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Borna: Verschiedene Standpunkte zur Bildungsempfehlung

Borna: Verschiedene Standpunkte zur Bildungsempfehlung

Die Bildungsempfehlung soll verändert werden. Das sickerte kürzlich aus dem Dresdner Kultusministerium durch. Die LVZ fragte, was Schulleiter der Region von der aktuellen Diskussion halten.

Blick auf das Bornaer Gymnasium „Am Breiten Teich“, Schulleiter in der Region haben verschiedene Meinungen zur Bildungsempfehlung.

Quelle: Günther Hunger

Borna. Renate Blonski, Leiterin der Grundschule Deutzen bei Borna, begrüßt das. Als sich die Anforderungen für die Bildungsempfehlung vor fünf Jahren änderten, war sie wenig begeistert. Zuvor galt: In Mathe und Deutsch müssen die Grundschüler mindestens Note 2 schaffen, sonst können sie nicht aufs Gymnasium. „Das war vernünftig“, so Blonski. Noch heute rät sie Eltern oft ab, ihr Kind mit einer 3 in einem der beiden Fächer an den leistungsorientierteren Schultyp zu schicken. Ausnahmen seien, wenn ein pfiffiges Kind lange krank war oder familiäre Probleme hatte und deshalb die 2 nicht geschafft hat, meint die Schulleiterin. Steht ein Kind auf 2,5, gibt es ein Beratungsgespräch, wo Eltern und Lehrer die Zukunft des Schülers diskutieren. Auch dass Sachkunde als drittes Fach dazu kommt, findet die Deutzenerin in Ordnung. „Die Kinder halten dort Vorträge, erstellen Dokumentationen und müssen selbst Wissen recherchieren, sei es durch Bücher, Internet oder Befragungen“, sagt Renate Blonski. Dabei könne man gut einschätzen, ob ein Schüler selbstständig arbeiten kann. Margitta Schade, Leiterin des Bornaer Gymnasiums „Am Breiten Teich“, ist anderer Meinung: „Ich sehe zurzeit keine Notwendigkeit, die Bildungsempfehlung zu verändern.“ Sie habe sich die Leistungen der Schüler, die vor Jahren mit einem Durchschnitt von 2,5 an ihre Schule kamen, genauer angeschaut und festgestellt: „Sie haben eine gute Entwicklung durchgemacht.“Frank Ziemann, Leiter der Dinter-Mittelschule in Borna, wiederum hält die geplante Änderung für sinnvoll. Grund: „Ins Gymnasium gehören die leistungsstarken Schüler, das sollte man nicht verwässern.“ Es nütze dem Kind nichts, wenn es am Gymnasium nur Misserfolge hat und in der achten oder neunten Klasse mit Lernfrust zurück an die Mittelschule kommt. Zudem solle keiner vergessen, dass so mancher Realschüler, bei dem der berühmte „Knoten“ später platzt, nach der zehnten Klasse am Beruflichen Gymnasium Abitur machen und studieren kann. In der Dinterschule seien das 10 bis 15 Prozent der Absolventen. Für die Mittelschulen würde die Veränderung eine eindeutig positive Entwicklung bedeuten, weil sie wieder mehr leistungsstarke Schüler bekommt, „mehr Zugpferde“, sagt der Schulleiter.Die Bildungsempfehlung in Klasse 6 ist nicht neu. Auf Antrag der Eltern gibt es die heute schon. Einzelne Schüler würden jedes Jahr nach Klasse 5 oder 6 ans Gymnasium gehen, so Ziemann. Neu in der Diskussion ist, dass jeder Schüler nochmals solch eine Bildungsempfehlung bekommt. Wie sich das auswirkt, müsse man abwarten. Und außerdem: „Wir werden sehen, was der Gesetzgeber entscheidet. Wir reden ja jetzt noch von ungelegten Eiern.“ Für die derzeit laufende Schulanmeldung der künftigen Fünftklässler spielt das Thema also keine Rolle. Bis Freitag nehmen die Mittelschulen, bis Montag die Gymnasien die Anmeldungen entgegen.

Claudia Carell-Domröse

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