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Region Borna Borna: Junge Mütter im Kanga-Kurs
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00:16 07.06.2017
Kanga-Kurs im Bornaer Stadtkulturhaus. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Irgendwann schlafen die ersten Babys ein. Obwohl sie bis eben mehr oder weniger in Bewegung waren. Sie haben Sport gemacht. Oder besser gesagt mitgemacht – mit ihren Müttern, die sich jeden Mittwochvormittag im Ballettraum des Bornaer Stadtkulturhauses treffen. Zum Kanga-Kurs, einem ganz speziellen Workout für junge Frauen nach der Geburt ihres Kindes.

Frida hebt den Kopf und staunt. Ihre Mutter Julia Lobsch aus Frauendorf liegt auf einer roten Gummimatte und streckt abwechselnd das eine und dann das andere Bein in die Höhe. So wie es alle Frauen machen. Den Takt dafür gibt Mandy Freier vor. Die Physiotherapeutin mit eigener Praxis in Borna leitet den Kanga-Kurs.

Die Kinder liegen derweil auf ihren Müttern oder daneben. Manche wie der einjährige Erik sind schon etwas mobiler, so dass er von seiner Mutter Daniela Götze auch mal eingefangen werden muss. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, auch wenn die sportliche Betätigung der Mütter früher oder später zu Schweißperlen führt. Das ist schließlich auch Sinn und Zweck der einstündigen Übungsrunde. „Ich will meine überflüssigen Schwangerschaftspfunde loswerden“, bringt es Daniela Götze auf den Punkt.

Doch es geht um mehr, wie Mandy Freier klarmacht. Die Frau, die auch Kanga-Kurse in Groitzsch und Altenburg leitet, ist selbst Mutter zweier Kinder. Und sie weiß, dass eine Entbindung und die nachfolgende Zeit junge Mütter „an den Rand ihrer Kräfte bringt“. Im Kanga-Kurs wird deshalb der Beckenbodenbereich ebenso gestärkt wie der Gleichgewichtssinn. Im Gegensatz zu herkömmlichen Fitnessangeboten, aber gemeinsam mit dem Nachwuchs.

Die Idee, junge Mütter auf diese Weise wieder fit zu machen, stammt aus Österreich. Es war Nicole Pascher, eine ehemalige Tänzerin und Fitnesstrainerin, die nach der Geburt ihres dritten Kindes überlegte, wie sie wieder in Form kommen könnte, ohne dabei auf ihr Baby zu verzichten. „So entstand Kanga“, sagt Mandy Freier, die vor fünf Jahren nach Wien zu Nicole Pascher fuhr und mit Kanga-Kenntnissen nach Borna zurückkehrte. Das Kanga-Prinzip besteht darin, dass die Kinder bei den einzelnen Übungen durchaus mitbewegt werden, so dass sie etwa auf dem Bauch ihrer Mutter sitzen, während die Becken, Gesäß und Rücken nach den rhythmischen Vorgaben von Mandy Freier hebt und senkt – hoppe, hoppe Reiter in einer ganz speziellen Variante.

„Das schuckelt, und für die Kinder ist das ein bisschen wie in einer Wiege“, sagt Melanie Weimann. Die 33-Jährige aus Borna hat von einer Freundin während der Rückbildungsgymnastik vom Kanga-Kurs erfahren, dessen Teilnahme von der Krankenkasse finanziert wird und ist seither mit Söhnchen Til dabei. „Es macht Spaß.“ Und Til, ein aufgewecktes Kind von sieben Monaten, das jeden anstrahlt, nickt dann in der Regel ein. „Das ist sein Mittagsschlaf“, sagt die Mutter, die sich und ihr Kind nach den Anstrengungen im Ballettsaal für gewöhnlich erst einmal stärkt.

Die Übungen auf der Gummimatte sind nur der Anfang. Bisweilen schreit ein Kind, aber keineswegs so, als ob es gestresst wäre. Später erheben sich die Mütter und schnallen sich ihre Kinder mittels einer Trageeinrichtung auf den Bauch oder auf den Rücken. Zu Abba-Musik wird getanzt, für die Choreografie sorgt Vortänzerin Mandy Freier, und die ersten Babys schließen die Augen. Eine schöne Sache, wie Julia Lobsch sagt. Sie war schon immer sportlich aktiv und ist sogar noch während ihrer Schwangerschaft gejoggt, „bis es mit der Kugel nicht mehr ging“. Umso mehr genießt sie mit den anderen Frauen die Kanga-Stunde. Die Kalorien purzeln, und die Mütter habe ihre kleinen Lieblinge bei sich.

Von Nikos Natsidis

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