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Borna Borna: Wie sich das Volkskundemuseum Wyhra für die Zukunft aufstellt
Region Borna Borna: Wie sich das Volkskundemuseum Wyhra für die Zukunft aufstellt
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00:19 24.06.2017
Das bäuerliche Leben um das Jahr 1900 bleibt weiter Schwerpunkt im Volkskundemuseum Wyhra. Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer hängt hier ein romantisierendes Agrarbild aus den 1920er Jahren über einer Getreide-Ernte-Ablege-Maschine auf. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna/Wyhra

Das Volkskundemuseum Wyhra will sich für die Zukunft neu aufstellen. Zwar soll es auch weiterhin um das bäuerliche Leben um das Jahr 1900 gehen. „Aber das müssen wir an einzelnen Problemkreisen festmachen“, sagt Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer. Konkret am Thema Familie, das in einer Sonderausstellung unter dem Titel „Routine, Rituale, Risiken“ beleuchtet wird, die am Sonnabend eröffnet wird. Mit der Schau beginnt gewissermaßen die Umstellung der Museumsangebote auf die neuen Interessen potenzieller Besucher.

„Wir müssen Erlebnisse schaffen, die autonom funktionieren“, sagt der promovierte Historiker und meint damit, dass nicht alle Offerten des Hauses, das es in dieser Form seit mehr als einem Vierteljahrhundert gibt, noch hundertprozentig zeitgemäß sind. Deshalb will der Museumsmacher Verstärkung holen und hat dabei schon einmal die Ausstellungsagentur Unikatum zurate gezogen. Die Agentur gilt als führend auf ihrem Gebiet und hat etwa für die Gestaltung des Gondwanalandes im Leipziger Zoo und des Hessenparks, eines Freilichtmuseums im Hochtaunuskreis, gesorgt. So lautet dann ein erster Vorschlag der Ausstellungsprofis, die Besucher im Wohnbereich des Museums mit seinen historischen Bauernmöbeln mit einem Hörspiel „einzufangen“. Für Ketzer bedeutet ein derartiger Vorschlag, „dass auch heutzutage nicht alles im Museum computeranimiert gemacht werden muss“.

Gewisse Erfahrungen, Besucher nicht nur über die attraktive Präsentation interessanter Ausstellungsstücke anzulocken, hat das Museum bereits. Speziell für Kinder bieten die Museumsmacher mehrere Programme an, wenn etwa Vorschulkinder unter der Überschrift „Spinnrad, Backofen, Uhrenkasten“ Gegenstände zu sehen bekommen, die sie aus den klassischen Märchen kennen. Ketzer: „Dann erfahren sie auch, warum man sich an einem Spinnrad stechen kann.“ Für Grundschüler gibt es eine Märchenrallye, während Oberschüler unter dem Motto „Alles ohne Strom“ erleben, wie es vor mehr als 100 Jahren zuging und zudem mit einer Dezimalwaage wiegen müssen.

Was seinen Materialbestand anbelangt, so hat das Volkskundemuseum, dessen Ursprünge auf einen Beschluss des damaligen Kreistages Borna im Jahr 1985 zurückgehen, einiges zu bieten, Bauernmöbel etwa, die im zentralen Gebäude aus dem Jahr 1739 zu sehen sind. Aber die Räume sollen mit mehr Leben gefüllt werden, eben auch themenbezogen.

Deshalb erwartet die Besucher der neuen Ausstellung, die bis zum Oktober gezeigt wird, wie es in Sachen Eheschließung an der Wende zum letzten Jahrhundert aussah. Die romantische Zuneigung zweier Menschen war seinerzeit jedenfalls weniger ausschlaggebend für die Eheschließung, zumindest auf dem Land. Historiker Ketzer: „Da ging es vor allem um die Sicherung des Hofbesitzes“, was in der Schau in Verbindung mit den vorhandenen Ausstellungsobjekten zu sehen sein soll.

Auch die Weichen für die Nachfolge-Ausstellung im Jahr 2018 sind bereits gestellt. Dann stehen Kultur und Vereine in Dorf im Mittelpunkt, weil sich die Verhältnisse gerade in den Dörfern südlich von Borna um das Jahr 1900 entscheidend veränderten. „Da gab es auf einmal richtige Parallelgesellschaften“, sagt Ketzer mit Blick auf das Nebeneinander von alteingesessener Dorfbevölkerung und hinzugezogenen Kohlekumpeln. In Wyhra lebte seinerzeit der Bergbau auf, als sich die Bleichert-Werke aus Leipzig-Gohlis im Dorf niederließen.

Die Ausstellung wird am Sonnabend, 17 Uhr, eröffnet. Zuvor lädt das Museum wie alle Jahre wieder zur Sommersonnenwende zum Tanz auf Hof und Heiste ein, bei dem die Damen vom Trio „Klatschmohn“ ab 15 Uhr für Stimmung sorgen.

Von Nikos Natsidis

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