut bewährt hat", so die Gastronomin. Folge des Nichtraucherschutzgesetzes sei, dass Veranstaltungen auseinander gerissen würden und die Stimmung entsprechend leide. "Und auf den Umsatz hat es sich obendrein negativ ausgewirkt", beteuert Zitzling, die dem Gesetz immerhin etwas Positives abzugewinnen vermag. "Wir müssen nicht mehr so häufig malern und die Gardinen waschen."

Vorteile, auf die Erhard Lerch vom Bornaer "Glück-Auf"-Lokal wohl liebend gern verzichtet hätte. Der wyhrastädtische Gastronom hatte unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes Umsatzeinbußen von bis zu 40 Prozent zu verkraften, wie er sagt. "Nur mit harter Arbeit, einer Sortimentsveränderung und der Spezialisierung auf das Angebot von Speisen ist es mir gelungen, mich über Wasser zu halten", erklärt Lerch. Auf das Gesetz ist der "Glück-Auf"-Chef noch immer nicht sonderlich gut zu sprechen. "Die Gemütlichkeit ist ein Stückweit verloren gegangen, es gibt keine Knobel- und keine Skatrunden mehr, und die Heizkosten sind zudem gestiegen, weil die Tür ständig auf und zu geht." Lerch kann sich eines gewissen Sarkasmus' nicht erwehren. "Den Politikern ist es doch egal, ob die Gäste an Lungenentzündung oder Lungenkrebs sterben."

Von einer Erkältung oder gar Schlimmerem bleiben die Gäste von Simone Hänles "Sächsischem Reiter" derweil garantiert verschont. Denn die Bornaer Gastronomin hatte das Glück, mit ihrer Kneipe unter die Novellierung des Gesetzes zu fallen, mit der das Rauchen in gastronomischen Einrichtungen bis zu einer gewissen Größe weiterhin möglich ist. "Für mich ist das nichts Geringeres als eine Existenzfrage gewesen, denn ohne die Novellierung hätte ich meinen Laden schließen können."

Ganz so existenziell sind die Folgen des NRSG für das Hohenprießnitzer "Fährhaus" zwar nicht, aber auch Betreiberin Antje Bieligk stimmt in das allgemeine gastronomische Klagelied ein. "Für eine gastronomische Einrichtung mit unserer Ausrichtung ist das Gesetz zwar gerade noch akzeptabel, und das Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern funktioniert auch leidlich", so Bieligk. "Aber Familienfeiern und Abendgesellschaften sind davon geprägt, dass die Tür ständig auf und zu geht." Roger Dietze

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.03.2013

Roger Dietze

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei den Verhandlungen mit der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag) um gute Lebensbedingungen am künftigen Tagebaurand sieht sich die Einwohnervertretung Lippendorf/Kieritzsch auf einem guten Weg.

19.05.2015

Sollte der Stadtrat auf seiner Sitzung am Donnerstag die neue Richtlinie zur Förderung kultureller und künstlerischer Projekte und Vereine beschließen, gibt es zumindest einen Verlierer: den Volksplatzverein.

19.05.2015

Um Gleitschuh zu fahren, war gestern früh auf der B95 zu viel Verkehr. Der Straßenbelag selbst hätte gepasst. Auf der ganzen Länge von der Autobahn 38 im Norden bis Langenleuba-Oberhain im Süden kamen die Autos nur schwer voran, wenn sie nicht im Stau standen.

19.05.2015
Anzeige