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Borna: Iranisches Paar wird abgeschoben

Borna: Iranisches Paar wird abgeschoben

Beim Ökumenischen Friedensgebet vorgestern Mittag in der Bornaer Marienkirche waren Mehrnoosh Ebrahimi und ihr Mann Reza Parichehr noch unter den Gläubigen. Das Ehepaar, das vor Monaten aus dem Iran floh und nach Deutschland kam, gehört zu jenen, die sich auf besondere Weise in der Freien Evangelischen Gemeinde Borna engagierten.

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Ein Foto aus guten Bornaer Tagen: Mehrnoosh Ebrahimi mit Reza Parichehr und der Tochter von Andries Vogel.

Quelle: privat

Borna. Seit gestern ist ihnen das nicht mehr möglich: 4 Uhr in der Frühe holten Polizeibeamte sie auf Weisung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge aus der Wohnung in der Gerhart-Hauptmann-Straße, um sie abzuschieben. Während die Frau zusammenbrach und ins Krankenhaus gebracht wurde, musste ihr Mann zurück nach Frankreich, in jenes Land, in dem beide zuerst den Boden der Europäischen Union betreten hatten und in dem sie ihr Asylverfahren abwarten müssen. So will es das Gesetz.

"Wie kann das sein, dass wir am Mittwoch noch gemeinsam beten für den Frieden in anderen Ländern, und am nächsten Tag wird diese Familie auseinandergerissen", ist Andries Vogel, Referent der Freien Evangelischen Gemeinde, fassungslos über das Vorgehen der Behörden. Ebrahimi und Parichehr, seit zwölf Jahren verheiratet, sind für ihn ein hervorragendes Beispiel für eine gelingende Integration. Das Paar, Anfang 30 und im Iran an der Universität beschäftigt, hätte sich auf besondere Weise in die Arbeit seiner Gemeinde und darüber hinaus eingebracht, sagt Vogel. An der Volkshochschule hätten sie einen Deutschkurs mit großem Erfolg absolviert. Ihre Übersetzungen von Bibel-Passagen ins Persische sind auf der Homepage der Freien Evangelischen Gemeinde veröffentlicht, "um anderen die christliche Kultur nahezubringen". Wegen ihrer Absicht, zum christlichen Glauben überzutreten, hätten sie den Iran verlassen müssen. Vor kurzem wurden beide, die seit Dezember erst im Asylheim am Königsplatz lebten, dann aber eine kleine Wohnung erhielten, am Störmthaler See getauft. Dass sie Zuflucht in Deutschland gesucht hätten, hinge zusammen mit Verwandten, die hier seit drei Jahrzehnten wohnten.

Für das Paar setzten sich auch die katholische und die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Borna ein. Sie unterstützten die Klage gegen den ablehnenden Bescheid des Bundesamtes für Migration mit einem Brief. Darin heben sie ihr Engagement, unter anderem als Dolmetscher, hervor. "Ihre Abschiebung würde für den Integrationsfortschritt des wachsenden Kreises persisch sprechender Besucher aus dem Iran, Afghanistan und dem kurdischen Iran, die ihren Aufenthalt in den umliegenden Asylheimen im Leipziger Landkreis, so in Borna, Thräna und Elbisbach, haben, einen erheblichen Einschnitt bedeuten", heißt es darin. Erst gestern ging Andries Vogel damit an die Öffentlichkeit. Man habe bewusst vermeiden wollen, die Behörden unter Druck zu setzen. "Das Gesetz ist gewiss begründet. Aber was jetzt geschehen ist, das ist hart. Man muss sich doch fragen: Dient das wirklich dem Menschen - oder doch einer Ideologie?"

"Stellt ein Drittstaatsangehöriger in Deutschland einen Asylantrag, prüft das Bundesamt vor einer Entscheidung, welcher EU-Mitgliedstaat gemäß den Zuständigkeitskriterien der so genannten Dublin-Verordnung für die Prüfung des Asylantrags zuständig ist", erklärt Behördensprecherin Christiane Germann das Verfahren. Sei ein anderer EU-Staat für die Bearbeitung des Antrags zuständig, stehe eine gute Integration einer Überstellung dorthin grundsätzlich nicht entgegen. Es sei davon auszugehen, dass ein ordnungsgemäßes und menschenwürdiges Asylverfahren in jedem EU-Staat gewährleistet sei.

Gestern Nachmittag meldete sich ein verzweifelter Reza Parichehr bei Andries Vogel: von der französischen Grenze, wohin er mit einem Polizeiwagen gebracht worden und wo er förmlich ausgesetzt worden sei.

Erst im Juni war eine siebenköpfige Familie, die in Pegau untergekommen war, nach Polen abgeschoben worden (die LVZ berichtete).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.09.2014
Ekkehard Schulreich

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