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Borna Borna erreicht fast die Marke von 20.000 Einwohnern
Region Borna Borna erreicht fast die Marke von 20.000 Einwohnern
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09:49 21.01.2019
Das Atelier von Michael Fischer-Art war während des Neujahrsempfangs gut besucht. Quelle: Julia Tonne
Borna

 Steigende Steuereinnahmen, eine stetig wachsende Bevölkerung, mehr Kinder, aber zugleich auch eine Zunahme von Zerstörungen in der Stadt: Bei ihrer Neujahresrede am Sonnabend stellte Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) das Geschehen und die Entwicklungen der Großen Kreisstadt in den Fokus. „Eine Neujahrsrede sollte nun wirklich keine Abrechnung mit der Bundes- und Landespolitik sein“, begründete sie.

Und wie es meist in einer Kommune der Fall sei: Gut und Böse liegen manchmal eng beieinander. Zunächst einmal machte Luedtke ihrem Ärger über den Umgang mit städtischem Eigentum, „also mit unser aller Eigentum“, Luft und prangerte die „Zerstörungsorgien“ an, die in Borna in den vergangenen Monaten verstärkt zu erkennen seien. Ob der Marktplatz am Silvesterabend, ob der grüne Wohngebietstreff in Borna-Ost oder die Löscher-Anlagen, ob eine lang anhaltende Einbruchserie oder das Beschmieren von Gebäuden mit Graffitis: „Wir müssen uns fragen, wie wir darauf künftig reagieren“, erklärte die Rathauschefin und brachte erneut eine Videoüberwachung ins Spiel, ebenso wie die Überlegung, Feuerwerke in der Innenstadt künftig zu verbieten.

Und noch etwas kritisierte Luedtke in ihrer Rede: die derzeitige Debattenkultur, sei es in der Stadt oder darüber hinaus. „Es geht oft nur noch um den Applaus für die eigene Meinung und die Diffamierung des Widerspruchs gegen diese“, betonte sie. Es sei also dringend an der Zeit, Computer, Handy und Internet durch die direkte Kommunikation zu ersetzen. „Miteinander reden ist das Gebot der Stunde.“

Oberbürgermeisterin Simone Luedtke hofft auf ein bessere Miteinander künftig in Borna. Quelle: Julia Tonne

Die andere Seite der Bornaer Medaille sieht nach Aussage der Oberbürgermeisterin hingegen deutlich schöner aus. Die Einwohnerzahl liege bei 19.740, „und mit der Erweiterung des Wohngebietes in der Kesselshainer Siedlung knacken wir mir Sicherheit die 20.000er-Marke noch in diesem Jahr. Ein „Problem der positiven Art“ sei damit einhergehend der notwendige Bau einer weiteren Kindertagesstätte.

Kommentar: Einfach mal selbst mit anpacken

Aus den Blumenrabatten in den Löscher-Anlagen verschwinden frisch gepflanzte Blumen, im grünen Wohngebietstreff in Borna Ost werden Geräte zerstört, am Silvesterabend wird der Marktplatz zum Schlachtfeld. Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke hat recht, wenn sie in ihrer Neujahrsrede von Zerstörungsorgien spricht. Fast nichts, was die Stadt in den vergangenen Monaten neu gemacht, schick hergerichtet oder saniert hat, ist noch in eben diesem Zustand. Stattdessen: herausgerissene Pflanzen, Dreck, Müll, Graffitis.

Viele Anwohner machen in dem Falle nur eines: sich bei der Stadt beschweren. Dabei kann diese sicher viel gestalten, aber sie ist nicht alleiniger Unterhalter der städtischen Erholungs-Ecken. Vielmehr ist es nötig, dass auch die Anwohner die Augen offen halten, dass jeder die Verpackung seines Picknicks in einen Mülleimer wirft und nicht in die Beete, dass jeder zur Pflege eines Areals etwas beiträgt. Vielleicht hätte ein Anruf von Marktplatzbewohnern am Silverstertag bei der Polizei gereicht, um der dort beginnenden Zerstörungswut zuvorzukommen.

Immer wieder kommen auch in der Redaktion der LVZ Beschwerdebriefe an, die den vermüllten Zustand der Stadt anprangern. Wenn aber dann beispielsweise das Kinder- und Jugendparlament zum Frühjahrs- und Herbstputz aufruft, sind die Jugendlichen oft allein auf weiter Aufräum-Flur. Es reicht schlicht nicht, sich nur aufzuregen, manches Mal hilft es, zum Besen, zur Harke und zur Mülltüte zu greifen.

Eines sei an der Stelle erwähnt: Es gibt zahlreiche Bornaer, die sich um ein schönes Ortsbild kümmern, diese seien an der Stelle von der Kritik ausgenommen. Aber eben diese Gruppe könnte noch Zuwachs gebrauchen. Eigentlich ist es gar nicht so schwer: Wer etwas sieht, was ihn stört, räumt es einfach mal selbst weg. Und achtet zudem darauf, mit dem Eigentum aller pfleglich umzugehen. Julia Tonne

Insgesamt will Borna in diesem Jahr rund acht Millionen Euro investieren, die größten Posten darunter seien die Fertigstellung der Sanierung der Grundschule West und der Sanierung der Vereinshäuser in der Röthaer Straße und Borna Ost. Vorausgesetzt natürlich, dass der Stadtrat den Haushalt absegnet. Entsprechend widmete sich der dritte Schwerpunkt ihrer Rede der finanziellen Situation der Stadt. „Und deren Entwicklung zeigt: Die Zukunft ist uns sicher.“

Die Band Kleeberg sorgte beim Neujahrsempfang für die passende Musik. Quelle: Julia Tonne

Im vergangenen Jahr konnte das Gesamtsteueraufkommen noch einmal zulegen – auf mehr als zwölf Millionen Euro. Zugleich halte sich die Stadtverwaltung bei den Schulden an den festgelegten Plan: an die weitere Tilgung von Krediten, auch wenn Borna seit 2008 ohne Kredite für Investitionsmaßnahmen ausgekommen sei. Derzeit, so Luedtke, liege die Pro-Kopf-Verschuldung bei 113,28 Euro. „Trotz der Investitionen schaffen wir es wohl, im Jahr 2022 schuldenfrei zu sein.“

Künstler Michael Fischer-Art stellt seine Projekte für Borna vor. Quelle: Julia Tonne

Zwei Vorhaben, die in den kommenden Monaten anstehen, kündigte auch der Künstler Michael Fischer-Art an, in dessen Atelier der Neujahrsempfang stattfand. Gemeinsam mit der Stadt und den Bornaern solle zum einen ein Wohnblock in Gnandorf ein neues Fassadenbild bekommen, zum anderen eine neue Bushaltestelle am Breiten Teich an der Sachsenallee entstehen. „Einige Dinge in der Stadt schreien geradezu nach Veränderung“, begründete er.

Von Julia Tonne

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