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Borna: Millionen für Trinkwasser, das nicht fließt

Borna: Millionen für Trinkwasser, das nicht fließt

Noch im Herbst soll im Zweckverband Wasser/Abwasser Bornaer Land (ZBL) das überarbeitete, bis 2020 reichende Wasserversorgungskonzept beschlossen werden. Für den kommunalen Verband hängt viel davon ab.

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Nicht um einen Tropfen, sondern um Millionen Kubikmeter Trinkwasser geht es.

Quelle: Patrick Pleul

Borna. Mit dem Konzept, das die Verbandsversammlung Ende des Monats in erster Lesung behandeln soll, wird der Antrag bei der Oberen Wasserbehörde erneuert, um aus dem unwirtschaftlichen Fernwasser-Vertrag herauszukommen. Denn der ZBL muss seit Jahren für Wasser zahlen, dass er gar nicht abnimmt.

 

 

Der Verband hatte im November 2010 den Vertrag mit der in Torgau sitzenden Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH gekündigt - zum 31. Dezember 2015. Das hat einen triftigen Grund: Nach dem 1996 signierten Papier muss der Bornaer Verband jährlich 3,1 Millionen Kubikmeter Fernwasser abnehmen, braucht aber nicht mal die Hälfte dieser Menge. Im vorigen Jahr speiste der ZBL 2,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus eigenen Brunnen ins Netz und bezog lediglich 1,3 Millionen Kubikmeter Fernwasser. Für das Wasser, dass tatsächlich aus den Elbauen ins Bornaer Land fließt, sind 60 Cent je Kubikmeter zu zahlen. Für jeden Kubikmeter, den der ZBL nicht abnimmt, werden 30 Cent fällig. Das summiert sich übers Jahr auf knapp 600 000 Euro. "Die Anlagen müssen vorgehalten werden, damit entstehen Fixkosten", erläutert ZBL-Betriebsleiter Michael Spitzner, warum das so geregelt wurde.

Warum vor 20 Jahren im Bornaer Verband eine so große Wassermenge prognostiziert wurde - in der ersten Dekade war sogar die Abnahme von jährlich fünf Millionen Kubikmeter vereinbart -,lässt sich laut Spitzner heute kaum noch nachvollziehen. Offenbar war mit einem Gewerbe- und Wohnungsboom gerechnet worden. Jedenfalls wurden die Wasseranlagen entsprechend ausgelegt.

 

 

Ein Fehler, an dem der Verband im Bornaer Land seit Jahren schwer trägt. Deshalb wurde die Chance beim Schopfe ergriffen, zum erstmöglichen Zeitpunkt den Vertrag, der eine Laufzeit von 20 Jahren hat, zu kündigen. Allerdings hat die Sache einen Haken. Nach dem Sächsischen Wassergesetz muss die Obere Wasserbehörde, ansässig bei der Landesdirektion, diesem Ausstieg zustimmen. "Ohne diese Genehmigung besteht die Gefahr, dass die Kündigung nichtig ist", sagt ZBL-Betriebsleiter Spitzner. "Dann liefe der Vertrag fünf weitere Jahre." Nach dem Kündigungsbeschluss im Jahr 2010 im Verband war deshalb im Januar 2011 der Antrag bei der Wasserbehörde eingereicht worden. Im Mai 2013 signalisierte sie dem ZBL, dass der Antrag abgelehnt werden müsse, weil der Nachweis zur Versorgungssicherheit fehle.

 

 

Was macht die Sache so kompliziert?

Zum einen handelt es sich um einen Präzedenzfall. In Deutschland gilt der Grundsatz, dass die Bevölkerung mit ortsnahen Wasseraufkommen zu versorgen ist. Beim Aufbau eines Fernwasserbezuges muss die Obere Wasserbehörde deshalb ihr Amen geben. "Sie prüft, ob das nicht dem Wohl der Allgemeinheit entgegensteht", erläutert der ZBL-Betriebsleiter. Aber auch im umgekehrten Falle ist die Zustimmung notwendig, "selbst, wenn die eigenen Brunnen besser ausgelastet werden sollen". Die Behörde in Chemnitz hatte so einen Fall wie jetzt noch nie auf dem Tisch und nimmt deshalb auch - laut Solidaritätsprinzip - unter die Lupe, wie sich der Ausstieg auf den Torgauer Betrieb auswirken würde.

 

 

Zum anderen geht es um die eigentliche Versorgung im Bornaer Land. Kann der ZBL genügend Wasser heben? Reicht die Qualität? Sind die Kosten bei der Aufbereitung des Wassers vertretbar? Denn der ZBL sieht sich mit einer neuen Regelung konfrontiert, die ein Umdenken erforderte. 2011 trat in Deutschland die neue Trinkwasser-Verordnung in Kraft, mit der der Richtwert für Sulfat von 500 auf 250 Milligramm je Liter sank. Damit musste sich der Bornaer Verband von seinen Plänen verabschieden, in Kitzscher, wo der Sulfatwert des Wassers hoch ist, neue Brunnen zu bohren. Die Planung sieht aber vor, das Kitzscheraner Wasser auch künftig zu nutzen und mit dem Kesselshainer Wasser zu mischen, um den Grenzwert einzuhalten. Die Wasserwerke Kesselshain und Borna-Altstadt unterschreiten die neuen Sulfatwerte.

Und zum Dritten hat die Wasserbehörde die Versorgungssicherheit auch unter dem Aspekt im Auge, das bei einer Havarie zwei Einspeisepunkte besser sind als einer.

 

 

Mit seinem neuen Wasserversorgungskonzept muss der ZBL der Landesdirektion nachweisen, dass er die Sulfatwerte einhält und ohne Zusatzbrunnen auskommt. Auch zwei Einspeisepunkte wird es weiter geben. Denn es ist klar, dass im Bornaer Land auch künftig jährlich mehr als eine Million Kubikmeter Trinkwasser aus anderen Quellen sprudeln müssen. Der ZBL will deshalb seinen Fernwasserbezug für den Groitzsch-Pegauer Raum neu ausschreiben und dann Konditionen schaffen, die der heutigen Realität entsprechen. "Wir wollen bedarfsgerecht Fernwasser beziehen." Laut Spitzner gibt es zwei Interessenten, darunter der bisherige Fernwasser-Lieferant. Der ZBL-Betriebschef glaubt, dass die Torgauer gute Chancen für den Zuschlag haben, weil die entsprechenden Anlagen vorhanden sind.

Auf jeden Fall will der ZBL seine eigenen Brunnen künftig weitgehend ausschöpfen. Die Produktionskosten pro Kubikmeter Trinkwasser liegen in Kesselshain bei 42 Cent, in der Altstadt sogar bei nur 25 Cent. Gegenüber den 60 Cent je Kubikmeter Fernwasser wird vor Ort also weitaus wirtschaftlicher gearbeitet. Gehen die Pläne des ZBL auf, dürfte auch der Wasserpreis für den Verbraucher sinken. Spitzner: "Wir erwarten eine Entlastung des Gebührenzahlers ab 2016."

 

 

Noch aber ist offen, ob die Obere Wasserbehörde Ja zu den Plänen sagt. Würde sie die Zusage verweigern, könnte der Zweckverband Wasser/Abwasser Bornaer Land beim Verwaltungsgericht in Leipzig Klage erheben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2014
Frank Prenzel

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