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Borna: Nach 130 Jahren hört der Männerchor Zedtlitz auf zu singen

Nachwuchsmangel Borna: Nach 130 Jahren hört der Männerchor Zedtlitz auf zu singen

130 Jahre lang gab es den Männerchor Zedtlitz. Nun ist Schluss, die verbliebenen 17 Sänger hören auf zu singen. Der Grund: Der Altersdurchschnitt liegt bei mittlerweile 76 Jahren, und Nachwuchs ist nicht in Sicht. Jedenfalls nicht so viel, dass es sich lohnen würde weiterzumachen. Damit endet in Borna ein Ära.

Nach 130 Jahren Bestehen löst sich der Männerchor Zedtlitz auf – hier ist das Ensemble bei einem seiner Auftritte.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. 130 Jahre lang gab es den Männerchor Zedtlitz. Nun ist Schluss, die verbliebenen 17 Sänger hören auf zu singen. Der Grund: Der Altersdurchschnitt liegt bei mittlerweile 76 Jahren, und Nachwuchs ist nicht in Sicht. Jedenfalls nicht so viel, dass es sich lohnen würde weiterzumachen. Damit endet in Borna ein Ära.

Was den Schluss-Strich für die Herren leichter erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass alle gemeinsam aufhören – und zwar auf den Tag genau nach 130 Jahren. Am 6. August 1887 hatten 20 junge Zedtlitzer den damaligen „Gesangverein“ gegründet, in diesem Jahr wird am 6. August das letzte Mal gemeinsam gesungen. „Es gehen alle mit, von den meisten Mitgliedern kam überhaupt erst der Vorschlag, den Verein aufzulösen“, erzählt Klaus Etzold, selbst seit 65 Jahren dabei und seit mehr als 30 Jahren Chorleiter.

Bis zum vergangenen Jahr waren die 17 Bornaer an Wochenenden immer wieder unterwegs, Einrichtungen wie Seniorenheime, Kliniken und Dorfgemeinschaften luden sie zu Auftritten im ganzen Landkreis ein. „Und bisher war das auch für uns machbar, wir konnten die notwendigen vier Stimmen abdecken“, sagt Rudolf Döhler, der zwar selbst nicht singt, aber die Moderationen übernahm.

Und für jede Stimme seien mindestens vier gute Sänger erforderlich. Doch diese Bedingung ist zunehmend schwieriger zu erfüllen – eben wegen des fehlenden Nachwuchses. Und noch eines macht dem Männerchor zu schaffen: das nachlassende Interesse an Volksliedern. „Die Pflege des deutschen Volksliedes war uns zu allen Zeiten nicht nur Freude, sondern auch Verpflichtung“, macht der Chorleiter deutlich. Doch eben das werde heutzutage kaum noch nachgefragt – weder von Radiostationen noch vom Publikum.

Auch andere Männerchöre stehen vor den gleichen Herausforderungen. Für viele geht es nicht mehr alleine, weshalb sie mit anderen zusammenarbeiten. Zudem erweitern die Chöre ihr Repertoire, denn mit Auftritten, bei denen lediglich Volkslieder zu Gehör gebracht werden, locke man laut Döhler heutzutage kaum noch jemanden hinter dem Ofen vor. Zunehmend in den Fokus anderer Gesangsvereine rücken unter anderem Gospel oder Musicals. Für den Männerchor Zedtlitz kam das aber nicht in Frage, sie blieben ihrem Repertoire treu, weil auch für neue Stücke wiederum neue Sänger gebraucht worden wären.

Etwas bleibt von den Zedtlitzern aber dennoch erhalten. Sämtliche Unterlagen will der Chorleiter dem Volkskundemuseum Wyhra überlassen. „Uns ist es wichtig, dass Noten, Chroniken und Bilder im Ort bleiben.“ Selbst Partituren, ein Satz Kleidung – Weste, Fliege und Hemd –, und Notenmappen sollen zukünftig an eine 130-jährige Chorgeschichte erinnern.

Von Julia Tonne

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