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Borna Borna: Nachlass des Zedtlitzer Männerchors kommt ins Museum
Region Borna Borna: Nachlass des Zedtlitzer Männerchors kommt ins Museum
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00:22 08.02.2018
Klaus Etzold war über 30 Jahren Dirigent vom Männerchor Zedtlitz. Dessen Hinterlassenschaften hat er sorgfältig aufbewahrt. Quelle: Nikos Natsidis
Borna/Zedtlitz/Neukirchen

Es ist ein ganz spezieller Beitrag zur Heimatgeschichte: der Nachlass, der übrig geblieben ist und mit dem sich 130 Jahre Geschichte beleuchten lassen. Es handelt sich um die Hinterlassenschaften des Männerchors Zedtlitz, die Klaus Etzold sorgfältig in seinem Keller bewahrt: Notenmappen und Notenbücher ebenso wie ein Notenpult und die Tagebücher, die er in seinen Jahren als Chorleiter des Ensembles geschrieben hat. Zeugnisse der Chorgeschichte, die zugleich auch eine sehr persönliche Geschichte ist – die von Klaus Etzold und seiner Familie.

Der Anzug, wie ihn die Zedtlitzer Sänger trugen. Quelle: Nikos Natsidis

Die ist über Jahrzehnte untrennbar mit dem Chor verbunden, der seit seiner Gründung im Jahr 1887 bis zum Krieg als „Gesangsverein“ firmierte und die Jubiläumsfeier im vorigen Jahr zugleich zur letzten offiziellen Chorveranstaltung werden ließ. Ein Ende nach 130 Jahren, weil es nur noch 17 aktive Sänger gab. Und auch wenn der jüngste von ihnen tatsächlich nur 26 Lenze zählte, lag das Durchschnittsalter bei 76 Jahren, und eine ordentliche Singefähigkeit war weniger und weniger gegeben.

Dabei war das keineswegs immer so, macht Klaus Etzold klar. Er muss es wissen. Schließlich war er 32 Jahre seiner insgesamt 65 aktiven Sängerjahre in Zedtlitz Dirigent des Ensembles, das in seinen besten Zeiten in den 90er-Jahren 45 Mitglieder zählte. Klaus Etzold hatte den Dirigentenstock nach dem Tod seines Bruders Gerhard 1895 übernommen, der den Chor seit 1952 geleitet hatte. Dabei waren die Brüder keineswegs die ersten Etzolds, die den Männerchor Zedtlitz prägten. Es war Gustav Etzold, der vom Gründungsjahr des Chores bis 1922 als Vereinsvorsitzender fugierte – der Großvater von Klaus Etzold. Und der letzte künstlerische Leiter war im Chor wiederum auch nicht der einzige aus der Familie – Neffe Georg war bis zum Ende im vorigen Jahr mit von der Partie.

Das Ende des Chores war letztlich wegen des hohen Durchschnittsalters der Sänger unvermeidbar geworden, wie Klaus Etzold sagt. Vielleicht lag es auch am Repertoire, das nach wie vor hauptsächlich aus Volksliedern bestand, die mehrheitlich im Rentenalter befindlichen Sänger unter sich bleiben ließ und für Sänger-Nachwuchs eher wenig interessant machte. Und mit anderen Chören zu fusionieren, wie es andere Gesangsvereine angesichts sinkender Mitgliederzahlen durchaus machen, kam für die Zedtlitzer Sänger nicht in Frage. „Wegen der Geselligkeit“, sagt Klaus Etzold, der von Beruf gelernter Zimmermann und studierter Bauingenieur war.

Die Zedtlitzer Sänger trafen sich zu ihren Proben im Gasthof Zedlitz, ein Glas gepflegten Gerstensaftes mit dabei. Was keineswegs heißen soll, dass die sangesfreudigen Männer nicht anständig geprobt hätten. Immerhin erreichten sie zu DDR-Zeiten bei den obligatorischen Einstufungen die Prädikate „Gut“ und „Sehr gut“. Und dass ihnen der Spaß am Gesang auch nach dem offiziellen Ende der 13 Jahrzehnte währenden Chorgeschichte keineswegs vergangen ist, wird jeden Donnerstagabend im Gasthof Zedtlitz deutlich. Dort, sagt Klaus Etzold, trinken die einstmals organisierten Sänger ihr Bier. Das lockert die Zunge, das Bedürfnis nach musikalischer Äußerung wird stärker, und spätestens wenn der vormalige Dirigent, so aller drei Woche, in der Gaststätte aufkreuzt, wird gesungen. Weil es den Männern einfach Spaß macht – so wie es in der langen Chorgeschichte immer war.

Die wird künftig im Volkskundemuseum Wyhra bewahrt, wo Museumsleiter Hans Ketzer bereits sein Interesse signalisiert hat. Anhand von Musikalien, aber auch mit einem roten Choranzug. Zum Nachlass des Zedtlitzer Männerchors gehört auch ein Vase, die die Sänger einst bei einer Veranstaltung in Kohren-Sahlis bekamen.

Von Nikos Natsidis

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