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Borna bekommt in etwa vier Jahren seinen barrierefreien Bahnhof

Podiumsdiskussion Borna bekommt in etwa vier Jahren seinen barrierefreien Bahnhof

Borna bekommt den lang ersehnten barrierefreien Bahnhof voraussichtlich in vier Jahren. Das ergab eine Podiumsdiskussion am Dienstagabend zwischen Kommune, Betroffenen und der Deutschen Bahn. Doch eine Interimslösung bis dahin ist aussichtslos – zum Leidwesen der Rollstuhlfahrer, die verschiedenen Varianten vorgeschlagen hatten.

Simone Luedtke, Christian Schulz und Gabriela Fröhlich vom ZVNL beantworten Fragen rund um den künftigen barrierefreien Bahnhof in Borna. Aussichtslos ist aber eine Zwischenlösung.

Quelle: Julia Tonne

Borna. Die Kreisstadt bekommt einen lang ersehnten barrierefreien Bahnhof voraussichtlich in vier Jahren. Doch eine Interimslösung bis dahin wird es nicht geben. Das ist das Ergebnis der Podiumsdiskussion am Dienstagabend zwischen Kommune, Betroffenen und der Deutschen Bahn. Das Interesse bei den Bornaern aber scheint abgeflaut zu sein, lediglich 20 Zuhörer waren in den Goldenen Stern gekommen.

„Der Bahnhof in Borna hat bei uns eine hohe Priorität, der Umbau ist jetzt ein Projekt, an dem nun zügig gearbeitet wird“, machte Christian Schulz, Leiter des Bahnhofsmanagement Leipzig der BD Station & Service, deutlich. Die Aufgabenstellung sei bereits an einen Planer übergeben worden. Doch er dämpfte zugleich die Hoffnungen auf eine schnelle Umsetzung. „Wir müssen die Tippel-Tappel-Tour gehen – mit Auslegungen, Planungen, Genehmigungen und Fristen“, stellte er klar. Von daher rechnet er nicht mit der Fertigstellung vor 2020.

Für die Betroffenen – Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen, Radfahrer und Reisende mit schwerem Gepäck – ein unendlich scheinender Weg. Was sie vor allem kritisieren, ist eine fehlende Zwischenlösung wie beispielsweise ein sogenannter schienengleicher Übergang. „Wir sind es als Betroffene leid, dabei haben wir seit 2009 – gesetzlich verankert – ein Recht auf vollständige Barrierefreiheit“, betonte Jens Merkel, Behindertenbeauftragter des Landkreises Leipzig. Ein selbstbestimmtes Leben sei schlicht nicht möglich. Das fange damit an, dass er drei Tage, bevor er nach Leipzig fahren will, bei der Bahn seine Mitfahrt anmelden muss. Und auch dann sei er lediglich auf die Züge angewiesen, für die er angemeldet sei. „Mal etwas länger bummeln oder ins Restaurant gehen, ist nicht machbar.“

Laut Schulz sei ein schienengleicher Übergang vom Eisenbahnbundesamt nicht genehmigt worden. Allein die Zahl von rund 1700 Ein- und Ausstiegen pro Tag spreche dagegen. Dabei, so betonte Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke, wäre durchaus jemand bereit gewesen, den Übergang zu bedienen. „Aus der Sicht der Stadt wäre das machbar gewesen.“ Zwei andere Zwischenlösungen hatte Jana Treffler vom Projekt „ÖPNV für alle“ ins Gespräch gebracht – die Umleitung der Züge auf das Gleis 1 und den Ausstieg der Betroffenen nach dem Abkoppeln der Waggons, wenn diese auf Gleis 1 wieder eingesetzt werden. Beides aber sei nach Aussage von Schulz ebenfalls nicht möglich. „Schon weit vor Borna müssten die Züge das Gleis ändern, und die zweite Variante lässt das Eisenbahnrecht nicht zu.“

Wie der barrierefreie Bahnhof in Borna künftig aussehen kann, wird derzeit mit allen Beteiligten abgestimmt. Schulz schwebt eine Lösung wie in Böhlen vor, wo Rampen zu den Gleisen führen. Denn die seien besser gegen Vandalismus geschützt und nicht so anfällig wie Fahrstühle. Welche Vorstellungen die Beteiligten haben, wird im September Thema eines Treffens von Bahn, Kommune, Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) und Betroffenen sein. Von ersten konkreten Planungen geht Schulz Anfang bis Mitte nächsten Jahres aus.

Am Dienstagabend aber gab es nicht nur Kritik. Gisela Schmidt, Vorsitzende des Bornaer Seniorenbeirats, sprach der Bahn durchaus gute Noten aus, was den Servicepunkt und den Freundlichkeit der Mitarbeiter betrifft. „Zudem werden die Haltestellen rechtzeitig durchgegeben, und die Schrift der Anzeigen ist groß genug.“

Von Julia Tonne

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