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Borna: Verband will Anlage für weicheres Wasser – Groitzsch geht dagegen vor

Trinkwasserversorgung Borna: Verband will Anlage für weicheres Wasser – Groitzsch geht dagegen vor

Die deutliche Mehrheit der Kommunen im Zweckverband Wasser/Abwasser Bornaer Land hat sich für den Bau einer Enthärtungsanlage im Wasserwerk Kesselshain ausgesprochen. Rund 35 000 Verbraucher würden davon profitieren. Groitzsch will allerdings gegen den Beschluss vorgehen.

Mit großer Mehrheit hat der ZBL den Bau einer Enthärtungsanlage im Wasserwerk Kesselshain beschlossen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Blumroda/Groitzsch. Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Bornaer Land (ZBL) hat sich mit großer Mehrheit für den Bau einer Wasserenthärtungsanlage im Wasserwerk Kesselshain ausgesprochen. Wann und ob die gebaut werden kann, könnte noch offen sein. Denn die Stadt Groitzsch will rechtlich gegen den Beschluss vorgehen.

Mit der zusätzlichen Behandlung des im Wasserwerk Kesselshain produzierten Trinkwassers soll dessen Härtegrad so weit reduziert werden, dass der Härtebereich 2 erreicht wird. Damit würden alle Verbraucher im Gebiet des ZBL mit Wasser des gleichen Härtebereichs versorgt. Derzeit liegt im östlichen Teil des Verbandsgebietes bei rund 35 000 Einwohnern und damit etwas mehr als der Hälfte der ZBL-Abnehmer härteres Wasser an.

Kurz vor der Beschlussfassung wurden in fast turbulent zu nennender Weise in regem E-Mail-Verkehr die Standpunkte ausgetauscht. In mehreren Mitgliedskommunen hatten die Parlamente beschlossen, wie ihre Verbandsräte abstimmen sollen, was nicht üblich ist. Als sich eine Mehrheit für die voraussichtlich 720 000 Euro teure Anlage abzeichnete, gab deren beharrlichster Gegner, die Stadt Groitzsch, eine rechtliche Beurteilung in Umlauf, die zu dem hauptsächlichen Schluss kam: Der Beschluss könne so nicht gefasst werden, weil nicht alle alternativen Möglichkeiten ausreichend geprüft worden seien.

Die Stadt Borna antwortete kurzfristig mit einer Stellungnahme ihres Justiziars, die zum gegenteiligen Schluss kommt. Hinzu kam eine Einschätzung des Landratsamtes zum Groitzscher Rechtsgutachten. Tenor: Der ZBL dürfe sehr wohl eine Enthärtungsanlage bauen, sollte aber die bestehenden Alternativen genau vergleichen.

Hinreichend informiert durch das jüngste Material sah sich Uwe Wellmann (CDU), stellvertretender Bürgermeister von Rötha. So sehr, dass er – vertretungsweise als Stimmführer für seine Stadt – für den Bau der Enthärtungsanlage votierte, obwohl der Technische Ausschuss Röthas wenige Tage zuvor in einer nur informellen Abstimmung das Gegenteil festgelegt hatte.

Auch Verbandsrat Günter Kolbusa, SPD-Stadtrat in Borna, stimmte als einer von drei Bornaer Verbandsräten mit für die Anlage, da er sich an den Weisungsbeschluss des Stadtrates zu halten hatte. An seiner Ablehnung der Enthärtungsanlage, habe sich allerdings nichts geändert, erklärte er. Nach wie vor plädiere er dafür, weicheres Wasser durch Bezug von mehr Fernwasser zu erreichen. Allerdings hatte ausgerechnet die von Groitzsch initiierte Rechtsaussage klargestellt, dass mehr Fernwasser nicht in Frage komme.

Die Abstimmung fiel überaus deutlich aus. Nur die Stadt Groitzsch und die Gemeinde Elstertrebnitz stimmten mit ihren zusammen zehn Stimmen gegen den Bau der Enthärtungsanlage. Pegau, wo ebenfalls das weichere Wasser anliegt, enthielt sich (5 Stimmen). Alle anderen Kommunen sprachen sich dafür aus (52 Stimmen).

Groitzschs Bürgermeister Maik Kunze (CDU) hatte das kommen sehen und schon zuvor angedeutet: „Wir werden uns überlegen müssen, wie wir mit der Entscheidung umgehen.“ Konkret wurde das am selben Abend im Groitzscher Verwaltungsausschuss. Dort habe man sich verständigt, rechtlich gegen den Beschluss des Verbandes vorzugehen, sagte der Bürgermeister. „Wir sind dafür, dass die Betroffenen weicheres Wasser bekommen. Aber wir halten den Weg nicht für den richtigen“, hatte Kunze in Blumroda gesagt. Der Groitzscher Bürgermeister stellt auch in Frage, ob das Solidarprinzip an dieser Stelle greife, „ob wir für etwas herangezogen werden können, wovon wir auf Dauer nicht profitieren“. Damit spielt er auf die vom Verband berechneten acht Cent an, mit der die Anlage auf den Kubikmeterpreis aufschlägt. Die zweifelt Kunze auch in der Höhe an und spekuliert: „Wir wissen nicht, wo die Reise hingeht.“

Die Enthärtungsanlage ist im Doppelhaushalt des ZBL für 2017/18 eingeplant. Laut Geschäftsführer Michel Spitzner sei jetzt eine Planungsphase von bis zu einem Dreivierteljahr nötig, gebaut werden könne nicht vor 2018. Welche Auswirkungen das Groitzscher Vorgehen haben könnte, ist offen.

Von André Neumann

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