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Borna: Retter bewahren Verein vor Pleite und Schule vor Schließung

Ehrenamtspreis Borna: Retter bewahren Verein vor Pleite und Schule vor Schließung

Ohne das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher würde unsere Gesellschaft um einiges trister aussehen. Aus Nächstenliebe und für den guten Zweck setzen sie sich für andere ein. So verhält es sich auch bei den diesjährigen Ehrenamtspreisträgern der Stadt Borna Brigitte Beyer und Ingo Dießner.

Ingo Dießner und Brigitte Beyer bei der Auszeichnung.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Brigitte Beyer ist eine freundliche Frau mit wachen Augen und einem einladenden Lächeln. Mit verschränkten Händen sitzt sie am Esstisch in ihrem gemütlichen Fachwerkhaus im Bornaer Ortsteil Thräna. Obwohl sie in ihrem Leben bereits viel gearbeitet und viel geschafft hat – mal als Lehrerin, dann in der Firma ihres Mannes und seit vielen Jahren nun auch schon politisch in der CDU – kommt die heute 73-Jährige nicht zur Ruhe. Immer wieder klingelt das Telefon. Mit Engelsgeduld widmet sie sich jedem Anrufer. „Mein Kalender ist immer voll. Ich habe immer etwas zu tun“, sagt sie. Und weiter: „Ich habe einfach gerne Leute um mich herum. Das ist ein schönes Arbeiten.“

Brigitte Beyer: Einsatz für Schule Neukirchen

Beim diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt Borna wurde sie mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Diesen, sagt sie, habe sie nur stellvertretend für den gesamten Ortschaftsrat von Wyhratal entgegengenommen. Überreicht hat ihn ausgerechnet Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (die Linke), der Beyer das Leben durch ihr Engagement etwas schwerer gemacht hat. Denn die Ortschaftsratsvorsitzende hat sich mit Leib und Seele für den Verbleib der Grundschule in Neukirchen eingesetzt.

Viele werden sich an den jahrelangen Streit zwischen der Kernstadt und den entlegeneren Ortsteilen erinnern. In mehreren Instanzen klagten Beyer und ihre Mitstreiter aus dem Ortschaftsrat für den Fortbestand der Bildungseinrichtung, eine andere Lösung hätten sie damals nicht gesehen. Beyer investierte für die Rechtsstreitigkeiten eigenes Geld in Höhe von mehreren hundert Euro. Und konnte sich nach Jahren in der Schwebe durchsetzen. Die Schule in Neukirchen bleibt.

Der Erhalt habe ihr so sehr am Herzen gelegen, weil es einfach gut und richtig gewesen sei und weil das bei der Eingemeindung vertraglich auch festgehalten wurde. Dass sie früher als Lehrerin gearbeitet und diese Zeit stets sehr genossen habe, spielte eine untergeordnete Rolle, so Beyer.

Dass nun gerade die Überbringerin des Preises damals eine unpopuläre Rolle eingenommen hatte, lächelt Beyer weg. Ein wenig enttäuscht war sie aber, dass bei der Rede zur ihrer Ehrung nicht auf die Schule eingegangen worden sei, denn „dem Ortschaftsrat vorzusitzen allein ist ja nun noch keine Leistung“, kommentiert sie. Dennoch, böses Blut gibt es von ihr nicht. Im Gegenteil. Beyer wird nicht müde, ihre Kollegen und Mitstreiter, zu denen auch Eltern und ehemalige Schüler der Schule gehörten, zu loben.

Ingo Dießner: Engagement für den Bornaer SV

Ebenfalls mit dem Ehrenamtspreis für seinen unermüdlichen Einsatz ausgezeichnet wurde Ingo Dießner. Der 47-Jährige wurde mehr zufällig zum Retter des Bornaer SV. Als Jugendleiter, der nichts mit Finanzen zu tun hat, hätte Dießner sich zurücklehnen und die Dinge geschehen lassen können. Doch das ist nicht seine Art. Das wird sofort klar, wenn der zierliche Mann einen Raum betritt. Er strahlt Freundlichkeit und Entschlossenheit gleichermaßen aus. Er steht jedem Menschen, so viel Mist der auch gebaut haben mag, mit offenen Armen gegenüber, bietet seine Hilfe an. Dafür ist er bekannt. Und so ist er auch mit dem Bornaer SV verfahren.
Der damalige Vorstand hat Schulden noch und nöcher angehäuft und der einzige Umgang damit war, den Berg zu ignorieren. Bis die Insolvenz ins Haus stand. An der Pleite wäre selbstredend auch die Jugendabteilung zerbrochen, in der auch Dießners Tochter trainierte.

Also hat er sich ein Herz gefasst und das Ruder übernommen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde der alte Vorstand abgesetzt und Dießner rutschte nach. Er hat sich neben dem Beruf und neben dem Vatersein in das Thema Finanzen reingefuchst und durch viel Arbeit, viele Worte und vor allem viel Zeit die Pleite des Vereins abgewendet. Mehr als das, er hat den Verein in ruhige Fahrwasser gelenkt. Und das stets mit einem großen privaten Risiko. „Wenn das schief gegangen wäre, hätte ich dafür gehaftet“, sagt er heute. Das war ihm von Anfang an bewusst, abgehalten hat ihn das nicht.

Dießner hat den Ehrenamtspreis wie Beyer stellvertretend in Empfang genommen „für all die anderen, die geholfen haben. Denn allein wäre das nicht zu schaffen gewesen“. Die Unterstützung aus der Familie sei besonders wichtig gewesen, denn diese musste viel verzichten in den schwierigen Zeiten. Doch auch seine Chefin bei der Firma Becker Umweltdienste habe einen großen Anteil an dem guten Ausgang der Geschichte. Denn sie hat ihm den Rücken frei gehalten, mehr als ein Auge zugedrückt, als er fast rund um die Uhr beim Verein eingespannt war.

Den Preis sieht Dießner als Bestätigung dafür, dass der Einsatz aller sich gelohnt habe. Und er ist ein Beweis dafür, dass man gemeinsam Großes schaffen kann. Auch wenn die Situation ausweglos erscheint.

Dießner, der neben seiner Position als Vorstandsvorsitzender auch noch als Jugendtrainer tätig ist, möchte es in Zukunft etwas ruhiger angehen lassen. „Wenn die Trainersituation es zulässt, würde ich mich da gern zurückziehen“, sagt er. Denn auch wenn hinter ihm eine spannende und letztendlich sehr erfolgreiche Zeit liege, war sie doch auch sehr kräftezehrend.

Von Nathalie Helene Rippich

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