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Region Borna Borna: Museum Wyhra zeigt Ausstellung „Heer und Herd“
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10:14 14.12.2016
Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer hat die gute Stube weihnachtlich herausgeputzt und mit Spielsachen bestückt, die vor 100 Jahren eher im Winter üblich waren. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Gerade einmal etwa 15 Zentimeter breit und zehn Zentimeter hoch sind sie, doch voll funktionsfähig – und sie können durchaus ein Plätzchen backen oder Schokolade erwärmen. Die kleinen Herde, die mit Spiritus beheizt werden, sind derzeit im Volkskundemuseum Wyhra zu sehen. Sie sind Teil der neuen Ausstellung „Heer und Herd“, in der Spielzeugwelten von Mädchen und Jungen um das Jahr 1900 im Mittelpunkt stehen.

Erstmals zeigt das Volkskundemuseum Puppenstubenmöbel aus dieser Zeit. Sie stammen unter anderem aus der Sammlung des Kreismuseums Geithain und sind in den Bestand des Museums in Wyhra übergegangen, die Herde wurden von der ehemaligen Stadtarchivarin Annemarie Engelmann aus Borna zur Verfügung gestellt. „Die Dinge sind alle um die 100 Jahre alt und zeigen die Lebenswelten, wie sie zu der Zeit üblich waren“, erklärt Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer. Der Alltag einer Frau der gutbürgerlichen Mittelschicht bestand darin, sich um Haus, Hof und Kindererziehung zu kümmern. Die Mädchen spielten diesen Alltag mit Hilfe von Puppenstuben nach.

Die Jungen hingegen waren vor allem von der Militärzeit fasziniert, bot sie doch die Chance, fremde Orte kennen zu lernen und romantischen Träumen von Abenteuern und Heldentaten nachzuhängen. Nicht verwunderlich also, dass Zinnsoldaten die damaligen Jungenzimmer bevölkerten. Hoch im Kurs standen Gießformen der Leipziger Fabrik Gebrüder Schneider. Die Formen wurden entweder verkauft oder leihweise weitergegeben. „Und Blei stand jederzeit zur Verfügung, so dass sich jeder die Figuren selbst gießen konnte“, erzählt Ketzer. Selbst Prinz Wilhelm von Preußen spielte mit den kleinen Zinnsoldaten, wie ein Foto in der Ausstellung zeigt. Bis 31. März kann die Schau „Heer und Herd“ besucht werden.

Auch die gute Stube im Erdgeschoss des Museums wurde an die weihnachtlich-winterlichen Themenwelten angepasst. Neben dem Weihnachtsbaum stehen ein alter Puppenwagen und ein Kaufmannsladen, die Puppe selbst ist festlich herausgeputzt. „Solche Spielsachen verschwanden während der Sommerzeit auf dem Dachboden, im Winter wurden sie wieder herausgeholt“, sagt Ketzer. Ein Polyphon ergänzt das weihnachtliche Ensemble in der Stube. Das selbst spielende mechanische Musikinstrument, das von der Firma Polyphon-Musikwerke AG in Wahren bei Leipzig um die Jahrhundertwende 1900 hergestellt wurde, gehört zwar schon seit einiger Zeit zum Bestand des Museums, wurde aber noch nicht so häufig präsentiert. Zufällig fand sich auf einer Lochplatte, auf denen die Melodien eingestanzt sind, das Weihnachtslied „Stille Nacht“. In diesem Jahr war das Instrument wichtiger Teil des neuen Projekts „Alles ohne Strom“, das sich an Oberschüler richtet.

„Winter und Weihnachten“ spielen auch in der Kleinen Galerie im Kuhstall eine herausragende Rolle. Unter diesem Titel werden noch bis Ende Februar Bilder von Johannes Mühler gezeigt. Der 1876 in Frohburg geborene und bis zu seinem Tod 1952 in Leipzig lebende Fotograf gehörte zu den Pionieren der Pressefotografie. Zu sehen sind im Café unter anderem Titel- und Doppelseiten der Illustrierten „Bilderwoche“ der Neuen Leipziger Zeitung. Die Bilder des Fotografen sind zum großen Teil in den 20er und 30er Jahren entstanden.

Das Volkskundemuseum, Benndorfer Weg 3 in Wyhra, ist bis März jeweils Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Für Gruppen sind Besuche nach Voranmeldung unter der Telefonnummer 03433 851071 auch zu anderen Zeiten möglich.

Von Julia Tonne

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